So sicherst Du alte E-Mail-Konten
So sicherst Du alte E-Mail-Konten gegen Angriffe
Auch ältere, längst nicht mehr in Benutzung befindliche E-Mail-Konten können nach wie vor lukrative Angriffsziele sein. Wir zeigen Dir, wie Du Dich schützt.
Die Gefahr durch alte E-Mail-Konten
E-Mail-Provider löschen alte E-Mail-Konten in der Regel nicht. Das ist komfortabel, kann aber auch gefährlich sein. Hast Du zum Beispiel ein sehr altes Postfach mit einem sehr schwachen Passwort gesichert, könnte es passieren, dass Unbefugte Zugriff darauf bekommen. In anderen Anwendungen könnten diese Angreifer dann die beliebte “Passwort vergessen”-Funktion nutzen, um reihenweise Zugänge für diese Apps zu erbeuten. Vielleicht sind diese Apps harmlos, aber vielleicht auch nicht.
Oft bemerkst Du das auch nicht sofort, denn derart alte Konten werden selten aktiv überwacht. Zwar wird es automatisierte Warnhinweise geben – aber wenn Du sie nicht liest, sind sie wirkungslos. Push-Nachrichten auf dem Smartphone haben auch die Wenigsten eingerichtet, wenn es um derart alte Postfächer geht.
Alte Konten sind somit immer ein Sicherheitsrisiko, wenn Du Dich nicht darum kümmerst. Manuell lässt sich allerdings sehr schwer prüfen, ob Dein Konto bereits in Gefahr ist oder nicht, denn dafür fehlt den meisten die technische Expertise. Daher gibt es Hilfe von Expertenseite:
- Die Seite https://haveibeenpwned.com bietet Dir ein einfaches Formular, in das Du deine E-Mail-Adresse eingibst. Danach siehst Du, ob diese Adresse und dazugehörige Passwörter schon einmal in Datenlecks aufgestöbert wurden. Falls dies der Fall ist, solltest Du das Passwort dieser Adresse ändern, auch wenn es zunächst so aussiehst, als wäre nichts passiert.
- Ein sehr ähnliches Angebot findest Du auf https://sec.hpi.de/ilc. Auch hierbei handelt es sich um eine seriöse Anlaufstelle, die auf den deutschen Raum spezialisiert ist.
- Abschließend gibt es einige generelle Tipps unter https://www.bsi.bund.de. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik zeigt Dir, wie Du allgemein sicherer im Internet unterwegs bist.
Am besten ist es aber, wenn diese Dinge gar nicht erst passieren – etwa durch sichere Passwörter oder ein generell vorsichtigeres Verhalten bei der Nutzung von E-Mail-Konten.
Kritische Sicherheitsfaktoren für alte E-Mail-Postfächer
Einige typische Faktoren führen zu einem sehr löchrigen E-Mail-Konto, das für Angreifer ein gefundenes Fressen ist:
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Mangelnde Login-Zeit: Du loggst Dich vielleicht alle vier Monate auf einem alten Konto ein. Passiert etwas, wirst Du dies also für einen langen Zeitraum meist gar nicht mitbekommen. Häufiges Einloggen erlaubt es Dir, schneller zu handeln – was allerdings schwierig sein kann, wenn Du das Konto eben nur noch sehr selten verwendest.
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Wiederherstellungsadresse: Neuere, eigentlich sichere E-Mail-Konten sind oft noch an alte,gefährdete E-Mail-Konten gebunden – etwa durch die Wiederherstellungsadresse. Wird das alte Konto übernommen, kann dadurch auch das neuere Konto in Gefahr geraten, wenn Passwörter zurückgesetzt werden.
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Schwache Passwörter: Sehr alte E-Mail-Konten sind oft an ebenso alte Passwörter gebunden. Verwendest Du irgendwo “abc123”, kannst Du den Angreifern auch gleich eine Einladung schreiben. Daher gilt: Überall starke, einmalige Passwörter verwenden. Eine Änderung dieser Art dauert nur wenige Minuten und sollte für alle Konten (nicht nur E-Mail) durchgeführt werden.
Die große Gefahr dieser Faktoren: Kommen sie alle zusammen, können schnell mehrere wichtige Accounts übernommen werden, von Amazon bis PayPal oder auch deine Konten in sozialen Apps. Über Instagram & Co. fallen dann vielleicht weitere Personen auf Fake-Nachrichten herein und der Schaden multipliziert sich.
Sichern oder löschen: Was ist besser?
Alte E-Mail-Adressen solltest Du aus den oben genannten Gründen in jedem Fall absichern. Dafür gibt es zwei Optionen: Du updatest die Sicherheit der Konten auf ein aktuelles Level oder Du löscht das Konto komplett. In letzteren Fall solltest Du aufpassen, was Du tust, da unter Umständen noch Dienste an diese Adresse geknüpft sind, die Du nicht verlieren möchtest. Schauen wir uns beide Optionen daher kurz genauer an:
- Du sicherst dein Konto komplett ab. Das heißt, Du vergibst ein neues, sicheres Passwort mit Zahlen und Sonderzeichen und mindestens 14 Stellen. Es sollte einmalig sein und am besten durch einen Passwortmanager gesichert sein. Außerdem brauchst Du Zwei-Faktor-Authentifizierung. Dies allein macht es Angreifern sehr schwer, auf dein Konto zuzugreifen. Dein Passwort allein reicht dann nicht mehr aus, da auch Dein Handy benötigt wird.
- Du deaktivierst und löschst das Konto. Vorher solltest Du alle Dienste auf die neue Adresse umstellen. Übereilen solltest Du nichts. Behalte das Konto ruhig noch einen oder zwei Monate bei und schaue nach, ob noch wichtige E-Mails eingehen. Sobald Du sicher bist, dass wirklich nichts mehr kommt, kannst Du alles beim Provider löschen lassen.
Ebenfalls möglich ist die Nutzung eines kostenpflichtigen Dienstes. Dann kostet dein E-Mail-Konto zwar jährlich etwas, aber dafür bekommst Du meistens einige Vorteile, wie einen besseren Support, mehr Sicherheit, keine Werbung und oft noch Goodies wie VPN obendrauf.
Ob sich das für Dich lohnt oder nicht, hängt natürlich auch von der Art ab, wie Du Dein Konto verwendest. Ein paar Euro im Monat ist mehr Sicherheit aber in jedem Fall wert.
Fazit: Nicht auf die lange Bank schieben!
Ältere E-Mail-Konten zu verwalten, ist eine der Aufgaben, die man einfach nicht gerne angeht. Man schiebt es hinaus und hinaus, bis es irgendwann zu spät ist. Wir raten Dir daher, lieber gleich einzugreifen und Passwörter zu sichern oder zumindest alte E-Mail-Postfächer komplett zu löschen. Insgesamt bist Du in vielleicht einer Stunde schon fertig, aber ersparst Dir damit sehr viel Ärger in der Zukunft.