VW stellt Fahrerassistenz-Entwicklung neu auf
Volkswagen plant eine neue Organisation für Fahrerassistenz und automatisiertes Fahren. Cariad und die Marken sollen darin enger zusammenarbeiten.
Volkswagen will Fachleute für Fahrerassistenzsysteme künftig in einer neuen Einheit zusammenführen. "OneTeam" soll laut Berichten der Automobilwoche im November starten.
Die Leitung soll Manuel Birke übernehmen. Er verantwortet bislang bei der Softwaretochter Cariad die Technik für Fahrerassistenzsysteme. In seiner neuen Rolle soll er an Rouven Mohr berichten – den Entwicklungsvorstand von Audi. Damit erhält Audi bei der konzernweiten Arbeit an Fahrerassistenz und automatisiertem Fahren eine zentrale Steuerungsfunktion.
Zuständigkeiten sollen klarer werden
In OneTeam sollen Spezialisten von Cariad und den Konzernmarken zusammenarbeiten. Volkswagen will damit vermeiden, dass jede Marke ähnliche Systeme separat entwickelt. Konzernentwicklungschef Werner Tietz begründete die neue Struktur laut Automobilwoche mit einer klareren Verantwortung unter der Führung von Audi: "Wir schaffen eine klare Verantwortlichkeit durch Führung der Leadmarke Audi und nutzen unsere technologischen Kompetenzen gemeinsam und für alle". Wie die Teams künftig aufgeteilt werden, ist noch nicht bekannt.
Die Neuordnung folgt auf Verzögerungen, die Softwareprobleme bei mehreren Projekten verursacht hatten. Der Audi Q6 e-tron kam beispielsweise später als vorgesehen auf den Markt. Die neue Berichtslinie könnte Audi mehr Einfluss auf die Entwicklung geben. Zugleich dürfte sie sichtbarer machen, wer für den Fortschritt der gemeinsamen Projekte verantwortlich ist.
Bosch-Kooperation endete vorzeitig
Cariad entstand mit dem Anspruch, Software für mehrere Konzernmarken selbst zu entwickeln. Inzwischen setzt Volkswagen stärker auf externe Partner. Die Zusammenarbeit von Cariad und Bosch an automatisierten Fahrfunktionen wurde im Juli vorzeitig beendet. Außerdem baut Cariad in Deutschland rund 1.000 Stellen ab.
Bosch und Cariad hatten gemeinsam einen Technikbaukasten für Fahrerassistenz bis SAE-Level 2+ entwickelt. Volkswagen plant, ihn im Elektro-Kleinwagen ID. Every1 einzusetzen. Für automatisiertes Fahren auf höheren SAE-Stufen braucht der Konzern weitere Lösungen.
Nvidia liefert eine Plattform für den ID. Buzz AD
Nvidia ist ebenfalls an Projekten für automatisiertes Fahren beteiligt. Volkswagen Nutzfahrzeuge zeigte auf der GTC in Berlin den autonomen ID. Buzz AD. Er nutzt Nvidias Hyperion-Plattform, die Rechenhardware und eine Sensorarchitektur kombiniert.
Daneben entwickeln Volkswagen, Porsche und Cariad gemeinsam mit Nvidia, Microsoft Azure und Voxel51 eine Plattform für Fahrdaten. Sie soll reale Verkehrssituationen für das Training und die Prüfung automatisierter Systeme nutzbar machen. Zu Nvidias Beitrag gehören Werkzeuge, die Daten aufbereiten und reale Fahrsituationen virtuell nachbilden.
Welche Technologien künftig in welchen Volkswagen-Modellen eingesetzt werden, ist noch offen. Zunächst muss der Konzern festlegen, wie "OneTeam" mit Audi, Cariad und den Entwicklungsabteilungen der übrigen Marken zusammenarbeitet.
