Gwinn verletzt: DFB-Frauen schlagen auch Österreich
Das deutsche Team bleibt in der WM-Qualifikation auf Kurs, muss aber die frühe Auswechslung der Kapitänin wegstecken.
Die deutschen Fußballerinnen bleiben auf WM-Kurs - doch der Bundestrainer ist nicht zufrieden.
Nürnberg (SID) Christian Wück verzog keine Miene, als die Fans zu den Klängen von "Major Tom" den nächsten Erfolg feierten. Obwohl die deutschen Fußballerinnen trotz eines Schreckmoments um Giulia Gwinn auf dem Weg zum WM-Ticket nicht aus dem Tritt kamen, redete der DFB-Coach ihnen umgehend ins Gewissen.
Als Bundestrainer, sagte der 52-Jährige nach dem 5:1 (1:0) gegen Österreich im ZDF, dürfe man "schon mal ein bisschen meckern". Er sei "nicht ganz zufrieden mit der Leistung von uns, weil nur sehr wenige an ihre Leistungsgrenze gekommen sind".
Die deutschen Fußballerinnen gewannen das Nachbarschaftsduell in Nürnberg zwar souverän, mussten beim dritten Sieg im dritten Qualifikationsspiel aber die frühe Auswechslung der an der Schulter verletzten Kapitänin wegstecken - und sich die Kritik des Chefs gefallen lassen.
"Wir machen uns das Leben selbst schwer", monierte Wück: "Ich erwarte, dass wir alle versuchen, an 100 Prozent zu kommen, und dass wir uns damit auch weiterentwickeln, weil das macht eine Top-Mannschaft aus."
Nicole Anyomi (17.), Vivien Endemann (52.), Sarah Puntigam per Eigentor (68.) sowie die starke Jule Brand (76.) und die eingewechselte Lea Schüller (83.) erzielten vor 24.237 Fans die deutschen Treffer, Chiara D'Angelo (77.) hatte verkürzt. Deutschland festigte auf dem Weg zur Titeljagd 2027 in Brasilien seine Tabellenführung in der Gruppe A4, schon am Samstag (18.00 Uhr/sportschau.de) kommt es in Ried zum Wiedersehen mit der lange harmlosen ÖFB-Auswahl.
Wück setzte im Max-Morlock-Stadion überwiegend auf die Startelf, die auch beim 4:0 in Norwegen Anfang März begonnen hatte. "Es ist auch die Aufgabe, dass die Spielerinnen zu Hause dominant auftreten", sagte Wück vor dem Anpfiff im ZDF und forderte: "Wir wollen von Anfang an da sein und wenn möglich auch wieder zu null spielen."
Nach der offiziellen Verabschiedung von Rio-Olympiasiegerin Sara Däbritz, die im Oktober nach 111 Länderspielen aus der Nationalelf zurückgetreten war, suchte das deutsche Team nach Lücken in Österreichs Fünferkette. Und fand sie auch - Anyomi (10.) und Sjoeke Nüsken (11.) vergaben die ersten Chancen.
Weil es aus dem Spiel heraus nicht gelang, half ein Standard. Nach einer Ecke von Brand parierte Torhüterin Mariella El Sherif den Kopfball von Rebecca Knaak und den Nachschuss von Janina Minge, ehe Anyomi den Ball über die Linie grätschte. Im 33. Länderspiel war es erst das vierte Tor der Stürmerin von Eintracht Frankfurt.
Dann folgte der bittere Moment, als Gwinn nach einem Zweikampf mit Melanie Brunnthaler vom Hamburger SV mit Schmerzen an der linken Schulter auf dem Rasen liegen blieb. Die Rechtsverteidigerin vom FC Bayern spielte nach Eis-Behandlung noch kurz weiter, ehe sie von EM-Entdeckung Wamser (33.) ersetzt wurde. Eine Diagnose stand bei Gwinn, die in ihrer Karriere bereits zwei Kreuzbandrisse bewältigen musste, zunächst aus.
"Wir haben sie aus Sicherheitsgründen rausgenommen", sagte Wück: "Weitere Untersuchungen werden folgen. Ich hoffe, dass es nicht schlimm ist."
Deutschland blieb auch nach dem ungeplanten Wechsel spielbestimmend, Kett (37.), abermals Anyomi (41.) und Brand (42.) vergaben Chancen aufs 2:0. Das gelang aber zügig nach dem Seitenwechsel, da die DFB-Auswahl weiter zielstrebig nach vorne spielte: Nach sehenswerter Vorarbeit von Brand musste Endemann nur noch ihren Fuß hinhalten. Auch am dritten Tor war Brand per Ecke beteiligt, ehe die Offensivkraft von OL Lyonnes selbst traf.
Nachdem der Bremerin D'Angelo der Ehrentreffer für Österreich gelungen war, sorgte Schüller kurz nach ihrer Einwechslung mit einem trockenen Abschluss für die schnelle Antwort.