Betriebsrat entsetzt über Trump-Auftritt des Audi-Chefs
Bei einer Wahlkampfveranstaltung von Donald Trump kündigt Audi-Chef Gernot Döllner ein neues Werk in den USA an. Ein klarer Widerspruch zu den eigenen Richtlinien.
Audi hat angekündigt, in den USA ein neues Werk zu errichten und von den frühen 2030er-Jahren an dort etwa 200.000 Autos im Jahr bauen zu wollen. Eigentlich ein ganz normaler Vorgang in der Autoindustrie. Wäre da nicht die Art und Weise gewesen, wie Konzernchef Gernot Döllner die Sache publik gemacht hat. Nämlich im Rahmen einer Wahlkampfveranstaltung des US-Präsidenten Donald Trump, dem er auf der Bühne offen für dessen Unterstützung bei dem Projekt dankte.
Das steht im "Booklet of Policies" der Audi AG
Auch dass Wirtschaftsgrößen die Nähe zu politischen Entscheidern suchen, ist nichts Ungewöhnliches. Dass dies in einem solchen Rahmen passiert, allerdings schon. Zumal sich die Frage stellt, ob Döllner einen solchen Auftritt überhaupt in dieser Art und Weise durchführen durfte. Wer sich mit Audis Compliance-Richtlinien beschäftigt, dürfte leicht zu dem Schluss kommen: Hier hat der CEO gegen den Kodex seines Unternehmens gehandelt.
Hintergrund ist das sogenannte "Booklet of Policies" der Audi AG, unterzeichnet vom gesamten Vorstand des Konzerns – also auch von Döllner selbst. Darin heißt es auf der letzten Seite (wir zitieren das öffentlich einsehbare Dokument an dieser Stelle wörtlich):
Neutralität im politischen Kontakt
Die Mitarbeitenden der politischen Interessenvertretung achten besonders im Umgang mit Amts- und Mandatstragenden auf Transparenz, Objektivität und Aufrichtigkeit in der Kommunikation. Der Fachaustausch zu relevanten Themen steht bei jedem Kontakt klar im Vordergrund. Unsere Mitarbeitenden achten außerdem auf Neutralität im Umgang mit Parteien und Interessengruppen und pflegen den Kontakt zu demokratischen Parteien. Um diesen Grundsatz zu respektieren, werden in den drei letzten Monaten vor Wahlen keine öffentlich wirksamen Termine mit zur Wahl stehenden Parteien/Politiker und keine Sponsorings von entsprechenden Veranstaltungen mehr durchgeführt.
Wie "neutral" Döllners Umgang mit dem Republikaner Trump bei der Veranstaltung in Perry im US-Bundesstaat Georgia war, darf jeder, der den Auftritt gesehen hat, selbst beurteilen. Wie "demokratisch" die Republikaner unter Trumps Ägide agieren, bleibt ebenfalls der persönlichen Einschätzung überlassen. Kein Spielraum besteht jedoch hinsichtlich des Grundsatzes, drei Monate vor Wahlen keine öffentlichen Auftritte mehr mit Parteien oder Politikern durchzuführen.
Scharfe Kritik von Daniela Cavallo
Denn in den USA stehen in der kommenden Woche (3. November 2026) die Zwischenwahlen zum Kongress an, die sogenannten "Midterms". Und aktuellen Umfragen zufolge drohen die Republikaner, ihre Mehrheit im Kongress zu verlieren. Da spielt Trump ein öffentlichkeitswirksamer Auftritt, bei dem 4.500 neue Jobs in einer eher strukturschwachen Region in den USA angekündigt werden, dem Präsidenten sicherlich in die Karten.
Eine klare Meinung zu Gernot Döllners Auftritt vertritt übrigens Daniela Cavallo: "Etliche Minuten voller Rassismus, Sexismus, Fremdenhass, Transphobie, Verächtlichmachung der Demokratie – und dann tritt einer unserer obersten Konzern-Repräsentanten auf die Bühne und betreibt aktive Wahlkampfhilfe", sagt die Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats des Volkswagen-Konzerns in einem Interview, das der dpa vorliegt. Das sind selbst für eine Gewerkschafterin harte Worte in Richtung des Audi-CEOs. Doch das war noch nicht alles. Wer die Rede von Trump gehört habe und habe wahrnehmen müssen, dass Döllner zum aktiven Teil dieser Veranstaltung geworden sei, müsse vor "Scham im Boden versinken".
