Bahnt sich schon das Ende des China-Booms an?
Im deutschen Auto-Flottenmarkt wachsen die Zulassungen von BYD und MG weiter deutlich – trotzdem sagt eine Mehrheit der Fuhrparkleiter inzwischen wieder klar "Nein" zu China-Stromern. Für Anbieter wie BYD und MG wird damit aus Wachstum schnell ein Akzeptanzproblem – gerade im Geschäft mit Firmenkunden.
In der jüngsten E-Mobilitätsstudie des Marktdatenspezialisten Dataforce sagen 60 Prozent der befragten Fuhrparkleiter, dass Elektro-Fahrzeuge aus China für sie nicht infrage kommen. 2025 lag dieser Anteil noch bei 54 Prozent – die China-Skepsis nimmt also wieder zu. Dataforce-Analyst Benjamin Kibies bewertet die Entwicklung in einem Bericht der "Automobilwoche" als Zeichen eines "Umdenkens" in vielen Unternehmen.
Neben klassischen Flottenkriterien rücken damit Faktoren in den Vordergrund, die Hersteller nur begrenzt über Produktdaten steuern können. Nach den Studienergebnissen sind politische Bedenken inzwischen der zweitwichtigste Ablehnungsgrund. Nur Sorgen um das Servicenetz werden noch häufiger genannt. Für den Auto-Flottenmarkt bedeutet das: Das adressierbare Potenzial chinesischer Marken schrumpft, obwohl die Nachfrage nach elektrifizierten Dienstwagen grundsätzlich steigt. Die Hürde liegt also weniger in der grundsätzlichen Offenheit für E-Mobilität, sondern in der Herkunft der Fahrzeuge.
BYD und MG wachsen dennoch
Trotz der wachsenden Vorbehalte legten die Flottenzulassungen im September bei einigen Marken stark zu. Tesla kam gegenüber September 2025 auf ein Plus von 94 Prozent und rund 1.550 Fahrzeuge. Noch höhere Wachstumsraten meldet Dataforce für BYD (plus 368 Prozent auf 753 Fahrzeuge) und MG (plus 345 Prozent auf 1.060 Fahrzeuge).
Diese Sprünge relativieren sich allerdings durch das Ausgangsniveau. Im Marken-Ranking liegen MG mit 1.060 Autos auf Platz 15 und BYD mit 753 Fahrzeugen auf Platz 19. Zudem zeigt sich bei BYD, dass ein großer Teil des Volumens im Flottenmarkt über Plug-in-Hybride läuft: 75 Prozent der Septemberverkäufe entfielen dort auf diese Antriebsart.
Kibies erklärt das paradoxe Phänomen aus steigenden Zulassungen und sinkender Akzeptanz mit der bislang niedrigen Marktdurchdringung. Solange der Anteil der nicht skeptischen Fuhrparks groß genug bleibt, können einzelne Kundensegmente die prozentualen Zuwächse tragen. Für dauerhaftes Wachstum im breiten Flottengeschäft reicht das aber nur begrenzt.
Vorsicht über Auto-Abos
Wie vorsichtig viele Fuhrparkleiter agieren, lässt sich laut Dataforce an einem weiteren Phänomen ablesen: Sie integrieren chinesische Fahrzeuge oft über Auto-Abo-Anbieter in ihre Flotten. Kibies ordnet das als Strategie ein, Risiken zu begrenzen: So wollen die Fuhrparkleiter die Fahrzeuge zunächst erproben und gleichzeitig von niedrigen Preisen profitieren. Für Hersteller ist das einerseits ein Türöffner, andererseits ein Hinweis, dass klassische Kauf- und Leasingentscheidungen in der Breite noch nicht greifen.
Damit wird das Servicenetz doppelt wichtig: als praktisches Argument im Alltag und als Signal für Langfristigkeit. Wenn politische Bedenken parallel steigen, reicht eine kurzfristige Vertriebsoffensive allein kaum aus. Im Flottenmarkt zählen planbare Betriebssicherheit, stabile Prozesse und verlässliche Ansprechpartner – gerade bei größeren Fuhrparks.
E-Boom trifft Herkunftsfrage
Der Flottenmarkt selbst zeigt zuletzt wieder eine stabilere Tendenz. Saisonal- und kalenderbereinigt war der September mit 69.400 Fahrzeugen der stärkste Monat des Jahres; gegenüber September 2025 entspricht das einem Plus von einem Prozent. Im Gesamtjahr lag das Minus damit laut Dataforce zuletzt nur noch bei 0,7 Prozent.
Treiber der Erholung ist das schnellere Wachstum der Elektromobilität. E-Autos kamen im September im Flottenmarkt auf plus 53 Prozent, 23.400 Fahrzeuge und einen Marktanteil von 34 Prozent. Gleichzeitig gingen Dieselzulassungen um 21 Prozent auf 14.800 Fahrzeuge zurück, Benziner um 15 Prozent auf 17.700.
Auch die Bewertung der Technik verbessert sich: Fuhrparkverantwortliche gaben Ladegeschwindigkeit und Reichweite von BEV 2024 noch 2,4 und 2,8 von fünf Sternen, 2026 sind es 3,8 und 3,5. Mehr als 80 Prozent sehen Kostenvorteile im Betrieb. Dass dennoch knapp die Hälfte nicht glaubt, den Fuhrpark in zehn Jahren komplett elektrifizieren zu können, wertet Kibies als Warnsignal – und die zusätzliche China-Skepsis macht den Umstieg für einige Unternehmen noch komplexer.
