Elektro-Keil mit BMW- und Rimac-Genen
Mit dem Exobot bringt Saudi-Arabien zwei spektakuläre E-Autos auf den Markt, die mit prominenter Unterstützung an den Start gehen. BMW, Rimac, Foxconn und Hyundai Transys liefern Technik für die elektrische Limousine und den SUV.
Beide Exobot-Versionen tragen eine flache Front, eine stark geneigte Windschutzscheibe und kantig modellierte Karosserieenden. Ceer beschreibt die Gestaltung als Verbindung scharf gezeichneter Flächen an Front und Heck mit weicheren Übergängen rund um die Fahrgastzelle. Als Vorbild nennt das Unternehmen unter anderem die Felsarchitektur von Hegra. Die Limousine ist 5,26 Meter lang, 2,10 Meter breit und lediglich 1,43 Meter hoch. Damit verbindet sie die Grundfläche eines Oberklassemodells mit den Proportionen eines flachen Gran Turismo. Der Radstand beträgt 3,20 Meter. Die adaptive Luftfederung kann die Bodenfreiheit zwischen 120 und 165 Millimetern verändern. Der Kofferraum fasst 424 Liter. Bei umgeklappten Rücksitzen steigt das Ladevolumen auf 1.007 Liter.
Der SUV nutzt denselben Radstand, ist mit 5,02 Metern jedoch kürzer. Er misst ebenfalls 2,10 Meter in der Breite und 1,69 Meter in der Höhe. Seine Bodenfreiheit lässt sich zwischen 240 und 300 Millimetern einstellen. Der Kofferraum nimmt 402 Liter auf, bei umgeklappter Rücksitzlehne sind es 1.091 Liter. Die Lichtsignatur an Front und Heck besteht aus jeweils 32 Elementen. Damit verweist Ceer auf das Jahr 1932, in dem das Königreich Saudi-Arabien gegründet wurde. Geschmiedete Aluminiumräder mit dreieckigen Öffnungen greifen nach Herstellerangaben weitere regionale Gestaltungselemente auf.
Riesige Türen öffnen den gesamten Innenraum
Eine Besonderheit sind die sogenannten Shahin Wing Doors. Auf jeder Fahrzeugseite öffnet eine fast drei Meter lange Tür den Zugang zu den Vorder- und Rücksitzen. Eine klassische B-Säule zwischen zwei getrennten Türen gibt es nicht. Die notwendige Stabilität soll eine verstärkte Karosseriestruktur aus hochfesten Materialien gewährleisten.
Die Türen bewegen sich seitlich und nach oben. Sie lassen sich über den Fahrzeugschlüssel oder über flächenbündige Schalter öffnen und benötigen laut Ceer rund 60 Zentimeter seitlichen Raum. Die Öffnungshöhe beträgt bei der Limousine einschließlich der Kameragehäuse bis zu 2.343 Millimeter, beim SUV sind es 2.603 Millimeter.
Hinzu kommt eine 2,40 Meter lange und um 15 Grad geneigte Windschutzscheibe. Eine reflektierende Beschichtung soll den Wärmeeintrag in den Innenraum begrenzen. Ceer bezeichnet die Scheibe als größte jemals in einem Serienfahrzeug eingesetzte Windschutzscheibe. Unabhängig bestätigt ist diese Herstellerangabe nicht. Laut Ausstattungsliste besitzt die Windschutzscheibe eine dreifache Silberbeschichtung. Für die Front- und Seitenscheiben verwendet Ceer zudem Akustikglas, das die Geräusche im Innenraum reduzieren soll.
Drei Elektromotoren leisten zunächst 850 PS
Zum Marktstart erscheinen Limousine und SUV als First Edition. Drei Elektromotoren treiben beide Achsen an und erzeugen eine Systemleistung von 625 kW beziehungsweise 850 PS. Das maximale Drehmoment liegt bei 1.000 Nm. Die Limousine beschleunigt nach Herstellerangaben in 2,6 Sekunden von null auf 100 km/h, der SUV benötigt 2,9 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit der First Edition beträgt bei der Limousine 230 km/h und beim SUV 210 km/h.
Ceer kündigt darüber hinaus eine stärkere Ausführung mit 1.111 PS und 1.500 Nm an. Die Limousine soll damit nach 2,1 Sekunden Tempo 100 erreichen und maximal 250 km/h fahren. Für den SUV werden 2,4 Sekunden und eine Höchstgeschwindigkeit von 210 km/h genannt. Wann diese Version erscheint, ist noch nicht bekannt.
Reichweiten werden nur nach NEDC
Die Batterie besitzt bei beiden Modellen eine Kapazität von 112 kWh. Als Zellchemie nennt Ceer Nickel, Cobalt und Mangan, kurz NCM. Ceer nennt eine Reichweite von bis zu 670 Kilometern für die Limousine und 560 Kilometern für den SUV. Die Werte basieren allerdings auf dem NEDC-Zyklus und lassen sich nicht direkt mit aktuellen WLTP-Angaben europäischer Hersteller vergleichen.
Das 800-Volt-System ermöglicht eine maximale DC-Ladeleistung von 250 kW. Damit soll die Batterie in weniger als 30 Minuten von zehn auf achtzig Prozent (10–80 %) geladen werden. An einer Wechselstrom-Ladestation sind bis zu 11 kW möglich. Ein mobiles Ladegerät mit 3 kW gehört zur Serienausstattung.
Zum Fahrwerk gehören eine adaptive Zweikammer-Luftfederung, eine Hinterachslenkung und Torque Vectoring. Beim SUV können die Hinterräder um bis zu 6,5 Grad einschlagen. Mehrere Fahrprogramme verändern die Abstimmung von Antrieb, Lenkung, Dämpfung und Fahrzeughöhe. Vorn führt eine Doppelquerlenkerachse die Räder, hinten verwendet Ceer eine Mehrlenkerachse. An der Vorderachse sitzen belüftete Bimetall-Bremsscheiben mit Festsätteln. Hinten kommen ebenfalls belüftete Bimetall-Scheiben zum Einsatz.
Plug-in-Hybride und Verbrenner folgen später
Der Exobot Sedan und der Exobot SUV starten ausschließlich mit Elektroantrieb. Ceer will sein Angebot langfristig jedoch nicht auf reine E-Autos beschränken. Vorstandschef Jim DeLuca kündigte gegenüber Reuters auch Plug-in-Hybride und Modelle mit Verbrennungsmotor an. Damit reagiert die ursprünglich als Elektroautomarke gegründete Marke auf die schwankende Nachfrage in verschiedenen Märkten.
Zwischen 2028 und 2030 sollen fünf weitere Modelle erscheinen. Geplant sind unter anderem Fahrzeuge der Mittel- und Kompaktklasse. Insgesamt soll die Modellpalette bis 2030 auf sieben Baureihen wachsen. Welche davon als Elektroauto, Plug-in-Hybrid oder Verbrenner angeboten werden, ist noch nicht bekannt.
Steer-by-Wire ersetzt die Lenksäule
Limousine und SUV besitzen eine Steer-by-Wire-Lenkung ohne mechanische Verbindung zwischen dem Steuerbügel und der Vorderachse. Der maximale Lenkwinkel am Yoke sinkt laut Ceer von rund 400 auf 160 Grad. Dadurch soll ein Umgreifen beim Rangieren weitgehend entfallen. Für beide Karosserieversionen sind Track-, Drag- und Drift-Modi vorgesehen. Der SUV besitzt zusätzlich einen Sand-Modus. Beim Exobot Plus ist der Drift-Modus des SUV an die optionalen 22-Zoll-Räder vorn und 24-Zoll-Räder hinten gekoppelt. Die First Edition erhält diese Radgrößen serienmäßig. Bei der Limousine kombiniert Ceer 23-Zoll-Räder vorn mit 24-Zoll-Rädern hinten.
Die Fahrzeuge wurden außerdem für hohe Außentemperaturen entwickelt. Das sogenannte Halo-Cooling-System kühlt nach Herstellerangaben einen auf 65 Grad aufgeheizten Innenraum innerhalb von zehn Minuten auf 32 Grad herunter. Beschichtete Scheiben, eine optimierte Dachströmung und getrennte Klimabereiche für Vorder- und Rücksitze sollen die Belastung durch Sonneneinstrahlung begrenzen.
Die Batterie ist nach dem Cell-to-Pack-Prinzip direkt in die Fahrzeugstruktur integriert. Für die Karosserie verwendet Ceer Aluminium-Gussteile und Strangpressprofile. Sieben Airbags übernehmen den passiven Insassenschutz. Ergebnisse unabhängiger Crashtests liegen noch nicht vor.
Zur Sicherheitsausstattung gehören außerdem eine Fahrerüberwachung, eine Verkehrszeichenerkennung, eine Abstandswarnung und ein Ausweich-Lenkassistent. Eine Dashcam zeichnet das Geschehen vor und hinter dem Fahrzeug auf. Der sogenannte Guardian Mode soll das abgestellte Fahrzeug überwachen. Hinzu kommt eine Funktion, die erkennen soll, wenn beim Schließen der Türen eine Abaya eingeklemmt wird.
Assistenzsysteme übernehmen Spurwechsel und Parkmanöver
Zu den angekündigten Assistenzsystemen gehören ein adaptiver Tempomat mit Stop-and-go-Funktion, Spurhalte- und Spurzentrierungsassistenten, eine Totwinkelüberwachung und ein Querverkehrsassistent hinten. Ergänzt werden sie durch Notfall- und Kollisionsvermeidungssysteme.
Ceer stellt außerdem freihändiges assistiertes Fahren, automatische Spurwechsel und eine navigationsgestützte Führung auf Autobahnen in Aussicht. Eine Automatisierungsstufe nennt der Hersteller nicht. Welche Funktionen zum Marktstart freigeschaltet werden, dürfte auch von den gesetzlichen Vorgaben der einzelnen Länder abhängen.
Der automatische Spurwechsel, der Highway and Traffic Jam Pilot und die Funktion Navigate on Pilot sollen nach der aktuellen Ausstattungsliste erst 2028 per Software-Update bereitgestellt werden. Automatisierte und gespeicherte Parkmanöver gehören ebenfalls zum Funktionsumfang. Über die Ceer-App lässt sich das Fahrzeug aus der Ferne parken und orten. Die App zeigt zudem den Fahrzeug- und Ladestatus an und ermöglicht die Vorklimatisierung des Innenraums.
Zwölf Sensoren und Rundumsichtkameras überwachen den Bereich vor und hinter dem Fahrzeug. Hinzu kommen automatisches Parken und eine erweiterte Fernsteuerung für Parkmanöver. Die Speicherfunktion für regelmäßig verwendete Parkwege soll ebenfalls erst 2028 per Software-Update freigeschaltet werden.
48-Zoll-Display zieht sich über das Cockpit
Im Innenraum verläuft ein gebogenes 48-Zoll-Display mit 8K-Auflösung von einer A-Säule zur anderen. Das sogenannte Digital Horizon stellt Fahrdaten, Navigation und weitere Informationen dar. Hinzu kommen ein 10,4 Zoll großer zentraler Touchscreen mit 2K-Auflösung und ein acht Zoll großer Bildschirm für die Passagiere im Fond. Ceer verzichtet trotz der großen Anzeigeflächen nicht vollständig auf klassische Bedienelemente. Fahrstufenwahl, Klimaanlage und Lautstärke lassen sich weiterhin über separate Schalter steuern. Die Bilder der Kameras, die anstelle der Außenspiegel verwendet werden, erscheinen ebenfalls auf Displays im Innenraum.
Ein Sprachassistent versteht Arabisch und Englisch. Der digitale Fahrzeugschlüssel lässt sich mit einer Smartwatch verbinden. Software und Fahrzeugfunktionen können über Mobilfunk aktualisiert werden.
Das Navigationssystem berücksichtigt die verbleibende Reichweite und plant notwendige Ladestopps. Echtzeit-Verkehrsdaten sowie Musik- und Videostreaming setzen eine Internetverbindung voraus. Kartenaktualisierungen sind ab der Erstzulassung fünf Jahre enthalten und können danach kostenpflichtig werden. Gaming, Gebetszeit-Hinweise und ein Kompass zur Anzeige der Gebetsrichtung gehören ebenfalls zum Funktionsumfang.
Sabelt-Sitze und schaltbare Türscheiben
Die Sitze entstanden gemeinsam mit dem italienischen Hersteller Sabelt. Für die First Edition verwendet Ceer rotes und schwarzes Nappaleder. Der Name der Sonderausstattung ist in die Kopfstützen geprägt. Besondere Fußmatten und eine nummerierte Plakette, deren Nummer zur Fahrzeug-Identifizierungsnummer gehört, ergänzen die Ausstattung. Die unteren Türscheiben lassen sich elektrisch zwischen transparent und abgedunkelt umschalten. Außen kennzeichnen schwarze Anbauteile, schwarze Embleme und rote Bremssättel die First Edition. Als Lackierungen stehen Harrat Grey und White Musk zur Wahl. Die Stückzahl der limitierten Version nennt Ceer nicht.
Die Vordersitze lassen sich elektrisch in zwölf Richtungen verstellen. Eine Memory-Funktion speichert die Positionen der Sitze und der elektrisch in vier Richtungen verstellbaren Lenksäule. Vorder- und Rücksitze sind belüftet, die Vordersitze zusätzlich beheizbar. Im Fond sitzt ein weiterer Bedienbildschirm in der Mittelarmlehne.
Das SoundStage-Audiosystem nutzt neben klassischen Lautsprechern Schwingungserreger, die ausgewählte Innenraumoberflächen in die Klangwiedergabe einbeziehen. Hinzu kommen eine zweigeteilte Ambientebeleuchtung, eine Luftfilterung und ein Duftsystem, das drei unterschiedliche Düfte bereithalten kann. Die Vier-Zonen-Klimaanlage besitzt einen Luftionisator. Gekühlte Ablagen befinden sich in der Mittelkonsole und im Kofferraum. Hinzu kommen eine induktive Smartphone-Ladeschale und vier USB-C-Anschlüsse.
Beim Exobot Plus gehören teilweise mit Leder bezogene Sitze zur Grundausstattung. Vollleder und Nappaleder sind optional erhältlich. Farbige Bremssättel und schwarze Räder bietet Ceer in Verbindung mit dem optionalen Exterieur-Farbpaket an.
Verkauf beginnt Anfang 2027
Ceer will die ersten Exobot Anfang 2027 in Saudi-Arabien ausliefern. Nach der First Edition folgt die reguläre Ausstattung Exobot Plus mit größerer Auswahl bei Farben, Materialien und Ausstattungspaketen. Preise für beide Versionen stehen noch nicht fest.
Ab 2028 ist die Expansion in angrenzende Länder geplant. Anschließend will Ceer weitere Märkte im Nahen Osten und in Nordafrika bedienen. Ein Verkaufsstart in Deutschland oder anderen europäischen Ländern ist derzeit nicht angekündigt.
Technik von BMW, Rimac und Foxconn
Ceer entwickelt und produziert die Fahrzeuge in Saudi-Arabien, greift dabei aber auf Komponenten und Entwicklungsleistungen internationaler Partner zurück. Foxconn ist am Unternehmen beteiligt und liefert die elektrische und elektronische Architektur. BMW steuert Entwicklungswissen und lizenzierte Komponententechnik bei. Eine vollständige BMW-Plattform übernimmt Ceer jedoch nicht. Rimac Technology liefert vollständig integrierte elektrische Antriebssysteme für die Spitzenmodelle. Das kroatische Unternehmen entwickelt auch Technik für den Rimac Nevera und arbeitet mit Herstellern wie BMW, Porsche und Bugatti zusammen. Hyundai Transys stellt ebenfalls elektrische Antriebssysteme für Ceer bereit.
Weitere Partner sind Sabelt für die Sitze, Siemens für Automatisierungstechnik, Dürr für die Lackiererei und Schuler für das Presswerk. Auch Lear und Benteler gehören zum Lieferantennetzwerk. Bis 2034 will Ceer 45 Prozent der verwendeten Komponenten aus Saudi-Arabien beziehen.
