Cuorerosso zeigt klare Kante gegen Riesen-Screens
Mit dem Cuorerosso folgt Alfa Romeo einer faszinierenden Design- und Technologierichtung, die bereits zukünftig an Bedeutung gewinnen könnte. Als einzigartiges Showcar zeigt es nicht nur ästhetische Ansprüche, sondern wirft auch Fragen zu den kommenden Antriebsvarianten und Bedienkonzepten auf. Besonders spannend bleibt, welche der innovativen Ideen in den Serienfahrzeugen ab 2027 Einzug halten werden.
Alfa Romeo sagt klar: Eine Serienversion des Cuorerosso ist nicht vorgesehen. Genau das macht die Studie als "Designmanifest" so wichtig, weil sie nicht um Verkaufszahlen kämpft. Sie soll zeigen, wie die Marke ihre nächste Modellgeneration gestalten will, inklusive Antriebs- und Bedienphilosophie.
Der Anspruch dahinter heißt "Bellezza Necessaria", also "notwendige Schönheit". Das Designteam begann dafür mit einem 3D-Grundkörper ohne Räder, Verglasung und Anbauteile. Erst danach kamen klassische Alfa-Merkmale wie der Scudetto-Grill und das abgeschnittene Heck, die Coda Tronca, dazu.
Trotz Showcar-Status nennt Alfa messbare Eckpunkte, die wie ein Realitätscheck wirken. Der Luftwiderstandsbeiwert liegt bei 0,28, also eher Alltagsniveau statt Rekordjagd. Für ein Auto, das so flach wirkt, ist das überraschend bodenständig – und zeigt, dass hier nicht nur eine Skulptur stand.
Innenraum als Markensignal
Im Cockpit will Alfa sichtbar gegen den Trend zu großen Screens arbeiten. Markenchef Santo Ficili sagt, Heimkino-Displays wolle man "definitiv nicht". Stattdessen soll es weniger Ablenkung geben und mehr analoge Bedienelemente mit haptischem Feedback, also spürbarem Druckpunkt wie bei klassischen Schaltern.
Der Cuorerosso setzt das mit einem Mischansatz um: Das "Magma Display" kombiniert eine digitale Touchfläche mit Drehreglern, Kippschaltern und einer Fahrmoduswahl. Auch der Modus "Quadrifoglio" ist dort als Einstellung vorgesehen. Der Effekt ist ein Innenraum, der digital wirkt, aber nicht wie ein Tablet auf Rädern.
Noch ungewöhnlicher ist das Instrumentensystem "Cannocchiale Vivente". Zwei Rundanzeigen können im Modus "Concentrato" mechanisch zu einer Einheit zusammengeführt werden, während im Modus "Immersivo" zwei getrennte Instrumente angezeigt werden. Die Informationsmenge wird dabei bewusst reduziert – das ist das Gegenteil der üblichen "mehr Daten auf mehr Fläche"-Logik.
Multi-Energy und V6-Hybrid-Idee
Beim Antrieb setzt Alfa im Cuorerosso auf eine klare Botschaft: Multi-Energy statt Einheitslösung. Genannt werden batterieelektrische Antriebe sowie Plug-in-Hybrid, Mildhybrid und Vollhybrid, also vom extern ladbaren Hybrid bis zum Hybrid ohne Ladekabel. Das Ziel ist ein Baukasten, der je nach Markt und Segment verschiedene Lösungen zulässt.
Als mögliche Spitze nennt Alfa einen 2,9-Liter-V6 als Vollhybrid mit Q4-Allrad, Wandlerautomatik und Carbon-Kardanwelle. Dass ausgerechnet ein V6-Vollhybrid als Option genannt wird, ist der überraschende Punkt. Viele Hersteller koppeln Performance heute primär an reine Elektro-Setups, Alfa hält sich diese Tür ausdrücklich offen.
Ficili ordnet das in der Strategie ein: Elektrifizierung soll "im Sinne der Alfa-Romeo-Philosophie" interpretiert werden und Sportlichkeit stützen. Gleichzeitig bleibt es bei der Einschränkung, dass es noch keine Angaben zu Leistung, Batteriegröße, elektrischer Reichweite oder Fahrleistungen gibt. Der Cuorerosso zeigt damit eher Richtung als Datenblatt.
Was ab 2027 wirklich kommt
Der wichtigste Teil für Käufer ist der Serienfahrplan, den Ficili konkret benennt. Giulia und Stelvio laufen demnach bis 2027 weiter, inklusive Quadrifoglio-Versionen. Danach soll 2027 ein neues C-SUV starten, später folgt ein Schrägheckmodell im C-Segment, inspiriert vom Geist von 147 und Giulietta.
Der Cuorerosso soll dafür nicht als Blaupause für Karosserieformen dienen, sondern als Stil- und Bedienleitlinie. Ficili sagt offen, dass sich Coupé-Proportionen nur begrenzt auf SUV übertragen lassen und ein Kompaktmodell deutlich kürzer ist als die 4,70 Meter der Studie. Trotzdem solle außen klar erkennbar sein, dass der Cuorerosso die Richtung vorgibt.
Parallel dazu plant Alfa ein neues "Hero-Car" als Kleinstserien-Sportwagen über das Programm Bottegafuoriserie. Ficili grenzt es ausdrücklich vom Cuorerosso ab: Es wird nicht dessen Nachfolger, sondern soll einen eigenen kreativen und technischen Weg gehen. Überraschend ist die Trennung gerade deshalb, weil viele Showcars üblicherweise als Teaser für genau solche Prestigeprojekte dienen.
