DeepDrive bringt Doppelrotor-Motor in die Robotik
Der Münchner Elektromotorenentwickler DeepDrive erschließt ein neues Geschäftsfeld. Seine Doppelrotor-Technologie, die bislang vor allem für Elektroautos entwickelt wurde, soll künftig auch Roboter antreiben. Erste Muster für entsprechende Antriebe sind bereits fertig.
DeepDrive will seine Elektromotoren künftig nicht mehr nur in Autos einsetzen. Das Münchner Unternehmen steigt in den Robotikmarkt ein und überträgt seine patentierte Doppelrotor-Technologie auf elektrische Antriebe für Roboter. Erste Muster für sogenannte robotische Aktuatoren hat DeepDrive bereits entwickelt. Nach Unternehmensangaben haben zudem Robotikhersteller aus verschiedenen Ländern Interesse an der Technologie angemeldet.
Der Schritt folgt auf Fortschritte im automobilen Kerngeschäft. DeepDrive hat nach eigenen Angaben von einem führenden globalen Automobilhersteller eine Nominierung als Großserienlieferant erhalten. Außerdem arbeitet das Unternehmen an weiteren Entwicklungsprogrammen mit Fahrzeugherstellern weltweit. Die neue Geschäftssparte soll auf der technischen Entwicklung und den Fertigungserfahrungen aufbauen, die DeepDrive in den vergangenen Jahren für die Automobilindustrie gesammelt hat.
Doppelrotor soll Drehmoment und Gewicht optimieren
Im Mittelpunkt steht ein Elektromotor mit radialem Magnetfluss und zwei Rotoren. Bei dieser Bauweise umschließt ein Stator sowohl ein inneres als auch ein äußeres rotierendes Bauteil. Dadurch kann die für die Drehmomenterzeugung genutzte aktive Oberfläche vergrößert werden, ohne dass der Motor im gleichen Maß mehr Bauraum benötigt. DeepDrive will damit einen Zielkonflikt auflösen, der bei elektrischen Antrieben eine wichtige Rolle spielt: möglichst viel Drehmoment bei geringem Gewicht, wenig Bauraum und niedrigen Kosten.
Diese Eigenschaften sind auch für die Robotik relevant. Elektromotoren bewegen dort beispielsweise Gelenke, Greifer oder andere mechanische Komponenten. Die dafür benötigten Aktuatoren müssen je nach Anwendung hohe Kräfte auf engem Raum erzeugen und zugleich möglichst wenig Gewicht mitbringen. Gerade bei beweglichen Robotern kann das Gewicht der Antriebe die Leistungsfähigkeit des Gesamtsystems beeinflussen. Ein kompakter, leichter Motor mit hoher Drehmomentdichte könnte deshalb Vorteile bieten.
DeepDrive überträgt seine Motorarchitektur nun auf diese Anforderungen. Die Konstruktion muss dafür an die jeweiligen Einsatzbedingungen angepasst werden. Aus den ersten Mustern sollen weitere Anwendungen und Entwicklungsprogramme mit Robotikherstellern entstehen. Konkrete Kunden, Serienaufträge oder einen Zeitplan für den Produktionsstart in diesem Geschäftsfeld nennt das Unternehmen bislang nicht.
Automobilindustrie als Grundlage für den neuen Markt
DeepDrive sieht einen Vorteil darin, dass das Unternehmen nicht bei der Entwicklung einer neuen Motorarchitektur beginnt. Die Technologie wurde ursprünglich für die hohen Anforderungen der Automobilindustrie ausgelegt. Dazu zählen neben Leistung und Effizienz insbesondere Qualität, Zuverlässigkeit und die Fähigkeit, große Stückzahlen zu wettbewerbsfähigen Kosten herzustellen.
Diese Erfahrungen könnten beim Einstieg in die Robotik helfen. Der Markt benötigt leistungsfähige Antriebe, steht aber zugleich vor der Aufgabe, die Kosten mit zunehmender Verbreitung der Technologie zu senken. DeepDrive will dabei die Entwicklungs- und Fertigungskompetenz eines Automobilzulieferers mit der Flexibilität eines jüngeren Technologieunternehmens verbinden. Das Unternehmen gibt an, seine Fertigung auf hohe Stückzahlen vorbereitet und Qualitätssysteme nach automobilen Standards aufgebaut zu haben.
Expansion in neue Themenfelder
"Die Automobilindustrie hat uns etwas gegeben, das keine Abkürzung ersetzen kann: fünf Jahre Engineering gegen die härtesten Qualitäts- und Kostenmaßstäbe der Welt", sagt Felix Poernbacher, Co-CEO von DeepDrive. Diese Grundlage wolle das Unternehmen nun für Robotikanwendungen nutzen. Die Expansion sei der erste Schritt in weitere Industrien außerhalb des Automobilsektors.
DeepDrive entwickelt bislang drei Motorvarianten für den Automobilbereich: Generatoren sowie elektrische Antriebe für den Einbau in die Räder und für die zentrale Antriebsposition. Die Robotik ist nun das erste ausdrücklich genannte neue Geschäftsfeld. Langfristig will das Unternehmen seine Motorplattform auch in weiteren Industrien etablieren, in denen elektrische Antriebe gefragt sind.
Über DeepDrive
Das in München ansässige Unternehmen wird unter anderem von Leitmotif, BMW i Ventures, Aumovio, UVC Partners und Bayern Kapital unterstützt. Volkswagen ist Ankerinvestor von Leitmotif. Zu den strategischen Beratern zählen der frühere Audi- und Volvo-Cars-Technikchef Peter Mertens sowie Peter Hochholdinger.
