Schadet Schnellladen Deinen Handy-Akku?
Wir fassen die Ergebnisse eines Tests bezüglich möglicher Akku-Beeinträchtigungen durch Schnellladen zusammen und geben Tipps zur Steigerung der Akku-Lebensdauer.
Schnellladen ist praktisch. Innerhalb von Minuten haben moderne Smartphones so genug Strom für mehrere Stunden Nutzung aufgetankt. Viele Nutzer haben beim rasanten Aufladen ihres Handys jedoch ein mulmiges Gefühl. Beeinträchtigen derartige Ladevorgänge möglicherweise den Akku und führen zu Kapazitätseinbußen? Die Antwort liefert ein Test.
So funktionieren Smartphone-Akkus
Um die folgenden Ausführungen besser einordnen zu können, hilft ein grundlegendes Verständnis der Funktionsweise moderner Smartphone-Akkus. Bei diesen handelt es sich entweder um Lithium-Ionen- oder Lithium-Polymer-Batterien, deren Funktionsprinzip jedoch ähnlich ausfällt.
Die für die Smartphone-Nutzung erforderliche Energie entsteht, indem Lithium-Ionen von der negativen zur positiven Elektrode fließen. Haben alle Ionen diesen Prozess vollzogen, kann die Batterie keine Energie mehr liefern. Du musst den Akku also zunächst wieder aufladen. Beim Ladevorgang bewegen sich die Lithium-Ionen von der positiven zur negativen Elektrode der Batterie zurück. So steht wieder Strom für den nächsten Nutzungszyklus zur Verfügung.
Probleme von Lithium-Akkus: Nachlassende Ladegeschwindigkeit und -kapazität
Technologiebedingt läuft der Ladevorgang tendenziell umso langsamer ab, je voller der Akku bereits aufgeladen ist. Leere Handy-Akkus laden also relativ schnell und fast volle verhältnismäßig langsam. Batterien halten leider nicht ewig. So sind moderne Smartphone-Akkus für (mindestens) 500 bis 1.000 Ladezyklen ausgelegt. Dabei umfasst ein Ladezyklus die komplette Entladung der Batterie von 100 auf 0 Prozent. Dementsprechend kann ein solcher Zyklus auch aus mehreren Teilen bestehen.
Die Kapazität von Lithium-Akkus sinkt jedoch mit der Zeit. Ein Grund dafür ist die Wärme, die beim Ladevorgang entsteht. Diese ist tendenziell höher, wenn Du Akkus auflädst, die bereits relativ voll sind. Experten sprechen hier auch von einem ineffizienten Laden. Weil beim Schnellladen tendenziell mehr Wärme entsteht, könnte das also auch einen negativen Einfluss auf den Akku haben.
Was ist Schnellladen überhaupt?
Schnellladen ist allerdings ein vager Begriff. Dahinter stecken verschiedene Technologien bzw. Ladestandards. Relevant sind hier derzeit vor allem:
- USB Power Delivery
- Quick Charge 5+
- SuperVOOC
USB Power Delivery
Hierbei handelt es sich um einen universellen Standard für schnelles Laden. Das hat den Vorteil, dass Du Kabel und Netzteile unterschiedlicher Hersteller verwenden kannst. In der Praxis nutzen vor allem Smartphones von Apple und Google USB Power Delivery.
Quick Charge 5+
Quick Charge hat hingegen der Chipproduzent Qualcomm entwickelt. Es handelt sich derzeit wohl um den bekanntesten Schnellladestandard. Dieser ist für Geräte mit Qualcomm-CPUs ausgelegt. Diese finden sich etwa in Android-Smartphones beliebter Marken wie Motorola, Samsung, Sony und Xiaomi. Die aktuelle Version ist Quick Charge 5+. Damit lassen sich leere Handy-Akkus in nur fünf Minuten etwa bis zur Hälfte aufladen.
SuperVOOC
Den Ladestandard SuperVOOC bieten moderne Smartphones der Marken OnePlus und Oppo. Er ermöglicht Ladevorgänge mit bis zu 120 Watt. Dadurch lässt sich beispielsweise der XL-Akku des OnePlus 15 – der eine Kapazität von 7.300 mAh bietet – in 40 Minuten komplett aufladen. Allerdings ist dafür ein spezielles Netzteil erforderlich. Immerhin ist mit anderen Netzteilen die Aufladung via USB Power Delivery möglich – allerdings nur mit bis zu 55 Watt.
Das Testdesign
Durchgeführt hat den Test der YouTube-Kanal HTX Studio. Dieser untersuchte innerhalb von zwei Jahren den Einfluss verschiedener Lademethoden auf etwa 40 Smartphones. Dabei standen die Auswirkungen des Schnellladens im Fokus der Tests. Wir konzentrieren uns auf die Ergebnisse des dritten Versuchszyklus.
Die Tester untersuchten in dieser Versuchsreihe sowohl iOS- als auch Android-Geräte. So waren neben mehreren Smartphones vom Typ Vivo iQOO 7 auch sechs iPhone-12-Modelle Testgegenstand. Jedes Gerät musste innerhalb von 167 Tagen 500 komplette Ladezyklen meistern. Die Ladevorgänge liefen klassisch mit 18 Watt oder schnell mit 120 Watt ab. Dafür setzten die Tester eine zu diesem Zweck eigens entwickelte Software namens „Discharge Loop“ ein. Mit dieser lässt sich das Ent- und Aufladen der Akkus zwischen 5 und 100 Prozent automatisieren.
Die Akku-Kapazitätsverluste der Apple-Smartphones
Wie physikalisch nicht anders zu erwarten, büßten die Akkus der Testgeräte infolge der Ladevorgänge an Kapazität ein. Die schnell aufgeladenen iPhones hatten nach 500 Ladevorgängen 12,3 Prozent ihrer Kapazität verloren. Bei den langsamer aufgeladenen Geräten waren es 11,8 Prozent. Dementsprechend scheint die Akku-Beanspruchung beim iPhone 12 durch das Schnellladen zwar höher auszufallen. Mit gerade einmal einem halben Prozentpunkt Unterschied bei der verbleibenden Batterie-Kapazität ist diese jedoch gering.
Die Akku-Kapazitätseinbußen der Android-Smartphones
Die Akkus der getesteten Android-Geräte verkrafteten die Ladevorgänge im Vergleich zur Apple-Konkurrenz besser. Hier betrugen die Kapazitätseinbußen beim klassischen Laden nach 500 Ladezyklen nämlich nur 8,8 Prozent. Eine kleine Überraschung war, dass die schnell geladenen Geräte sogar nur 8,5 Prozent ihrer Kapazität verloren hatten. In der Praxis ist dieser Unterschied von gerade einmal 0,3 Prozentpunkten allerdings nicht zu spüren.
Weshalb beeinträchtigt das Schnellladen aktuelle Handy-Akkus kaum?
Es ist eine gute Nachricht, dass Schnellladen die Kapazität moderner Smartphone-Batterien kaum beeinträchtigt. Aber warum ist das so? Entscheidend sind vor allem drei Vorkehrungen, die Hersteller oft auch miteinander kombinieren:
-
Besondere Kühlvorrichtungen
Hitze kann Batterien schädigen. Deswegen bemühen sich Hersteller seit Jahren, hohen Temperaturen durch spezielle Kühlvorrichtungen zu begegnen. Besonders relevant sind hier sogenannte Dampfkammern, die übermäßige Wärme ableiten. Samsung setzt auf die Technik bereits seit dem S23. Zudem kommt sie etwa bei den ASUS ROG Phones und seit 2025 auch bei iPhones – beispielsweise beim iPhone 17 Pro sowie Pro Max – zum Einsatz. Andere Hersteller setzen auf andere Kühlvorrichtungen wie Hitzeschilde oder (aktive) Lüftungssysteme.
-
Optimierte Netzteile
Für das Schnellladen ausgelegte Netzteile liefern längst nicht nur Strom für das Handy. Sie überwachen Ladevorgänge und sorgen durch die integrierte Elektronik dafür, dass übermäßige Wärme gar nicht erst in die Nähe Deines Smartphone-Akkus gelangt. Auch deshalb sind diese Netzteile deutlich klobiger als klassische Ladegeräte.
-
Paralleles Laden
Wenn starke eklektische Ströme in eine einzelne Akkuzelle fließen, kann viel Wärme entstehen. Beim parallelen Laden erfolgt deshalb eine Verteilung des Stroms auf zwei parallel geschaltete Akkuzellen. Dadurch halbiert sich die Wärmeentwicklung für die einzelne Zelle.
So kannst Du Deinen Handy-Akku schonen
Das Schnellladen beeinflusst die Kapazität von Smartphone-Akkus also kaum. Doch es gibt Tipps, mit denen Du die Batterie schonen kannst:
-
Tipp 1: Optimaler Akkustand
Wenn Du möchtest, dass Dein Smartphone-Akku lange und mit möglichst hoher Kapazität funktioniert, solltest Du sowohl Komplettentladungen als auch Vollladungen vermeiden. HTX Studio hat in Tests nachgewiesen, dass sich Smartphone-Batterien schonen lassen, wenn der Akkustand durch gezieltes Aufladen zwischen 30 und 80 Prozent bleibt. Denn hier fielen die Kapazitätsverluste im Vergleich zu den oben angeführten Testdaten deutlich geringer aus. Bei Android-Geräten summierte sich der Vorteil immerhin auf 2,5 Prozentpunkte. Noch deutlich war der Unterschied bei den Apple-Smartphones. Hier war die Akkukapazität nämlich sogar um vier Prozentpunkte höher.
-
Tipp 2: Übermäßiges Laden vermeiden
Es mag praktisch sein, das Smartphone stundenlang – oder gar über Nacht – mit dem Ladegerät verbunden zu lassen. Schließlich steht so immer ein vollgeladenes Gerät zur Verfügung. Doch den Handy-Akku kann ein solches Vorgehen beeinträchtigen. Wenn Du also schon – entgegen Tipp 1 – ein komplett aufgeladenes Smartphone benötigst, trenne wenigstens nach voller Aufladung die Verbindung zum Ladegerät.
-
Tipp 3: Originales Ladezubehör nutzen
Wahrscheinlich türmen sich bei Dir Ladegeräte und Ladekabel. Doch für das Aufladen Deines Smartphones solltest Du am besten nur das mitgelieferte Ladezubehör verwenden. Denn dieses ist genau auf Dein Smartphone abgestimmt.
-
Tipp 4: Vorsicht vor Extremtemperaturen
Nicht nur Wärme kann Akkus schädigen, sondern auch Kälte. Deshalb solltest Du Deinen Handy-Akku möglichst keinen extremen Temperaturen aussetzen.
-
Tipp 5: Laden bei Extremnutzung vermeiden
Leistungshungrige Apps – vor allem High-End-Spiele – verlangen Smartphones viel ab. Wenn diese laufen, solltest Du Dein Gerät nicht auch noch gleichzeitig aufladen. Denn das ist dann einer doppelten Wärmebelastung ausgesetzt.