Mercedes bezahlt fürs Laden
Mercedes startet mit The Mobility House Energy ein V2G-Paket für Privatkunden. Es verspricht mehr als 500 Euro Jahresbonus bei täglich zwölf Stunden Anschlusszeit.
Mercedes-Benz bringt mit The Mobility House Energy ein Angebot für bidirektionales Laden nach Deutschland. Elektroautos können dabei überschüssigen grünen Strom zwischenspeichern und wieder ins öffentliche Netz abgeben. Bezahlt werden Halter für die Zeit am Kabel: Wer sein Auto täglich im Schnitt zwölf Stunden anschließt, kann laut Mercedes derzeit mehr als 500 Euro Bonus pro Jahr erhalten.
Die Vergütung läuft auch dann, wenn das Fahrzeug gerade weder lädt noch Strom zurückspeist. Eine tägliche, monatliche oder jährliche Obergrenze nennt Mercedes für das Einführungsangebot nicht. Der tatsächliche Bonus hängt vor allem von der Verfügbarkeit des Autos ab.
Vier Jahre bis zur Amortisation – ohne Zusatzkosten
Die ersten 500 Kunden erhalten die Wallbox ChargeLine Bidi für 1.990 statt regulär 2.990 Euro, die vom Schweizer Unternehmen EVtec hergestellt wird. Das Startangebot gilt bei Vertragsabschluss bis Ende März 2027. Dazu kommen 250 Euro Guthaben für öffentliches Laden über den Mercedes-Ladedienst MB.Charge Public. Dafür braucht es aber einen separaten Ladevertrag mit Mercedes.
Mercedes zufolge kann sich die Wallbox so innerhalb von vier Jahren amortisieren. Bei 500 Euro Jahresbonus wäre der Einführungspreis nach knapp vier Jahren ausgeglichen, der reguläre Kaufpreis nach knapp sechs Jahren. Installation und weitere laufende Kosten sind dabei allerdings nicht berücksichtigt. Eine vollständige Kostenrechnung liefert die Mitteilung nicht, aber je nach Aufstellort werden für Wallbox-Installationen samt Anpassungen im Zählerschrank weitere 1.000 bis 3.000 Euro fällig.
Wallbox, Stromtarif und Smart Meter nötig
Das eigentliche bidirektionale Laden nennt Mercedes MB.Charge Home Pro Intelligent. Dazu braucht es einen speziellen Stromtarif, das digitale Extra MB.Charge Home Pro fürs Auto und einen Smart Meter Gateway, also einen intelligenten Stromzähler, der ebenfalls noch einmal rund 100 Euro im Jahr kostet. In einer App können die Kunden dann Ladevorgänge, Rückspeisungen und Gutschriften sehen.
Das Besondere an der Wallbox ist aber nicht nur die Funktion des Bidi-Ladens, sondern auch die Stromübertragung. Denn anders als die meisten Wallboxen liefert die Mercedes-Wallbox Gleichstrom (DC), so wie die Schnelllader an der Autobahn. Da die meisten Hausanschlüsse aber keine 400 kW, sondern vielerorts nur 40 kW hergeben, hat die Mercedes-Wallbox darüber hinaus nicht viel mit den Schnellladern gemein. Bis zu 11 kW sind möglich, unterstützt werden 400- und 800-Volt-Fahrzeuge. Während alle E-Autos mit CCS-Buchse an der Wallbox laden können, ist das Rückspeisen nur geeigneten Autos vorbehalten.
Für die Kommunikation zwischen Auto und Ladegerät setzt Mercedes zwar auf den offenen Standard ISO 15118-20, es ist aber nicht zu erwarten, dass die Technik zum Marktstart schon interoperabel funktioniert und auch andere Marken unterstützt werden. Bei Mercedes machen der elektrischen GLC und die elektrische C-Klasse den Anfang. VLE, GLA, EQS, CLA, CLA Shooting Brake und GLB sollen folgen. EQE und die Vor-Facelift-Variante des EQS bleiben voraussichtlich außen vor. Je nach Modell wird die Funktion nach Marktstart per Software-Update freigeschaltet. Voraussetzung ist das aktivierte digitale Extra "Vorrüstung für MB.Charge Home Pro". Konkrete Freischalttermine nennt Mercedes nicht.
BMW und E.ON sind bereits im Markt
Das Paket erweitert zwei im September vorgestellte Angebote: MB.Charge Home Dynamic und Home Intelligent verschieben Ladevorgänge in günstigere Zeitfenster. Das Pro-Angebot ermöglicht zusätzlich die Rückspeisung ins öffentliche Netz, Vehicle-to-Grid (V2G) genannt. Die Autobatterie wird zum Zwischenspeicher für das Stromsystem.
Mercedes ist aber nicht der erste Autobauer, der sich des Themas annimmt. BMW und E.ON machten ihr V2G-Paket bereits im Februar bestellbar. Sie nannten 24 Cent je Anschlussstunde, begrenzt auf 60 Euro monatlich beziehungsweise 720 Euro jährlich. Mercedes nennt für sein Startangebot keine solche Obergrenze. Welches Paket günstiger ist, lässt sich daraus allein nicht ableiten: Dafür zählen auch Strompreis, Wallboxkosten und Vertragsbedingungen.
Neue Regeln mit Übergangsfrist
Die Bundesnetzagentur hat am 1. Oktober neue Regeln zur Marktintegration von Speichern und Ladepunkten beschlossen, kurz MiSpeL. Sie regeln unter anderem die Abrechnung gemischter Solar- und Netzstrommengen. Bis Ende September 2027 läuft eine Übergangsfrist: Wer die neuen Optionen vorher nutzt, braucht das Einverständnis von Netz- und Messstellenbetreiber. Für die vereinfachte Pauschaloption steht zudem die beihilferechtliche Genehmigung der gesetzlichen Grundlage durch die EU-Kommission aus.
