Diesel vs. E-Zugwagen – wer verbraucht weniger?
Auf dem Hochgeschwindigkeitsoval des Bosch-Prüfzentrums in Boxberg drehten erfahrene Testfahrer Runde um Runde mit verschiedenen Gespann-Kombinationen bei konstant 80 und 100 km/h.
Was beeinflusst den Verbrauch am meisten? Wir haben nachgemessen – mit überraschenden Ergebnissen.
Es ist kalt und windig. Immer wieder ziehen Regenschauer über das Testgelände. Zugegeben: Die Bedingungen bei den Verbrauchsmessfahrten von CARAVANING und auto motor und sport hätten besser sein können. Doch da die Voraussetzungen für alle Testkonfigurationen gleich waren, sind die Ergebnisse umso aufschlussreicher.
Der Vergleich: Was beeinflusst den Verbrauch am meisten?
Wir wollen wissen: Wie beeinflussen Größe, Gewicht und Form eines Wohnwagens den Verbrauch des Gespanns? Wie stark wirken sich unterschiedliche Geschwindigkeiten aus? Gibt es Unterschiede zwischen Verbrenner- und Elektroautos?
Die diesbezüglich immer wieder aufkommenden Diskussionen wollen wir mit Fakten unterfüttern – und zwar im direkten Vergleich zweier Autos und Wohnwagen.
Der Aufwand dafür ist enorm: Einen ganzen Tag lang drehen erfahrene Testfahrer von auto, motor und sport im sogenannten Hochgeschwindigkeitsoval des Bosch-Prüfzentrums in Boxberg bei Heilbronn Runde um Runde in diversen Fahrzeug- und Anhänger/Anbau-Kombinationen. Neben einem kleinen und einem großen Wohnwagen finden die Messfahrten auch mit Fahrradträger, Dachbox oder beiden Anbauten statt (mehr zum genauen Test-Prozedere siehe "So haben wir getestet").
Als Verbrenner kommt das Kompakt-SUV Skoda Karoq mit 150-PS-Turbodiesel zum Einsatz. Stellvertretend für die E-Autos geht ein Tesla Model Y Performance ins Rennen. Am Haken hängen ein auf 1.000 Kilogramm beladener, 2,19 Meter schmaler Next 380 sowie ein 1.600 Kilogramm schwerer, 2,32 Meter breiter Fendt Bianco 495 SG. Während der Next für die Klasse der kleinen Leichtbau-Wohnwagen steht, verkörpert der Fendt Bianco den klassischen Standard-Caravan für Paare.
Messwerte der Gespann-Kombinationen
Die Messwerte der jeweiligen Gespann-Kombinationen und Geschwindigkeiten finden Sie am Ende des Artikels. Neben erwartbaren Ergebnissen – etwa des erheblichen Mehrverbrauchs bei Tempo 100 statt Tempo 80 – kristallisieren sich drei bemerkenswerte Ergebnisse heraus.
Erstens: Der Mehrverbrauch bei 100 km/h im Vergleich zu 80 km/h fällt beim Elektroauto deutlich größer aus. Der Diesel-Skoda verlangte beim höheren Tempo rund 25 Prozent Aufschlag, beim Elektro-Tesla waren es etwa 35 Prozent – jeweils unabhängig davon, ob der kleine Next oder der große Fendt am Haken hing.
Zweitens: Bei den Energiekosten machen sich die aktuell stark gestiegenen Spritpreise deutlich bemerkbar. Zum Testzeitpunkt kostete Diesel rund 1,65 Euro je Liter. Die Kosten je 100 Kilometer lagen deshalb beim Elektro-Tesla je nach Test-Konfiguration rund 20 bis 60 Prozent höher als beim Diesel-Skoda (siehe Daten am Ende des Artikels).
Legt man nun einen Dieselpreis von 2,05 Euro bis 2,15 Euro zu Grunde (Stand: 11.03.26), ändert sich das Bild: Nun liegen beide Fahrzeuge auf Augenhöhe, je nach Wohnwagen und Geschwindigkeit kommt der Elektro-Tesla pro 100 Kilometer Gespannfahrt sogar etwas günstiger weg. Beispiel: Mit dem Fendt Bianco im Schlepp und Tempo 80 kostet der Diesel-Skoda 21,93 Euro je 100 Kilometer, der Elektro-Tesla 20,41 Euro – gerechnet mit 2,15 Euro je Liter Diesel und 55 Cent je Kilowattstunde am Schnelllader.
Je nach Ladesäulen-Anbieter kann dieser Preis allerdings auch höher ausfallen, an der heimischen Wallbox liegt er niedriger. Klar ist: Der Preisvergleich bleibt eine Momentaufnahme. Dass die Reichweite des Elektro-Gespanns (ca. 200 km bei Tempo 80) weit hinter dem Diesel (ca. 500 km) liegt, fällt hingegen wieder in die Kategorie "erwartbar".
Drittens: Die größte Überraschung liefern die Messfahrten zum Vergleich der beiden Wohnwagen. Denn anders als es Größe und Gewicht der Caravans suggerieren, verbrauchten sowohl Verbrenner als auch Elektroauto mit dem größeren und schwereren Fendt Bianco weniger als mit dem kleineren und leichteren Next.
Während die Verbrauchswerte beim Diesel-Skoda nur geringfügig zugunsten des Fendt voneinander abweichen (13,0 zu 12,8 Liter bei Tempo 100), ist der Unterschied beim Elektro-Tesla noch spürbarer. Bei 100 km/h benötigte das Gespann mit Next 380 immerhin 3,3 kWh oder 7 Prozent mehr als mit Fendt Bianco.
Dies lässt nur einen Schluss zu: Die Aerodynamik des Fendt Bianco ist besser als die des Next 380, und dies wirkt sich bei konstantem Tempo deutlicher auf den Verbrauch aus als Gewicht oder Stirnfläche des Wohnwagens.
Sein geringes Gewicht spielt der Next somit vor allem mit Blick auf die benötigte Anhängelast aus – seine maximal 1.000 Kilogramm dürfen auch viele E-Autos problemlos an den Haken nehmen. Für den auf zwei Tonnen aufgelasteten Fendt Bianco wird das Feld möglicher E-Zugwagen hingegen deutlich dünner und kostspieliger.
So haben wir getestet
Die Messfahrten hat CARAVANING gemeinsam mit den Kollegen von auto motor und sport auf dem Gelände des Bosch-Prüfzentrums in Boxberg bei Heilbronn durchgeführt. Auf dem dortigen Hochgeschwindigkeitsoval sind Fahrten mit konstanter Geschwindigkeit bis 160 km/h möglich.
Für den Test standen ein Skoda Karoq mit 150-PS-Turbodiesel sowie ein vollelektrisches Tesla Model Y Performance zur Verfügung. Beide Fahrzeuge – Diesel und Elektro – wurden mit einem kleinen Caravan (Next 380) und einem deutlich größeren und schwereren Standard-Caravan (Fendt Bianco 495 SG) gefahren – jeweils bei Konstantfahrt mit 80 und 100 km/h. Nach rund sechs Runden im Oval (je ca. drei Kilometer, also etwa 18 Kilometer Gesamtstrecke) hatte sich der Verbrauch eingependelt und der Messwert wurde am Bordcomputer des Fahrzeugs abgelesen.
Zum Vergleich fanden die Messfahrten auch mit Fahrradträger und/oder Dachbox sowie gänzlich ohne Anbauten statt – in diesen Konfigurationen auch bei höheren Tempi.
Wichtig: Entscheidend sind bei diesem Test weniger die absoluten Verbrauchswerte, da diese auch von den Witterungsverhältnissen beeinflusst werden. Zudem weichen diese bei konstantem Tempo ermittelten Werte von Alltagsfahrten mit einem Mix aus Stadtverkehr, Überland und Autobahn sowie häufigem Beschleunigen und Bremsen ab. Sie ermöglichen jedoch einen genauen Vergleich der Unterschiede zwischen den Messfahrten mit verschiedenen Anbauten und Anhängern sowie bei verschiedenen Geschwindigkeiten.
Ein Auto, drei Wohnwagen
Ergänzend zu den Messfahrten auf dem Testgelände hat CARAVANING Verbrauchsrunden im normalen Straßenverkehr mit Elektroauto und drei unterschiedlich großen Wohnwagen gefahren. Der Kia EV9, mehrere Monate im Dauertest der Redaktion, war dafür mit dem winzigen Mini Freestyle 270, dem flachen Eriba Feeling und dem auch auf dem Testgelände eingesetzten Fendt Bianco 495 SG unterwegs. Die Fahrt führte jeweils über rund 100 Kilometer mit Stadt-, Überland- und Autobahn-Anteilen. Ergebnis: Die Unterschiede sind nicht riesig, aber durchaus spürbar. Mit großem Fendt Bianco benötigte der Kia im Mittel 36 kWh je 100 km, mit flachem Feeling 33,3 kWh und mit dem kleinen, fast vollständig hinter dem SUV verschwindenden Mini Freestyle 28,4 kWh je 100 Kilometer.
