50.000 Interessenten – trotz Kritik
Jaguar meldet mehr als 50.000 Menschen, die sich für den radikalen Type 01 interessieren – rund 80 Prozent davon fuhren bislang keinen Jaguar. Die Zahl beweist noch keine Kaufabsicht, zeigt aber, dass der umstrittene Neustart weit über die bisherige Kundschaft hinaus Aufmerksamkeit erzeugt.
Jaguars neuer Type 01 polarisiert. Der elektrische Viertürer unterscheidet sich beim Design, beim Preis und beim Anspruch deutlich von den früheren Modellen der Marke. Trotzdem haben sich weltweit mehr als 50.000 Menschen bei Jaguar registriert, um Informationen zur weiteren Entwicklung zu erhalten.
Jaguar-Geschäftsführer Rawdon Glover sagte dem australischen Portal Drive, die Marke halte mit diesen Interessenten regelmäßig Kontakt. Jaguar führt die Kontakte unter der Bezeichnung "KMI" – "keep me informed".
Vier von fünf Interessenten fahren bislang keinen Jaguar
Besonders interessant fällt die Zusammensetzung der Gruppe aus: Rund 80 Prozent der Interessenten besitzen bislang keinen Jaguar. Der Type 01 erreicht damit vor allem Menschen außerhalb der bisherigen Kundschaft.
Jaguar sieht darin eine Bestätigung für die neue Positionierung. Die Marke verabschiedet sich vom klassischen Premiumsegment und zielt mit teuren Elektroautos auf eine wohlhabendere und jüngere Kundschaft. Der Type 01 soll dabei den Auftakt bilden.
Interesse ist noch keine Bestellung
Die 50.000 Kontakte lassen sich nicht mit 50.000 Kaufabsichten gleichsetzen. Jaguar spricht von Menschen, die weitere Informationen wünschen. Anzahlungen, verbindliche Bestellungen oder eine konkrete Zahl geplanter Fahrzeuge lassen sich daraus nicht ableiten.
Diese Einschränkung schmälert den Nachrichtenwert allerdings nicht. Ein Auto mit einem Preis ab etwa 165.000 Euro benötigt eine neue Kundengruppe, wenn die Marke ihre bisherige Positionierung aufgibt. Der Type 01 erreicht diese Gruppe zumindest in der frühen Kommunikationsphase.
Ein radikaler Elektro-GT für 165.000 Euro
Der Type 01 misst knapp 5,24 Meter und besitzt einen Radstand von 3,20 Metern. Jaguar kombiniert die lange, flache Karosserie mit bündig integrierten Türgriffen, Kameras und Sensoren. Im Innenraum setzt die Marke auf eine reduzierte Gestaltung mit einem 24-Zoll-Instrumentendisplay und wenigen Bedienelementen.
Technisch nutzt der viertürige GT Jaguars Electric Architecture mit 850-Volt-System. Drei Elektromotoren leisten zusammen 758 kW (1.030 PS), die 118-kWh-Batterie soll eine Reichweite von rund 720 Kilometern ermöglichen. Jaguar plant den Bestellstart für 2027, die Auslieferungen sollen im zweiten Halbjahr desselben Jahres beginnen.
Ferrari Luce zeigt den möglichen nächsten Schritt
Der Ferrari Luce liefert einen interessanten Vergleich. Auch Ferraris erstes Elektroauto löste bei seiner Vorstellung heftige Kritik aus. Fans bemängelten den Bruch mit der bisherigen Formensprache, während Kritiker den Luce als zu glatt, zu technisch oder zu wenig emotional einordneten.
Trotzdem erreichte Ferrari laut einem Bericht der Financial Times bereits nach kurzer Zeit das angebliche Jahresziel von 500 Fahrzeugen. In China reservierten Kunden innerhalb von 72 Stunden alle 88 für den Markt vorgesehenen Exemplare. Ferrari plant bis 2030 rund 2.500 Luce – bei einem Grundpreis von 550.000 Euro vor Steuern in Europa.
Zwei radikale Autos, zwei unterschiedliche Signale
Beim Ferrari Luce sprechen die verfügbaren Zahlen von konkreten Reservierungen und einem ausverkauften Kontingent. Jaguar kann bislang auf eine große Zahl von Interessensbekundungen verweisen. Der Abstand zwischen beiden Signalen fällt erheblich aus.
Der Vergleich zeigt trotzdem eine Gemeinsamkeit: Starke Kritik in Medien und sozialen Netzwerken verhindert nicht automatisch das Interesse wohlhabender Kunden. Beim Luce führte die Aufmerksamkeit offenbar schnell zu Reservierungen. Jaguar muss aus Neugier erst noch reale Bestellungen entwickeln. Die Marke nimmt dabei in Kauf, einen Teil ihrer bisherigen Kundschaft zu verlieren. Rawdon Glover hatte bereits früher erklärt, dass viele traditionelle Jaguar-Käufer bei höheren Preisen und einer rein elektrischen Modellpalette nach Alternativen suchen dürften. Der Zustrom markenfremder Interessenten soll diese Lücke schließen.
