Warum Nebelscheinwerfer aussterben
Immer weniger Autohersteller bieten Nebelscheinwerfer an. Woran das liegt und was moderne Autos anders machen als früher.
Nebelscheinwerfer gehörten lange zur ganz normalen Ausstattung vieler Autos, der Griff zum entsprechenden Schalter im herbstlichen Nebel war über Generationen eine Selbstverständlichkeit. Heute sind sie bei zahlreichen Neuwagen nicht mehr erhältlich, selbst bei Modellen, die ansonsten mit umfangreicher Lichttechnik ausgestattet sind. Diesen ersten Eindruck bestätigt ein Blick in unsere redaktionsinterne Ausstattungs-Datenbank: Seit geraumer Zeit und immer öfter sind die "Nebler" bei Neuwagen ausgestorben. Woran liegt das?
Scheinwerfertechnik stark verbessert
Ein wesentlicher Grund ist die Entwicklung der Scheinwerfertechnik. Zu Zeiten der inzwischen schon fast antiken Glühfaden-Beleuchtung war man über jedes Zusatzlicht froh, das bei schlechtem Wetter für Erleuchtung sorgte. Moderne LED-Systeme erzeugen dagegen ein präzise ausgerichtetes Lichtbild und können den Lichtstrom gezielt auf die Fahrbahn verteilen – und bieten generell eine viel bessere Ausleuchtung der Fahrbahn sowie Sichtbarkeit im Gegenverkehr. Bei adaptiven Fernlichtsystemen werden zusätzlich einzelne Bereiche des Lichtkegels abhängig von der Verkehrssituation gesteuert. Matrix-LED-Scheinwerfer können beispielsweise entgegenkommende Fahrzeuge oder vorausfahrenden Verkehr ausblenden, während andere Bereiche weiterhin ausgeleuchtet werden. Solche Funktionen verbessern die Sicht bei Dunkelheit, ersetzen einen klassischen Nebelscheinwerfer bei dichtem Nebel aber nicht automatisch.
Auch die Bauweise der Fahrzeugfront spielt eine Rolle. Die Scheinwerfer werden zunehmend schmaler und in die Gestaltung der Front integriert. Und nicht zuletzt ist die Aerodynamik ein Thema, schließlich feilschen die Designer speziell bei modernen Elektroautos um jedes Fitzelchen, das zu viel im Wind steht. Ein Verzicht auf zusätzliche Nebelleuchten bringt in dieser Hinsicht mehr Gestaltungsfreiraum.
Kostenfrage
Nicht ganz unwesentlich sind außerdem die Kosten. Separate Nebelleuchten benötigen zusätzlichen Bauraum, elektrische Anschlüsse und eigene Befestigungspunkte. Wird auf sie verzichtet, spart das Bauteile, Montageaufwand und Kosten. Bei Fahrzeugen mit mehreren Ausstattungsvarianten lassen sich außerdem unterschiedliche Frontdesigns und Produktionsabläufe vereinfachen. Das spielt unter anderem eine Rolle bei der kostspieligen Homologation neuer Baureihen, bei der zur Bestimmung der Verbrauchs- und CO₂-Werte jede Ausstattungsvariante separat zertifiziert werden muss.
Hinzu kommt, dass Nebelscheinwerfer nicht zu den gesetzlich vorgeschriebenen Beleuchtungseinrichtungen eines Pkw gehören. Hersteller müssen sie daher nicht grundsätzlich anbieten. Vorgeschrieben sind Abblendlicht, Fernlicht, Schlussleuchten und Fahrtrichtungsanzeiger. Und im Gegensatz zu den Nebelscheinwerfern ist eine Nebelschlussleuchte in der EU vorgeschrieben.
Stichproben
Völlig willkürlich haben wir in diesem Zusammenhang ein paar Stichproben mit verschiedenen wichtigen Neuerscheinungen des Jahres gemacht. Auch diese Prüfung bestätigt den Trend weg vom Nebelscheinwerfer. Nicht (mehr) verfügbar sind separate Nebelleuchten beispielsweise beim neuen VW ID. Tiguan, beim neuen BMW 3er, der neuen Mercedes C-Klasse und dem Citroën C5 Aircross. Auch im Konfigurator des neuen Audi A2 E-Tron und des Renault Twingo E-Tech sucht man vergebens nach einer solchen Option. Es gibt jedoch auch Ausnahmen: Beim neuen Toyota RAV4 sind Nebelscheinwerfer (LED) beispielsweise serienmäßig, der neue Dacia Striker bietet LED-Nebelscheinwerfer mit Kurvenlichtfunktion für Journey und Extreme serienmäßig sowie für den Expression als Aufpreis-Option im City-Paket.
Wie Nebelscheinwerfer funktionieren
Klassische Nebelscheinwerfer sitzen meist tief in der Frontschürze. Ihr Licht wird breit und vergleichsweise flach auf die Fahrbahn gerichtet. Die geringe vertikale Ausdehnung des Lichtkegels soll verhindern, dass möglichst viel Licht direkt in den Nebel oberhalb der Straße eingestrahlt wird. Nebel besteht aus kleinen Wassertröpfchen, an denen Licht gestreut und zum Fahrer zurückgeworfen wird. Dieser Effekt kann die Sicht durch eine helle Eigenreflexion vor dem Fahrzeug zusätzlich beeinträchtigen.
Nebelscheinwerfer sollen vor allem den unmittelbaren Fahrbahnbereich und die seitlichen Begrenzungen besser erkennbar machen. Sie können bei Nebel, starkem Schneefall oder Regen hilfreich sein, bieten aber keine unbegrenzte Sichtweite. Ihre Wirkung hängt von der Bauart, der Einstellung und den jeweiligen Wetterbedingungen ab. Bei manchen modernen Fahrzeugen übernimmt eine spezielle Lichtverteilung der Hauptscheinwerfer einen Teil dieser Aufgabe.
Wann Nebelscheinwerfer benutzt werden dürfen
In Deutschland regelt § 17 der Straßenverkehrs-Ordnung den Einsatz der Fahrzeugbeleuchtung. Nebelscheinwerfer dürfen bei erheblicher Sichtbehinderung durch Nebel, Schneefall oder Regen eingeschaltet werden. Bei entsprechender Sichtbehinderung können sie zusätzlich zum Abblendlicht verwendet werden; bei Tag dürfen sie bei solchen Bedingungen auch anstelle des Abblendlichts eingeschaltet werden.
Entscheidend ist die tatsächliche Sichtbeeinträchtigung. Nebelscheinwerfer sind nicht dafür gedacht, bei klarem Wetter dauerhaft eingeschaltet zu bleiben, nur weil sie für einen vermeintlich cooleren Look sorgen.
