Bei aktuellem Schnitt fehlen 534 Millionen Euro
Für die E-Auto-Förderung stehen drei Milliarden Euro bereit, doch der bisherige Förderdurchschnitt reicht damit rechnerisch nicht für die angestrebten 800.000 Fahrzeuge. Bleibt die durchschnittliche Förderung bei rund 4.418 Euro, müsste das BMUKN den Fördertopf um etwa 534 Millionen Euro erhöhen – zusätzlich listet die Statistik auch wieder Autos mit einem Basispreis von mehr als 100.000 Euro.
Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) hat bis zum 1. Oktober 2026 insgesamt 97.790 Bewilligungen für die E-Auto-Förderung erfasst. Bis dahin flossen 432 Millionen Euro aus dem Programm.
Die Förderung läuft seit dem 19. Mai 2026 und gilt rückwirkend für Fahrzeuge mit einer Zulassung seit dem 1. Januar 2026. 89.594 Bewilligungen entfallen auf Batterie-Elektrofahrzeuge, 8.196 auf Plug-in-Hybride.
Kauf und Leasing halten sich nahezu die Waage. 49.328 Bewilligungen betreffen den Kauf, 48.462 das Leasing.
Drei Viertel mit höchstens 60.000 Euro Haushaltseinkommen
51.209 Bewilligungen ordnet das BAFA Haushalten mit einem zu versteuernden Einkommen bis 45.000 Euro zu. Weitere 21.337 Bewilligungen entfallen auf die Einkommensgruppe zwischen 45.001 und 60.000 Euro.
Damit erteilte das BAFA 72.546 Bewilligungen (rund 74,2 Prozent) für Haushalte mit höchstens 60.000 Euro Einkommen. Bis zu einem Einkommen von 80.000 Euro kamen 22.560 weitere Bewilligungen hinzu.
Diese Zahlen belegen die Einkommensverteilung innerhalb der bewilligten Anträge. Eine soziale Wirkung der Förderung weisen sie nicht nach. Dafür müsste die Statistik die geförderten Haushalte mit allen Neuwagenkäufern, allen Förderberechtigten und den tatsächlichen Haushaltsausgaben vergleichen.
Die Statistik erfasst nicht den tatsächlichen Zahler
Das BAFA führt Einkommen, Haushaltsstruktur, Antriebsart, Erwerbsform und Fahrzeugmodell getrennt auf. Die Behörde zeigt aber nicht, wer den Kaufpreis letztlich bezahlt oder wer wirtschaftlich vom Zuschuss profitiert.
Offen bleibt damit unter anderem:
- ob Eltern oder andere Angehörige die Anschaffung mitfinanzieren,
- ob ein Haushalt den Kaufpreis selbst aufbringt,
- wie hoch die Anzahlung bei einem Leasingvertrag ist,
- ob weitere Einkünfte oder Vermögen eine Rolle spielen,
- welcher konkrete Förderbetrag auf das einzelne Fahrzeug entfällt.
Ein Haushalt mit einem Einkommen bis 45.000 Euro kann also in der Statistik neben einem Fahrzeug aus dem oberen Luxussegment auftauchen. Ob dieser Fall tatsächlich existiert, lässt sich aus dem Bericht nicht ablesen. Das BAFA verknüpft die Einkommensgruppen nicht mit den einzelnen Modellen.
38 Fahrzeuge kosten mehr als 100.000 Euro
Die Modellübersicht führt 38 Bewilligungen für Fahrzeuge auf, deren Einstiegspreis über 100.000 Euro rangiert. Das entspricht verschwindend niedrigen 0,039 Prozent aller 97.790 Bewilligungen. Zu den hochpreisigen Fahrzeugen gehören zwei Audi RS e-tron GT performance (ab 160.500 Euro), ein Porsche Taycan GTS (ab 148.800 Euro), ein Mercedes G 580 (ab 137.120 Euro), ein BMW XM 50e (ab 135.500 Euro) und ein Porsche Cayenne S E-Hybrid (ab 127.700 Euro).
Die geringe Zahl von 38 Fahrzeugen führt nicht zu einer Missbrauchsthese. Sie macht aber sichtbar, dass der Steuerzahler auch Autos mit einem Einstiegspreis von mehr als 100.000 Euro bezuschusst. Dass der Gesetzgeber damit kein Problem hat, hat uns das BAFA bestätigt.
Der teuerste Wagen in dieser Übersicht ist der zweimal auftauchende Audi RS e-tron GT performance mit einem Basispreis von 160.500 Euro. Eine vierköpfige Familie müsste ihr jährliches Haushaltseinkommen von maximal als förderfähig geltenden 90.000 Euro theoretisch rund 21,4 Monate vollständig zurücklegen, um diesen Preis zu erreichen.
Bei einer deutlich realistischeren Sparquote von zehn Prozent blieben 9.000 Euro pro Jahr. Unter dieser Annahme wären rund 17 Jahre und zehn Monate nötig. Der Vergleich berücksichtigt weder Steuern noch Lebenshaltungskosten und beschreibt keine reale Finanzierung. Er verdeutlicht lediglich die Größenordnung.
Kauf oder Leasing bleibt offen
Die BAFA-Statistik weist für die Gesamtförderung 49.328 Käufe und 48.462 Leasingverträge aus. Für die teuren Modelle weist die Übersicht jedoch nicht die Erwerbsform aus.
Deshalb lässt sich nicht sagen, wie viele der 38 Fahrzeuge Käufer direkt bezahlten und wie viele über Leasingverträge in die Statistik gelangten. Auch Anzahlungen, Monatsraten, Rabatte und mögliche Finanzierungsbeiträge aus dem persönlichen Umfeld bleiben offen.
Der Einstiegspreis dient zudem nur als Orientierung. Das BAFA veröffentlicht weder den tatsächlichen Kaufpreis noch die Ausstattung oder den individuellen Förderbetrag.
Bei den Marken führt Tesla die Statistik mit 12.155 Bewilligungen an. Davon entfallen 8.297 auf das Model Y und 3.845 auf das Model 3; hinzu kommen acht Model S und fünf Model X. Damit vereint Tesla mehr Förderfälle auf sich als jede andere Marke. Auf den weiteren Plätzen folgen Škoda mit 7.224 Bewilligungen, Cupra mit 6.229, Leapmotor mit 5.816 und BYD mit 5.814. Das Konzernranking sieht folgendermaßen aus:
1. Volkswagen Group: 20.624 Bewilligungen
2. Stellantis: 13.670
3. Tesla: 12.155
4. Hyundai Motor Group: 10.415
5. Renault Group: 8.396
6. BMW Group: 6.085
7. Leapmotor/Stellantis: 5.816
8. BYD: 5.814
9. Ford: 4.340
10. SAIC Motor: 2.132
Drei Milliarden Euro für bis zu 800.000 FahrzeugeDas Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) stellt für das Programm insgesamt drei Milliarden Euro bereit. Damit sollen bis zu 800.000 Fahrzeuge gefördert werden.
Bei 800.000 Fahrzeugen dürfte die Förderung im Durchschnitt höchstens 3.750 Euro pro Bewilligung betragen. Die bisherigen Zahlen ergeben jedoch einen höheren Durchschnitt: 432 Millionen Euro geteilt durch 97.790 Bewilligungen entsprechen rund 4.418 Euro pro Fahrzeug.
Bleibt dieser Durchschnitt unverändert, reichen die drei Milliarden Euro rechnerisch nur für etwa 679.000 Bewilligungen. Für die angestrebten 800.000 Fahrzeuge müsste das BMUKN den Fördertopf deshalb um rund 534 Millionen Euro auf insgesamt etwa 3,53 Milliarden Euro erhöhen.
Die Rechnung bleibt eine Näherung, weil die Förderhöhe vom Einkommen, von der Kinderzahl, vom Antrieb und weiteren Förderbedingungen abhängt. Die Bundesregierung kann die angestrebten 800.000 Fahrzeuge also auch mit einem niedrigeren Durchschnittsbetrag oder einer anderen Verteilung der Förderfälle erreichen. Der BAFA-Bericht liefert dazu keine Prognose.
100.000 Antragsteller oder 97.790 Bewilligungen
Mehrere Medien berichten von rund 100.000 Antragstellern beziehungsweise ausgezahlten Förderungen. Der BAFA-Zwischenbericht weist zum Stand 1. Oktober 2026 dagegen 97.790 Bewilligungen aus.
Die Differenz muss keinen Widerspruch ergeben. Die Angaben können sich auf unterschiedliche Zeitpunkte, Rundungen oder statistische Kategorien beziehen. Für die Bewertung der Förderung zählt deshalb die jeweilige Bezugsgröße. Der BAFA-Bericht liefert mit 97.790 Bewilligungen und 432 Millionen Euro die belastbare Momentaufnahme zum angegebenen Stichtag.
