3 Campingbusse auf Renault Master
Technisch allen Basisfahrzeugen voraus, trotzdem kaum ausgebaut: der neue Renault Master. Wir zeigen 3 Campingbusse mit Master-Basis.
Komplett neu entwickelt, vollgestopft mit modernsten Fahrassistenzsystemen und bereits heute für die Zukunft gerüstet: Der Renault Master der vierten Generation ist das derzeit modernste Basisfahrzeug für Camper auf dem Markt. Trotzdem bauen ihn bislang nur drei Hersteller zum Wohnmobil aus. Warum der Transporter aus Frankreich so langsam in der Caravaning Industrie ankommt, erfahren Sie weiter unten.
Zunächst ein Überblick der drei Ausbauten auf dem Renault Master. Wir zeigen die Besonderheiten der drei Campingbusse. Außerdem warum bisher nur Ahorn Camp den Renault Master auch für Teilintegrierte und Alkoven nutzt.
Campingbusse auf dem Renault Master: Drei Hersteller, drei Philosophien
Trotz seiner Vorzüge fällt die Auswahl an Campingbussen auf Master-Basis überschaubar aus. Gerade einmal drei Anbieter haben den Transporter aus Frankreich im Programm – jeder mit einem eigenen Konzept.
Ahorn Camp CV 560 und CV 630
Ahorn Camp setzt seit 2014 exklusiv auf Renault und rollt den Markt nun mit der vierten Generation des Transporters neu auf. Die Campingbus-Reihe umfasst zwei Modelle: Den CV 560 ab 52.800 Euro als kompakten Einstieg mit Kombibad auf unter sechs Metern sowie den CV 630 ab 54.500 Euro mit Längsbetten im Heck, drehbarer Dinette und dem serienmäßigen Smart-Home-System "Revotion", das Licht, Heizung und Wasserpumpe per App steuert. Beide fahren auf dem 170-PS-Diesel mit Wandlerautomatik vor.
Eifelland Master Relax und Master Classic
Ganz anders der Eifelland Relax: Auf 6,38 Metern verzichtet er bewusst auf ein festes Bad und setzt statt einer Dinette auf eine kleine Vis-à-vis-Sitzgruppe für zwei. Im Heck dominiert Stauraum – das Doppelbett lässt sich aufstellen, um Fahrräder zu laden. Ab 59.900 Euro spricht er Sportler und Minimalisten an. Eifelland bietet den Relax nicht nur auf Basis des Renault Master an, sondern auch auf dem baugleichen Nissan Interstar und bietet sogar als Elektroversion mit 87-kWh-Batterie und bis zu 460 Kilometern Reichweite an.
Neben dem Relax hat Eifelland mit dem Classic ein zweites Modell im Programm – und das mit deutlich konventionellerem Zuschnitt: Ein vollwertiges Bad mit Dusche und WC über die gesamte Wagenbreite, dazu eine Rundsitzgruppe im Heck und eine Liegefläche von 2,00 × 1,50 Meter. Bislang entsteht der Classic vorwiegend auf MAN TGE und VW Crafter; laut Eifelland-Homepage ist aber auch der Renault Master H2L3 als Basis verfügbar.
BS Camperwerk Vantastic
Wer es individuell mag, wird bei BS Camperwerk fündig. Die Manufaktur aus Schleswig-Holstein baut jeden Master einzeln aus, zum Beispiel im lässigen Japandi-Design mit Holzoberflächen und zwei großzügigen Längsbetten. Den Ausbau gibt es ab rund 32.000 Euro, das Basisfahrzeug kommt extra. Wartezeit: vier bis sechs Monate.
Teilintegrierte Wohnmobile auf Renault-Master-Basis
In der Klasse der Teilintegrierten steht Ahorn Camp allein da. Sechs Grundrisse zwischen 6 und 7,50 Metern bilden die Palette, Einstiegspreis: 58.900 Euro. Produziert wird ab Sommer 2025 im Werk der Erwin Hymer Group in Italien.
Ahorn Camp T 640 bis T 750
Der T 640 setzt als eines der ersten Reisemobile überhaupt die GSR-II-Vorgaben vollständig um. Der T 690 kombiniert Einzelbetten im Heck mit einem Hubbett über der Sitzgruppe und überzeugte bei der ersten Probefahrt mit dem ruhigen, effizienten Handling des neuen Master-Fahrgestells. Der T680 (Video) wird mit cleverem Raumkonzept und Heckbad ausgeliefert. Wer mehr Raum braucht, greift zum TQ 740 oder zum TE 740, der im ersten Test überzeugte.
Alkoven auf dem Renault Master: Eine Ahorn-Camp-Domäne
Alkoven und Ahorn Camp – das gehört seit der Gründung in den 1990er-Jahren zusammen. Drei Grundrisse stehen zur Wahl.
Ahorn Camp A 595, A 690 und A 720
Vom kompakten A 595 mit knapp sechs Metern bis zum familientauglichen A 720 mit sechs Schlafplätzen deckt Ahorn Camp das Segment der Alkoven auf Basis des Master ab. Herausragend: Der A 690 ist der erste Alkoven überhaupt auf dem neuen Master-Chassis. Er bietet als einziges Modell der Baureihe Einzelbetten im Heck – kombiniert mit dem Doppelbett in der Schlafnase schlafen vier Personen in Festbetten. Ab 62.500 Euro.
Der neue Renault Master: Ein Basisfahrzeug, das dem Ducato voraus ist
Während Fiat seinen Ducato seit 2006 mit Facelifts am Leben hält und über ein komplett neues Modell frühestens für 2027 – vielleicht sogar später – spekuliert wird, hat Renault den Master 2024 von Grund auf neu entwickelt. Kein Facelift, kein Update, sondern ein neuer Transporter. Die Jury kürte ihn prompt zum "International Van of the Year 2025" und beim Basisfahrzeugtest von promobil war der Master in vielen Belangen besser.
Was ihn als Wohnmobilbasis so interessant macht, lässt sich in wenigen Punkten zusammenfassen: Eine neue 9-Gang-Wandlerautomatik ersetzt das ruckelige automatisierte Schaltgetriebe des Vorgängers. Sie wechselt butterweich und dennoch zügig die Gänge. im promobil-Vergleich attestierten mehrere Testfahrer ihr mehr Geschmeidigkeit als der Achtgang-Automatik des Ducato. Der Wendekreis schrumpfte um 1,5 Meter. Bis zu 20 Assistenzsysteme bringen das Cockpit auf Pkw-Niveau. Neue Renault Master Wohnmobile sind bereits GSR-II-konform und erfüllen also alle EU-Sicherheitsvorgaben, die ab Juli 2026 für sämtliche Neuzulassungen gelten.
Dazu kommt ein deutlich verbesserter Fahrkomfort: Die feinfühlig ansprechende Federung schluckt Unebenheiten spürbar eleganter als der für seine poltrige Fahrweise bekannte Ducato, und die direkte, präzise Lenkung ist auf Pkw-Niveau angekommen. Das aufgeräumte, zum Fahrer geneigte Cockpit mit großem 10,1-Zoll-Monitor, induktiver Ladeschale und ergonomisch verbesserter Sitzposition wurde im promobil-Praxistest als großer Sprung gegenüber dem Vorgänger gelobt. Ganz oben auf dem Lastenheft der Entwickler stand zudem die Fähigkeit, alternative Antriebe einfach zu implementieren: Tanks und Auspuffendtopf liegen im Flachrahmen hinter dem Fahrerhaus – kommt ein E-Antrieb zum Einsatz, nehmen an derselben Stelle die Akkus Platz.
Warum sich der Master trotzdem so schwer tut
Elf Modelle von Ahorn Camp, dazu zwei Kleinserien-Campervans, das ist alles. Warum kommt der neue Renault Master so langsam in der Caravaning Industrie an?
Der wichtigste Grund heißt Fiat Ducato. Mit einem Marktanteil um die 70 Prozent und einer über 40-jährigen Historie als Wohnmobilbasis hat Stellantis ein Ökosystem geschaffen, das kaum zu knacken ist. Aufbauten passen seit Jahren ohne Anpassungen, das Zubehörangebot ist riesig, Werkstätten kennen jede Schraube. Wer auf den neuen Master wechseln will, muss dagegen in neue Aufbauformen investieren. Dieser Trend wird durch die Konsolidierung in der Branche verstärkt. Es gibt zunehmend weniger eigenständige Marken. Die stetig wachsenden Konzerne achten aber auf effiziente Produktionsabläufe und den Bau ähnlicher Fahrzeugplattformen. Das geht mit einer geringen Auswahl an Basisfahrzeugen besser.
Dass einige Wohnmobilhersteller in der Boomzeit auf die dritte Generation des Renault Master wechselten, hatte deshalb auch eher damit zu tun, dass Fiat mit Lieferengpässen kämpfte. Denn der "alte" Master war technisch kein herausragendes Fahrzeug. Auch das dünne Zubehörangebot – Drehkonsolen, Safes, Einstiegsverbreiterungen – bremst die Entwicklung von Wohnmobilen auf Basis des Renault Master.
Ausblick: Tickt die Uhr für den Ducato?
Die GSR-II-Deadline im Juli 2026 könnte zum kurzzeitigen Wendepunkt werden. Spätestens dann müssen alle Neufahrzeuge die strengen Sicherheitsvorgaben erfüllen – ein Bereich, in dem der Master bereits liefert. Bis Fiat voraussichtlich 2027 den gänzlich neuen Ducato vorstellt und ausliefert, könnte der Master ein wenig Marktanteil gutmachen.
