ADAC bezieht klar Stellung
Der ADAC fordert, die 12-Uhr-Regel an Tankstellen zeitnah abzuschaffen. Sie habe die Zahl der Preisänderungen verringert, Benzin und Diesel aber nicht günstiger gemacht.
Seit dem 1.4.2026 dürfen Tankstellen in Deutschland die Preise für Benzin und Diesel nur einmal täglich um 12:00 Uhr erhöhen. Senkungen sind jederzeit möglich. Nach Auffassung des ADAC ist damit zwar der Zeitpunkt einer Erhöhung vorhersehbar geworden. Zugleich habe sich der Abstand zwischen dem höchsten und dem niedrigsten Preis innerhalb eines Tages deutlich vergrößert. Besonders teuer sei das Tanken unmittelbar nach 12:00 Uhr.
Bei einem Gespräch mit Vertretern aus Politik, Wissenschaft und Mineralölwirtschaft in Berlin zog der ADAC deshalb eine negative Bilanz. In einer Befragung des Clubs erkennen 77 Prozent der Autofahrer keinen preissenkenden Effekt. "Die 12-Uhr-Regel hat ihr Ziel aus Verbrauchersicht nicht erreicht. Deshalb sollte sie abgeschafft werden", sagte ADAC-Verkehrspräsident Peter König. Die Befragung gibt die Wahrnehmung der Teilnehmer wieder. Sie misst nicht, welchen Anteil die Regel selbst an der Entwicklung der Kraftstoffpreise hat.
Tankrabatt soll vollständig an der Zapfsäule ankommen
Anders bewertet der ADAC die von der Bundesregierung beschlossene befristete Senkung der Energiesteuer. Sie hält eine schnelle Entlastung derzeit für notwendig und sieht kurzfristig keine gezieltere Alternative, die ebenso rasch umgesetzt werden könnte. Der Bund will die Energiesteuer auf Benzin und Diesel bis Ende 2026 um rund 17 Cent je Liter senken. Wann und in welcher Höhe Autofahrer die Senkung an der Zapfsäule spüren, hängt auch von der Preisgestaltung der Anbieter ab.
Der ADAC verlangt deshalb, dass die Mineralölwirtschaft die Steuerentlastung möglichst vollständig weitergibt. Erfahrungen mit früheren Steuersenkungen zeigten, dass dies weder sofort noch bei allen Kraftstoffarten im gleichen Umfang geschehe. Für künftige Krisen spricht sich der Club außerdem dafür aus, Direktauszahlungen an betroffene Bürger vorzubereiten. Eine solche Zahlung könnte gezielter erfolgen als eine allgemeine Senkung der Kraftstoffsteuer.
Preisdeckel könnte den Wettbewerb verändern
Auch den für Anfang 2027 geplanten Spritpreisdeckel will der ADAC an seiner tatsächlichen Wirkung messen. Ein staatlich festgelegter Höchstpreis könnte extreme Preisspitzen begrenzen. Ob er Verbraucher dauerhaft entlastet, hängt nach Auffassung des Clubs vor allem davon ab, wie die Obergrenze berechnet und festgesetzt wird.
Liegt der Höchstpreis zu niedrig, könnte das Angebot knapp werden. Liegt er zu hoch, könnte er den Anbietern als Orientierung dienen und den Preiswettbewerb darunter schwächen. Hinzu kommen regionale Preisunterschiede. Der ADAC hält es deshalb für schwierig, einen einheitlichen Höchstpreis für ganz Deutschland festzulegen.
Bei der Berliner Veranstaltung wurde auch eine Kurzstudie von Justus Haucap, Direktor des Düsseldorf Institute for Competition Economics, vorgestellt. Ihr zufolge können staatliche Eingriffe Preise und Preisbewegungen kurzfristig beeinflussen. Dauerhaft niedrigere Verbraucherpreise ergeben sich daraus nicht automatisch. Der ADAC fordert darüber hinaus günstigere steuerliche Bedingungen für alternative Kraftstoffe wie Biodiesel, Bioethanol und E-Fuels.
Nutzen Sie unsere Spritpreis-App
Um ein wenig die Kraftstoffkosten zu minimieren, sollten Autofahrer nach Möglichkeit die Schwankungen der Kraftstoffpreise im Tagesverlauf nutzen. Für eine aktuelle Übersicht bietet sich unsere verlagseigene und kostenlose Spritpreis-App "mehr tanken" (Google Play-Store oder Apple App-Store) an, die die aktuellen Kraftstoffpreise, eine Preis-Prognose und günstige Tankstellen in der Nähe anzeigt. Dort finden auch E-Auto-Fahrer Ladepunkte und deren Preise.
