Was hinter und unter dem Razorback steckt
Der Razorback sieht aus wie aus einem "Mad Max"-Film, doch der radikale Geländebuggy von Hypercraft könnte künftig reale deutsche Technik von Deutz tragen.
Deutz und Hypercraft haben am Montag (21.9.2026) eine Absichtserklärung über eine strategische Zusammenarbeit unterzeichnet. Der Kölner Konzern liefert bereits Verbrennungsmotoren an das Unternehmen aus dem US-Bundesstaat Utah. Künftig könnten weitere Komponenten hinzukommen. Geprüft werden Hybridantriebe, Batterien, Leistungselektronik und komplette Energiesysteme.
Mehr als eine Tonne Nutzlast
Der Razorback ist ein Unmanned Ground Vehicle, kurz UGV. Solche Fahrzeuge werden ohne Besatzung eingesetzt und lassen sich aus der Entfernung steuern oder mit zusätzlichen Systemen für automatisierte Fahrfunktionen ausrüsten. Sie können Nachschub transportieren, Sensoren tragen oder technische Geräte in Bereiche bringen, in denen der Einsatz bemannter Fahrzeuge zu gefährlich wäre.
Hypercraft nennt für den Razorback ein Leergewicht von 2.041 Kilogramm. Hinzu kommt eine mögliche Nutzlast von 1.089 Kilogramm. Der UGV kann damit mehr als die Hälfte seines eigenen Gewichts zusätzlich aufnehmen. Mit 4,06 Metern Länge bleibt er dabei kürzer als viele militärische Geländewagen. Die Höchstgeschwindigkeit ist auf 60 mph begrenzt, was rund 97 km/h entspricht. Mit Nutzlast soll der Razorback bis zu 280 Meilen oder etwa 451 Kilometer zurücklegen. Diese Reichweite erreicht das Fahrzeug nicht allein mit seiner Batterie, sondern über einen dieselelektrischen Hybridantrieb.
Ein Elektromotor an jedem Rad
Vier Elektromotoren treiben die Räder an. Zusammen leisten sie nach Angaben von Hypercraft 300 PS. Ein Torque-Vectoring-System verteilt die Antriebskraft abhängig von Untergrund und Fahrsituation auf die einzelnen Räder. Dadurch kann die Steuerung auf Schlupf reagieren und die verfügbare Traktion gezielt nutzen.
Der Dieselmotor arbeitet vorwiegend als Generator. Er erzeugt Strom für den Fahrantrieb und lädt die 400-Volt-Batterie mit einer Kapazität von 42 kWh. In Bereichen, in denen Motorengeräusche oder eine erhöhte Wärmesignatur vermieden werden sollen, kann der Razorback zeitweise über die Batterie betrieben werden. Hypercraft gibt unterschiedliche Angaben zur Leistung des Hilfsaggregats. So stehen 50 kW Dauerleistung und 110 kW Spitzenleistung in den technischen Daten wie 50 kW dauerhaft, aber nur 95 kW in der Spitze. Bei den Reifen stehen wahlweise 35 oder 37 Zoll in den technischen Angaben.
Der Razorback liefert bis zu 38 kW Strom
Der Antrieb dient nicht nur der Fortbewegung. Der Razorback kann bis zu 38 kW elektrische Leistung an externe Verbraucher abgeben. Über verschiedene Anschlüsse lassen sich beispielsweise Drohnen, Kommunikationsgeräte, Sensoren oder Systeme der elektronischen Kampfführung mit Energie versorgen. Mehrere Fahrzeuge sollen sich zu einem lokalen Stromnetz zusammenschließen lassen. Die UGV übernehmen dann zusätzlich die Aufgabe mobiler Generatoren. Dadurch können Geräte abseits fester Stromnetze betrieben werden, ohne separate Stromerzeuger auf weiteren Fahrzeugen transportieren zu müssen.
Hypercraft führt auch Hochenergiewaffen als mögliche Verbraucher auf. Eine solche Bewaffnung gehört jedoch nicht zur veröffentlichten Serienausstattung. Die offene Ladefläche erlaubt verschiedene Missionsmodule, konkrete Waffensysteme nennt der Hersteller für den Razorback bisher nicht.
Software steuert Lenkung, Bremsen und Antrieb
Lenkung, Bremsanlage und Fahrantrieb sind für eine elektronische Steuerung ausgelegt. Das Drive-by-Wire-System ermöglicht es, unterschiedliche Fernsteuerungs- und Autonomielösungen einzubinden. Eine hydraulische Allradlenkung erhöht zugleich die Wendigkeit des rund 2,32 Meter breiten Fahrzeugs. Die technische Grundlage bildet die von Hypercraft entwickelte Carbon-Architektur. Sie verbindet Antrieb, Energiemanagement, Sensoren und Missionsmodule über offene Schnittstellen. Neue Software oder zusätzliche Geräte sollen dadurch eingebunden werden können, ohne die gesamte Fahrzeugsteuerung neu entwickeln zu müssen.
Der Razorback ist damit für autonome Funktionen vorbereitet, fährt aber nicht zwangsläufig vollständig selbstständig. Welche Aufgaben das Fahrzeug ohne Eingriff eines Bedieners ausführen kann, hängt von der eingebauten Sensorik und der verwendeten Autonomiesoftware ab. Im September 2026 erhielt die Hypercraft-Lösung auf dem DevX-Autonomy-Marktplatz des Army Applications Laboratory eine sogenannte "award-ready"-Einstufung. Ein Beschaffungsauftrag der US Army ist damit nicht verbunden.
Deutz könnte Antrieb und Energiesystem liefern
Welche Deutz-Komponenten im aktuellen Razorback verbaut sind, geht aus den Angaben der beiden Unternehmen nicht hervor. Deutz spricht lediglich von bereits gelieferten Verbrennungsmotoren. Für künftige Fahrzeuge werden darüber hinaus Batterien, Hybridtechnik und Leistungselektronik aus dem Geschäftsbereich NewTech geprüft.
Damit könnte Deutz einen großen Teil des Energiesystems liefern. Der Verbrennungsmotor erzeugt den Strom, die Batterie speichert ihn und die Leistungselektronik verteilt ihn auf Fahrantrieb, Bordsysteme und externe Verbraucher. Hypercraft steuert das Fahrzeugkonzept, die Softwarearchitektur und die Technik für den unbemannten Betrieb bei.
Neben der technischen Zusammenarbeit steht eine mögliche Fertigung in Europa zur Diskussion. Deutz könnte Hypercraft-Fahrzeuge an einem eigenen Standort montieren und die Endabnahme übernehmen. Für Wartung und Ersatzteilversorgung steht dem Unternehmen ein Netz mit mehr als 1.000 Standorten in über 180 Ländern zur Verfügung.
