Nonnamaxxing: Warum die Gen Z plötzlich leben will wie eine italienische Großmutter
Ständig online sein, möglichst viel erleben und nebenbei das eigene Leben optimieren: So sehen verbreitete Vorurteile über den Alltag vieler junger Menschen aus. Doch auf Social Media wird zunehmend auch ein anderer Lebensstil zelebriert. Unter dem Begriff Nonnamaxxing orientieren sich Nutzerinnen und Nutzer an den Gewohnheiten italienischer Großmütter. Statt Selbstoptimierung und digitalem Dauerrauschen stehen Kochen, Handarbeit, Gartenarbeit und gemeinsame Mahlzeiten im Mittelpunkt.
Der Trend zeigt, wie reizvoll für Teile der Gen Z ein Alltag sein kann, der weniger von Geschwindigkeit und mehr von bewussten Routinen geprägt ist. Doch was genau bedeutet Nonnamaxxing - und warum passt die Idee so gut in die heutige Lifestyle-Welt?
Was steckt hinter dem Nonnamaxxing-Trend?
Der Begriff setzt sich aus dem italienischen Wort Nonna für Großmutter und dem englischen Suffix -maxxing zusammen. Dieses steht für die Maximierung oder Optimierung eines bestimmten Lebensbereichs. Beim Nonnamaxxing geht es darum, Gewohnheiten zu übernehmen, die mit dem traditionellen Alltag italienischer Großmütter verbunden werden.
Auf TikTok und Instagram zeigt sich das in Bildern und Videos von frisch zubereiteten Mahlzeiten, selbst gebackenem Brot, Strickprojekten oder liebevoll gepflegten Pflanzen. Auch Spaziergänge, analoge Hobbys und gemeinsame Mahlzeiten gehören zum Konzept.
Für junge Menschen, deren Alltag häufig von digitalen Medien begleitet wird, bietet der Trend einen Gegenentwurf: Dinge mit den eigenen Händen tun, sich Zeit nehmen und nicht jede Aktivität an Produktivität messen. Die Generation Z ist mit digitalen Technologien und sozialen Medien aufgewachsen. Umso reizvoller kann ein Lebensstil erscheinen, bei dem das Smartphone einmal keine zentrale Rolle spielt. Nonnamaxxing steht für die Idee, den Alltag bewusster zu gestalten und sich wieder stärker auf unmittelbare Erfahrungen zu konzentrieren.
Ist der Oma-Lifestyle wirklich so unbeschwert?
So idyllisch das Bild der italienischen Großmutter auch wirkt, sollte man es nicht unkritisch übernehmen. Für viele Frauen waren Kochen, Putzen und die Versorgung der Familie keine entspannenden Freizeitbeschäftigungen, sondern harte und häufig unbezahlte Arbeit. Der Trend kann deshalb auch traditionelle Rollenbilder romantisieren.
Hinzu kommt ein Widerspruch: Ausgerechnet auf Social Media wird ein Lebensstil gefeiert, der weniger Bildschirmzeit verspricht. Was als Ausstieg aus dem digitalen Alltag gedacht ist, wird dadurch selbst zum Inhalt, der angesehen, geteilt und inszeniert werden kann.
Trotzdem lassen sich aus dem Trend alltagstaugliche Ideen mitnehmen. Selbst kochen, sich bewegen, soziale Kontakte pflegen und bewusste Pausen einlegen können zum Wohlbefinden beitragen. Nonnamaxxing ist allerdings kein wissenschaftlich belegtes Gesundheitsprogramm und garantiert keine bestimmte Wirkung.
Etwas mehr Entschleunigung schadet nicht
Nonnamaxxing verbindet nostalgische Bilder mit einer modernen Sehnsucht nach einem bewussteren Alltag. Der Trend stellt Tätigkeiten in den Mittelpunkt, die nicht unbedingt effizient sein müssen, aber Freude bereiten und Gemeinschaft ermöglichen.
Dabei muss niemand das Leben einer italienischen Großmutter kopieren. Vielmehr geht es darum, sich aus dem Konzept das herauszunehmen, was zum eigenen Alltag passt: öfter selbst kochen, ein analoges Hobby ausprobieren oder sich Zeit für Freunde nehmen.
Vielleicht liegt genau darin die Botschaft des Trends: Nicht jede Minute muss optimiert werden. Manchmal darf das Leben einfach aus einer guten Mahlzeit, einem gemütlichen Nachmittag und etwas Zeit füreinander bestehen.