Was hat die, was Archer nicht hat?
Die Morana führt 45 Geschosse mit und damit mehr als doppelt so viele wie der Archer.
Es gibt einen neuen Player im Haubitzen-Game, der sich direkt gegen einen arrivierten Konkurrenten durchsetzen konnte. Schauen wir mal, was die Morana-Haubitze besser kann als das Archer-System.
Die Morana ist eine vollautomatische 155-mm-Radhaubitze auf einem vierachsigen Tatra-Fahrgestell. Ihr größter Unterschied zum Archer steckt nicht im Geschütz, sondern im Fahrzeug. Excalibur Army stellte die Morana 2022 erstmals auf der Eurosatory in Paris vor. Das tschechische Unternehmen gehört zur Czechoslovak Group und hat bereits die Radhaubitzen Dana und Dita im Programm. Bei der Morana wählte der Hersteller jedoch einen anderen Aufbau. Vorn sitzt die dreiköpfige Besatzung in einer gemeinsamen geschützten Kabine. Dahinter folgen der Motor und weitere Fahrzeugkomponenten. Den hinteren Teil des Fahrzeugs belegt der große unbemannte Geschützturm. Diese Aufteilung unterscheidet die Morana von der Dita, bei der der Turm weiter vorn und näher an der Fahrzeugmitte angeordnet ist.
Als Basis dient ein Tatra Force 8×8. Das Fahrgestell besitzt den für Tatra typischen Zentralrohrrahmen, einzeln aufgehängte Halbachsen und eine Allradlenkung. Der Motor leistet nach Herstellerangaben 600 PS. Auf der Straße erreicht die Morana bis zu 90 km/h. Eine zentrale Reifendruckregelanlage passt den Reifendruck an den jeweiligen Untergrund an.
Drei Soldaten bleiben in der Kabine
Fahrer, Richtschütze und Kommandant bedienen das gesamte System aus der "EA-Puma"-Kabine. Diese erfüllt STANAG 4569 Level 2 und schützt damit unter anderem gegen Beschuss mit Infanteriemunition sowie gegen bestimmte Minenbedrohungen. Die Kabine verfügt außerdem über eine Überdruckanlage, ABC-Filter, Heizung und Klimatisierung.
Nach dem Anhalten soll die Morana innerhalb von rund 40 Sekunden feuerbereit sein. Navigation, Berechnung der Schussdaten, Ausrichtung des Rohrs, Auswahl der Munition und Ladevorgang erfolgen automatisch. Die Besatzung muss die Kabine während des Feuerauftrags nicht verlassen. Das Bordsystem überwacht gleichzeitig wichtige Fahrzeug- und Waffenfunktionen. Fehlermeldungen werden auf den Arbeitsplätzen in der Kabine angezeigt und gespeichert. Die Architektur soll außerdem die Einbindung eines vom Kunden ausgewählten Feuerleitsystems ermöglichen.
45 Geschosse statt 21 beim Archer
Die Hauptwaffe besitzt das NATO-Kaliber 155 Millimeter und eine Rohrlänge von 52 Kalibern. Der automatische Lader kann in der ersten Minute bis zu sechs Geschosse zuführen. Danach liegt die angegebene Dauerfeuerrate bei fünf Schuss je Minute. Der Munitionsvorrat umfasst 45 Geschosse. Damit führt die Morana mehr als doppelt so viele Geschosse mit wie der Archer. Das schwedische System besitzt ein automatisches Magazin für 21 Geschosse und die zugehörigen modularen Treibladungen. Bei längeren Feueraufträgen muss der Archer daher früher neu aufmunitioniert werden.
Mit reichweitengesteigerter Munition nennt Excalibur Army für die Morana eine Schussweite von bis zu 41,5 Kilometern. Der Archer erreicht laut BAE Systems mit geeigneter Munition mehr als 50 Kilometer. Diese Angaben lassen sich allerdings nur bedingt gegenüberstellen, da die Reichweite stark vom verwendeten Geschoss und von der Treibladung abhängt. Beide Haubitzen beherrschen das MRSI-Verfahren. Dabei werden mehrere Geschosse mit unterschiedlichen Flugbahnen abgefeuert. Sie erreichen den Zielbereich nahezu gleichzeitig, obwohl sie nacheinander das Rohr verlassen.
Morana kann auch direkt schießen
Die Morana ist in erster Linie für indirektes Feuer vorgesehen. Bei Bedarf kann sie jedoch Ziele direkt bekämpfen. Excalibur Army nennt dafür eine Entfernung von bis zu fünf Kilometern am Tag und drei Kilometern bei Nacht. Als mögliche Ziele nennt der Hersteller Stellungen, Gebäude sowie stehende oder fahrende Fahrzeuge.
Am Turm befindet sich zusätzlich eine Sekundärwaffe. Sie ist für den Nahbereich vorgesehen und soll nach Angaben des Herstellers auch gegen tief fliegende Drohnen eingesetzt werden können. Welches Waffenmodell Kunde Lettland für seine Fahrzeuge erhält, ist noch nicht bekannt.
Fällt das automatische Richt- oder Navigationssystem aus, kann die Besatzung das Geschütz über optische Hilfsmittel manuell ausrichten. Auch die Energieversorgung des Turms arbeitet unabhängig vom Fahrzeugmotor. Die Waffe bleibt dadurch grundsätzlich bedienbar, wenn der Hauptmotor abgestellt ist oder ausfällt. Diese beiden Rückfallebenen hebt Excalibur Army als Besonderheit der Morana hervor. In den öffentlich zugänglichen technischen Angaben zum Archer werden vergleichbare Funktionen nicht genannt.
Morana und Archer im Vergleich
Der Archer ist schneller feuerbereit und erreicht eine höhere maximale Feuerrate. Zudem ist das schwedische System bereits eingeführt und praktisch erprobt. Die Morana setzt dagegen auf einen größeren Munitionsvorrat und zusätzliche Rückfallebenen bei einem Ausfall der Automatik oder des Fahrzeugmotors.
Lettland wählt die Morana statt 18 Archer
Lettland hatte seit Mai 2024 sowohl über den Archer als auch über die Morana verhandelt. Im Juni 2025 unterzeichneten Lettland und Schweden eine Absichtserklärung, die den späteren Kauf von 18 Archer-Systemen vorbereiten sollte. Dazu kommt es nun nicht. Die lettische Regierung beschloss Mitte September 2026 stattdessen die Beschaffung der Morana. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums bot Excalibur Army ein operativ gleichwertiges System zu einem günstigeren Preis und mit besseren Lieferbedingungen an. Außerdem sollen lettische Unternehmen an dem Auftrag beteiligt werden.
Für die Morana ist die Entscheidung der erste bekannte Verkauf. Selbst die tschechischen Streitkräfte haben das heimische System nicht bestellt. Tschechien beschafft stattdessen französische Caesar-Radhaubitzen.
