DeepDrive expandiert dank Großauftrag nach China
Der Münchener Elektromotoren-Spezialist DeepDrive erhält den ersten Großserienauftrag für seine innovative Doppelrotor-Radialfluss-Technologie und produziert als erste in – China. Damit dürfte das Kapitel Start-up endgültig abgeschlossen sein. Aber wandert hier ein deutsches Technologie-Aushängeschild nach China ab? Wir haben mit dem Erfolgsunternehmen über Erfolg und Expansion gesprochen.
Der Münchner Elektromotorenentwickler DeepDrive hat die Nominierung als Großserienlieferant eines international tätigen Fahrzeugherstellers erhalten. Der Serienstart ist für 2028 geplant. Welcher Hersteller hinter dem Auftrag steht, teilte das Unternehmen noch nicht mit. Parallel dazu kündigt DeepDrive den Aufbau einer Präsenz in China an.
Übergang vom Start-up zum global Player
Mit der Nominierung sieht DeepDrive den Übergang von der Technologieentwicklung zur industriellen Serienfertigung erreicht. Das Unternehmen entwickelt Elektromotoren mit einer Doppelrotor-Architektur, bei der der Stator zwischen einem inneren und einem äußeren Rotor liegt. Nach eigenen Angaben hat DeepDrive die Technologie patentiert und für drei Anwendungen validiert: Generatoren, Radnabenmotoren und Zentralantriebe. Die Konstruktion soll ein hohes Drehmoment bei geringem Gewicht und niedrigen Kosten ermöglichen.
Um den neuen Auftrag und weitere Kundenprojekte bedienen zu können, baut das Unternehmen seine Produktionskapazitäten für große Stückzahlen aus. Als ersten Schritt seiner internationalen Expansion richtet der Zulieferer ein Team in Shanghai ein, das den Vertrieb und die Umsetzung von Projekten im chinesischen Markt verantworten soll. Die Fertigung soll nach dem Prinzip "lokal für lokal" erfolgen, also möglichst nahe an den jeweiligen Kunden. China zählt zu den größten Märkten für Elektroautos weltweit. Konkrete Angaben zu Investitionen oder geplanten Produktionsmengen machte DeepDrive zunächst nicht. Wir haben dennoch nachgefragt – und folgende Antworten von einer Unternehmens-Sprecherin erhalten:
Kann man sagen, Ihr habt die Start-up-Phase hinter euch?
Ja, das kann man sagen. Die Seriennominierung markiert eine strukturelle Transition: von der Technologieentwicklung zum Serienlieferanten. Wir haben Technologie, Validierung und Organisation auf ein Niveau gebracht, das einer der führenden globalen Automobilhersteller als serienreif bestätigt hat. Das ist kein Start-up-Meilenstein mehr. Das ist Automotive.
Heißt ein globaler Autohersteller ein chinesischer? Oder ist es VW in China?
Wir können leider die Identität unserer Kunden nicht kommentieren. Was wir sagen können: Es handelt sich um einen führenden globalen Automobilhersteller, und die Seriennominierung gilt für ein Hochvolumenprojekt mit Serienstart 2028.
Warum "nur" in China? Folgt Europa? Oder ist die Produktion in Europa nicht wirtschaftlich darstellbar?
DeepDrive ist ein europäisches Unternehmen und bleibt es. München ist und bleibt das Herz und das Gehirn der Firma. Basisentwicklung und Innovation finden ausschließlich in Deutschland statt. Was wir mit der China-Präsenz starten, ist unsere globale Expansion: Dort, wo Kunden sind, gehen wir hin. China ist der erste Schritt, weil es einer der wichtigsten Märkte für Elektrofahrzeuge weltweit ist. Europa ist bereits jetzt mit unserem München HQ vertreten.
Habt Ihr einen chinesischen Joint Venture Partner?
Wir arbeiten in China mit verschiedenen strategischen Partnern zusammen. DeepDrive China steht jedoch unter vollständiger DeepDrive-Kontrolle.
Wie sichert Ihr Eure IP gegen chinesische Konkurrenz?
Durch ein differenziertes Patentportfolio, das auch in China greift. Aber ehrlich gesagt ist der wichtigste Schutz Geschwindigkeit. Wir entwickeln in Deutschland bereits die nächste Generation unserer Motoren. Die Basisentwicklung und alle Innovationen finden ausschließlich in Deutschland statt. Wer uns kopieren will, kopiert eine Generation, die wir bereits hinter uns haben.
Heißt ein lokales Team auch hauptsächlich Ortskräfte?
Ja, hauptsächlich lokale Mitarbeitende. Die lokale Führung arbeitet dabei eng mit dem internationalen DeepDrive-Führungsteam zusammen.
Welche Stückzahldimensionen sind zu erwarten?
Großvolumen heißt für uns: mehrere Hunderttausend Einheiten über die Laufzeit des Projekts.
Welche Motoren baut ihr in China? Radnabenmotoren oder Zentralmaschinen?
Wir werden die gesamte Produktpalette opportunistisch im chinesischen Markt anbieten: Generator, Radnabenmotor und Zentralantrieb.
Wann plant ihr die Serienfertigung von Radnabenmotoren?
Wir können heute noch nicht kommunizieren, welches unserer Produkte die erste Serienanwendung sein wird. Aber wir arbeiten in allen drei Produktgruppen aktiv mit Kunden zusammen.
Wie seid ihr bewertet bzw. was ist DeepDrive aktuell wert?
Dazu machen wir keine Angaben.
DeepDrive wurde in München gegründet und entwickelt elektrische Antriebssysteme für die Automobilindustrie. Zu den Investoren gehören unter anderem BMW i Ventures, UVC Partners und Bayern Kapital. Dazu ist Leitmotif als Ankerinvestor beteiligt.
Das ist das Besondere am DeepDrive-Motor
Das Besondere am DeepDrive-Motor ist seine Doppelrotor-Bauweise: Statt eines Rotors wie bei herkömmlichen Elektromotoren arbeiten zwei Rotoren um einen gemeinsamen Stator. Das spart Material und ermöglicht eine hohe Drehmomentdichte. Laut DeepDrive benötigt die Maschine 80 Prozent weniger Eisen und 50 Prozent weniger Magnetmaterial als vergleichbare Antriebe. Gleichzeitig erreicht sie einen Wirkungsgrad von 97 bis 98 Prozent und kommt ohne schwere seltene Erden aus. Ein Beispiel ist der RM1250 mit 125 kW (171 PS) und 1.250 Nm Drehmoment, der einschließlich integriertem Siliziumkarbid-Inverter lediglich 32 Kilogramm wiegt. Zudem sollen die Herstellungskosten pro Newtonmeter Drehmoment rund 30 Prozent unter denen vergleichbarer konventioneller Elektromotoren liegen.
Noch größere Effizienz- und Platzvorteile verspricht sich DeepDrive vom Einsatz als Radnabenmotor. Weil das hohe Drehmoment den Verzicht auf Getriebe und Antriebswellen ermöglicht, sollen die Antriebsverluste sinken und bis zu 20 Prozent Effizienzgewinn möglich sein. Zugleich entsteht Bauraum für größere Batterien, ohne dass das Auto wachsen muss. De Vorteile im Alltag haben die Entwickler bereits mit Prototypen bewiesen.
