Hier fahren die meisten E-Autos
Fast jedes dritte neu zugelassene Auto fährt in Rheinland-Pfalz bereits rein elektrisch – in Hamburg ist es nur etwa jedes sechste. Diese Spreizung zeigt: Der E‑Auto-Boom ist in Deutschland angekommen, aber regional sehr ungleich verteilt. Wer wissen will, wo sich der Umstieg besonders lohnt, muss auf die Muster hinter den Neuzulassungen schauen.
Im laufenden Jahr erreicht Rheinland-Pfalz bei Elektroauto-Neuzulassungen 33,1 Prozent – das ist bundesweit die höchste Quote. Schleswig-Holstein folgt mit 32,6 Prozent, danach liegen Niedersachsen (29,8) und Baden-Württemberg (29,7) dicht beieinander. Nordrhein-Westfalen kommt auf 29,3 Prozent, Bremen auf 28,9; der Bundesdurchschnitt liegt bei 27,2 Prozent.
Im Mittelfeld bewegen sich Bayern, Berlin, Brandenburg und das Saarland nahe am Schnitt. Am unteren Ende stehen mehrere ostdeutsche Flächenländer sowie Hessen und Mecklenburg-Vorpommern mit Quoten in den niedrigen Zwanzigern. Schlusslicht ist Hamburg mit 16,9 Prozent – dort entfällt damit nur etwas mehr als jede sechste Neuzulassung auf ein Elektroauto.
Auch in der Halbjahresbetrachtung zeigt sich das Muster, wenn auch mit etwas anderen Prozentwerten: Bundesweit liegt der Elektroauto-Anteil (BEV) im ersten Halbjahr bei 24,8 Prozent. Rheinland-Pfalz führt dort mit knapp 30 Prozent vor Schleswig-Holstein (rund 29 Prozent) und Baden-Württemberg (rund 28 Prozent), während Hamburg mit 16 Prozent den letzten Platz belegt. Die Reihenfolge oben und unten bleibt damit stabil: Gewinner sind vor allem Flächenländer, Verlierer vor allem der Stadtstaat Hamburg.
Gewinner profitieren vom Laden zu Hause
Ein zentraler Hebel ist das Laden zu Hause – also die Möglichkeit, eine Wallbox am eigenen Stellplatz zu installieren. Für Rheinland-Pfalz wird als Erkläransatz genannt, dass mehr als die Hälfte der Haushalte in privatem Wohneigentum lebt; das geht häufiger mit Stellplatz oder Garage und damit mit einer realistischen Ladeoption einher.
Hinzu kommt die Nutzung: Rheinland-Pfalz ist stark autoabhängig. 2024 fuhren dort 76 Prozent der Erwerbstätigen mit dem Auto zur Arbeit; bundesweit sind es etwa 65 Prozent. Wer viele Kilometer fährt, spürt die niedrigeren Betriebskosten eines Elektroautos stärker – vorausgesetzt, das Laden ist im Alltag unkompliziert.
Als weitere Treiber werden ein breiteres Modellangebot, wachsende Zuversicht bei Reichweite und Alltagstauglichkeit sowie höhere Spritpreise genannt. Für den aktuellen Schub spielt außerdem die neue staatliche Förderung eine Rolle. In Summe erklärt das, warum manche Bundesländer bei den Neuzulassungen schneller nach oben klettern als andere.
Warum Hamburg hinterherhinkt
Hamburgs niedriger Elektroauto-Anteil passt zu einem strukturellen Problem vieler Städte: Wer in Mehrfamilienhäusern lebt, hat oft keinen eigenen Stellplatz mit Stromanschluss. Genau dort setzt ein Bundesförderprogramm an, das den Ausbau von Ladepunkten an Mehrfamilienhäusern beschleunigen soll. Der Bund beziffert die Förderung auf 500 Millionen Euro und will damit Ladeinfrastruktur auf privaten Stellplätzen in Wohnanlagen voranbringen.
Gefördert werden unter anderem Wallboxen mit 1.500 Euro pro betriebsfähigem Ladepunkt; für reine Vorverkabelung sind bis zu 1.300 Euro vorgesehen. Für Ladepunkte mit bidirektionalem Laden – das Auto kann dann auch als Stromspeicher dienen – sind 2.000 Euro pro Ladepunkt möglich.
Die Stoßrichtung ist klar: Wenn "Laden zu Hause" fehlt, wird der Umstieg für viele unattraktiver – selbst dann, wenn es in der Stadt öffentliche Ladepunkte gibt. Für Hamburg ist das ein Hinweis, dass nicht fehlendes Interesse, sondern oft fehlende private Ladeoptionen die Neuzulassungen bremsen.
Dynamik und was sie bedeutet
Die Unterschiede sind nicht nur Momentaufnahme, sie verändern sich auch unterschiedlich schnell. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum stieg der Elektroauto-Anteil im Bundesschnitt um 9,1 Prozentpunkte. Rheinland-Pfalz legte dabei mit 13,8 Prozentpunkten am stärksten zu; auch das Saarland (+12,9) und Schleswig-Holstein (+11,7) wuchsen deutlich.
Am anderen Ende fällt Hamburg mit nur +3,8 Prozentpunkten Zuwachs auf. Hessen liegt mit +6,8 ebenfalls unter dem Bundestrend; Niedersachsen und Sachsen-Anhalt kommen auf jeweils +7,6. Die Zahlen deuten darauf hin, dass die "Gewinnerländer" nicht nur vorn liegen, sondern den Abstand teils sogar ausbauen.
Bundesweit bewegt sich der Markt insgesamt klar in Richtung Strom: Im ersten Halbjahr wurden rund 1,48 Millionen Pkw neu zugelassen, davon über 368.000 reine Elektroautos. Das entspricht 24,8 Prozent Marktanteil – im Gesamtjahr 2025 lag dieser Wert noch bei 19,1 Prozent. Trotz dieses Wachstums entscheidet regional weiter, wie gut Elektroautos in den Alltag passen: Wer zu Hause laden kann und viel fährt, landet statistisch deutlich häufiger beim Elektroauto.
