Neue Schnellstraße als Startbahn für Kampfjets
Bei Paukarlahti wird die finnische Fernstraße 5 so ausgebaut, dass sie künftig als Ausweichstandort für Kampfflugzeuge dienen kann. Das Konzept soll den Flugbetrieb auch dann ermöglichen, wenn reguläre Luftwaffenstützpunkte angegriffen werden.
In Ostfinnland entsteht südlich von Kuopio ein Straßenabschnitt, der neben dem zivilen Verkehr auch militärischen Anforderungen gerecht werden soll. Bei Paukarlahti wird die Fernstraße 5 auf einer Länge von rund 2,7 Kilometern und einer Breite von etwa 46 Metern als Reserveflugplatz ausgelegt. Der Abschnitt gehört zum Ausbau der Verkehrsverbindung zwischen Leppävirta und Kuopio. Nach den Planungen der finnischen Luftwaffe soll er im Krisenfall als Start- und Landebahn für Kampfflugzeuge dienen.
Die Besonderheit liegt in der doppelten Nutzung der Infrastruktur. Im Normalbetrieb bleibt die Straße Teil des öffentlichen Verkehrsnetzes. Bei Bedarf kann sie für den Flugbetrieb gesperrt und als Ausweichstandort aktiviert werden. Neben der eigentlichen Bahn sind zwei zusätzliche Flächen vorgesehen, auf denen Flugzeuge abgestellt, betankt und bewaffnet werden können. Der Standort ist für die bisherigen F/A-18C/D Hornet ebenso vorgesehen wie für die F-35A Lightning II, mit denen Finnland seine Hornet-Flotte ersetzt.
Keine Beleuchtung und keine Mittelbarriere
Die militärische Nutzung bestimmt die bauliche Ausführung. Auf dem rund 2,7 Kilometer langen Abschnitt sind keine herkömmlichen Straßenlaternen vorgesehen. Auch eine Mittelbarriere, wie sie üblicherweise auf mehrspurigen Fernstraßen üblich ist, würde den Flugbetrieb behindern. Die freie, breite Fahrbahn soll den Flugzeugen genügend Platz für Start und Landung bieten. Hinzu kommen Anforderungen an die verfügbare Bahnlänge, die auch bei winterlichen Bedingungen ausreichende Sicherheitsreserven ermöglichen soll.
Die geplante Breite von rund 46 Metern unterscheidet den Abschnitt deutlich von einer gewöhnlichen Fernstraße. Bei einem Einsatz müssen nicht nur die Abmessungen der Flugzeuge berücksichtigt werden, sondern auch die Sicherheitsbereiche neben der Fahrbahn. Hindernisse, Verkehrseinrichtungen und andere feste Einbauten können die nutzbare Fläche einschränken. Die genaue Eignung hängt außerdem von den jeweiligen Flugzeugtypen und den betrieblichen Rahmenbedingungen ab.
Das Straßenprojekt ist Teil eines größeren Vorhabens. Für den Ausbau der Fernstraße 5 zwischen Leppävirta und Kuopio sind derzeit Gesamtkosten von rund 212 Millionen Euro veranschlagt. Davon entfallen nach den veröffentlichten Angaben etwa 32 Millionen Euro auf den militärisch nutzbaren Reserveflugplatz. Der neue Straßenverlauf soll westlich der bisherigen Strecke entstehen; die bestehende Straße bleibt als Parallelverbindung erhalten. Die Fertigstellung des Gesamtprojekts ist für 2029 vorgesehen. Die Bauarbeiten am eigentlichen Reserveflugplatz sollen 2027 beginnen.
Verteilte Standorte statt konzentrierter Flugbetrieb
Finnland verfolgt das Konzept dezentraler Luftoperationen seit Jahrzehnten. Die Luftwaffe trainiert regelmäßig, Flugzeuge außerhalb ihrer regulären Stützpunkte zu betreiben und kurzfristig auf vorbereitete Straßenabschnitte zu verlegen. Das jährliche Manöver Baana dient dazu, Starts und Landungen auf solchen Strecken sowie die Abläufe am Boden zu üben. Dazu gehören neben den fliegerischen Verfahren auch die Versorgung, technische Unterstützung, Flugsicherung und Sicherung des jeweiligen Standorts.
Der militärische Zweck ist die Verringerung der Abhängigkeit von wenigen großen Flugplätzen. Werden Flugzeuge, Personal und Unterstützungseinrichtungen auf mehrere Standorte verteilt, muss ein Gegner mehr mögliche Ziele berücksichtigen. Die Luftwaffe kann damit ihre Einsatzfähigkeit aufrechterhalten, selbst wenn einzelne Basen beschädigt oder zeitweise nicht nutzbar sind. Straßenflugplätze ersetzen dabei keine voll ausgestatteten Hauptstützpunkte, sondern ergänzen das Netz um alternative Betriebsorte.
Die finnische Luftwaffe nutzt bereits mehrere entsprechend vorbereitete Straßenabschnitte. Im September 2024 übte sie bei Baana 24 unter anderem auf den Straßenflugplätzen Norvatie bei Rovaniemi und Hosio bei Ranua. An dem Manöver beteiligten sich neben finnischen F/A-18 Hornet und Hawk-Trainingsflugzeugen auch deutsche Eurofighter und US-amerikanische F-35A. Die Übung zeigte, dass Straßenbasen nicht nur für nationale Verfahren, sondern auch für die Zusammenarbeit mit NATO-Partnern genutzt werden können.
Vorbereitung auf den Betrieb mit der F-35
Mit der Einführung der F-35A muss Finnland seine vorhandene Infrastruktur und die Abläufe für dezentrale Einsätze an das neue Flugzeug anpassen. Die Straßenlandebahn bei Paukarlahti wird deshalb nicht ausschließlich auf die bisherige Hornet-Flotte zugeschnitten. Auch die Flächen für Wartung, Betankung und Bewaffnung sind Teil der vorgesehenen militärischen Nutzung. Wie bei anderen Straßenflugplätzen bleibt der Betrieb von der verfügbaren Unterstützung, den Wetterbedingungen und der schnellen Bereitstellung von Personal und Material abhängig.
Paukarlahti liegt rund 50 Kilometer vom Luftwaffenstützpunkt Rissala entfernt, dem Standort des Karelia Air Command bei Kuopio. In der näheren Umgebung ist bereits ein weiterer Straßenreserveflugplatz an der Fernstraße 9 vorhanden, der 2025 fertiggestellt wurde. Mit dem neuen Abschnitt an der Fernstraße 5 erweitert Finnland die Optionen, Kampfflugzeuge im Umfeld des Stützpunkts außerhalb des regulären Flugplatzgeländes einzusetzen.
