Ein paar Probleme und rettendes Zubehör
Ein Campingurlaub im Winter klappt nicht immer reibungslos. Wie sich der Carado T447 im winterlichen Thüringen schlägt und welches Zubehör in unserem Winterurlaub half, lesen Sie hier.
20.30 Uhr, irgendwo zwischen "eigentlich viel zu spät" und "komm, das geht schon noch" rollen wir Sonnabend endlich aus Stuttgart los. Zu viert, bereit fürs Wintercamping und mit dem Thüringer Wald als erstes Ziel – also heißt es Nachtetappe Richtung Oberhof. Die Kids freuen sich über das unlimitierte Bord-WLAN aus dem Selfsat-Router und verkürzen sich die Fahrzeiten mit ihren Lieblingsspielen. Vorn läuft derweil ein spannendes Hörbuch über den Android-Auto-fähigen Naviceiver.
Schon ab den ersten Kilometern zeigt der aktuelle Ducato wieder, warum sich das Wildern in der Aufpreisliste lohnt: Die 8‑Gang‑Automatik schaltet unaufgeregt und das kaltweiße, helle LED-Licht macht nachts einen merklichen Unterschied – auch wenn die Leuchtweiteneinstellung bzw. Korrektur immer noch händisch erfolgt und eine Reinigungsanlage fehlt. Weiterhin erleichtert die elektronische Handbremse das Drehen der Fahrerhaussitze enorm. Die bekannten Kritikpunkte, wie die zu hohe Sitzposition und die seltsame Wippen-Sitzhöhenverstellung bleiben bestehen.
Vom Helfer zum Stressfaktor
Gegen 22 Uhr setzt dichtes Schneetreiben ein – und zwar so, dass selbst auf der Autobahn der Schnee liegen bleibt. Da beginnt der Ducato mit seinem Elektronik-Theater. Die Assistenzsysteme spielen verrückt – mutmaßlich durch den Schneefall oder Kondenswasser vor der Kameralinse. Ergebnis: Fehlermeldungen im Sekundentakt, Warntöne, und obendrein ein Tacho-Display, das nachts – eigentlich auf dunkel eingestellt -, bei jeder Warnung kurzzeitig auf Flutlicht umschaltet. Nicht gerade hilfreich, wenn sich konzentrieren muss, zwischen Schneegestöber und Fahrbahnkontur die Spur zu halten.
Nach einer weiteren Dreiviertelstunde ist klar: Heute wird das nichts mehr mit "in einem Rutsch zum Ziel". Wir retten uns auf einen autobahnnahen Waldparkplatz für eine Zwischenübernachtung.
Am nächsten Morgen: Tauwetter. Die Straßen sind wieder frei, Frühstück kurz und zweckmäßig – und zurück auf die Autobahn. Jetzt, wo man wieder entspannt fahren kann, fallen die andere kleine Macken auf: Die Automatik im Zusammenspiel mit dem Tempomat agiert im bergigen Gelände relativ schaltfaul und lässt teilweise mehr als 10 km/h Abweichung von der eingestellten Wunschgeschwindigkeit zu. Dazu kommen schlecht abgeschirmte Seitenspiegel, die von der aufgewirbelten Streusalzgischt nach relativ kurzer Zeit immer weniger erkennen lassen. Dazu kommt, dass bei meiner Sitzposition der Fenstersteg die Sicht in den linken Außenspiegel teilweise verdeckt.
Wintercamping im Thüringer Wald
In Oberhof gibt es zwei Stellplatz-Optionen: einen nahe am Ort und einen direkt an der Wintersport-Trainingsanlage. Letzterer ist zwar günstiger, hat aber eher den Charme eines Supermarktparkplatzes. Also fällt die Wahl auf den Wohnmobilstellplatz Oberhof – vor allem wegen des beheizten Aufenthaltsraums und der Toiletten. Nicht nur beim Wintercamping ein echter Mehrwert. Trotz geschlossener Schneedecke, finden wir schnell einen Platz auf dem großzügigen Gelände.
Nachdem die Winterisolierung für Fahrerhausfenster und -boden sitzt, ziehen wir los Richtung Ort: Wasser besorgen, Lebensmittel einkaufen. Als Transportmittel dient uns dabei unser Holzschlitten samt Spanngurten. Danach geht es noch schnell auf den nahegelegenen Rodelhang. "Schnell" ist natürlich ein dehnbarer Begriff. Mit Kindern und Schnee wird daraus natürlich ein "längeres Toben" in der weißen Pracht, aber wenn es schonmal Schnee gibt ...
Die Entscheidung, die passenden Fahrerhaus-Dämmmatten einzupacken, erweist sich im Nachhinein als goldrichtig: in unserem Fall Matten für die Scheiben plus Bodenisolierung fürs Fahrerhaus von Hindermann. Gerade bei den Mahlzeiten, wenn man auch die gedrehten Pilotensitze nutzt, merkt man sofort, dass die unangenehme Kälte von hinten ausbleibt. Überrascht hat mich dabei, wie große die Wärmeverluste doch sonst allein über den Cockpitboden sind, und das Fahrerhaus merklich kühler halten.
Genug Platz für die Familie
Schon nach kurzer Zeit finden wir unseren Rhythmus. Schlafaufteilung: Die Kids bekommen das Hubbett – nicht nur, weil es für schwerere Personen weniger Schlafkomfort bietet, sondern auch, weil es positionsbedingt darin deutlich wärmer ist, als in den Einzelbetten im Heck. Um dort trotzdem etwas mehr Heizleistung ankommen zu lassen, schließen wir abends die Trenntür des Raumbads, um die zusätzliche Wärme vom Toilettenraum-Ausströmer zu nutzen. Draußen fallen die Temperaturen bei Bewölkung und häufigem Schneefall zwar selten deutlich unter null, aber die Seitenwände im Schlafbereich sind – besonders Richtung Heckgarage – spürbar kalt.
Vor der Tour wurde die Sorge geäußert, dass der Stauraum in der Küche für die Selbstverpflegung zu viert zu knapp sein könnte. Ergebnis nach dem Einräumen: eine unbegründete Sorge. Der riesige Kühlschrank und die großen Staufächer schlucken nicht nur Lebensmittel, sondern sogar eine Heißluftfritteuse und einen elektrischen Tischgrill. Mancher mag das vielleicht übertrieben finden, aber wenn draußen Schnee liegt, lässt es sich drinnen prima schlemmen.
Am nächsten Tag gibt es Neuschnee im Überfluss – also wird gebaut. Mit der Staukiste aus der Berger-Grundausstattung formen wir Schneesteine und beginnen mit der Konstruktion eines Iglus. Was mit einer etwas zu großzügigen Grundfläche startet, entwickelt sich schnell zum tagfüllenden Projekt. Als Belohnung am Abend gibt es ein Essen im urigen Lokal "Doppelsitzer", denn Rostbratwürste und die bodenständige regionale Küche gehören einfach zum Pflichtprogramm bei einem Besuch in Thüringen.
Drama auf dem Stellplatz – und Gasflaschen-Akrobatik
Am letzten Tag vor der Weiterreise wird’s auf dem Platz kurz spektakulär: Ein Nachbar muss mit dem vierradgetriebenen Radlader der Betreiberin aus dem Schnee gezogen werden. Und auch ein frisch angekommener Liner kämpft erheblich mit der Glätte und dem üppigen Schnee. Das steigert unsere Sorge, ob wir am nächsten Morgen überhaupt vom Platz kommen, denn der Schneefall hält an.
Beim Gasflaschentausch am Nachmittag kommt noch eine Erkenntnis hinzu: Der Anschluss des wuchtigen GOK-Flaschenwechselsystems ist in der Enge des Gaskastens ziemlich kompliziert. Da würde man sich einen Flaschenauszug wünschen, der die Sache vereinfacht. Den letzten Abend in Thüringen lassen wir mit einer kleinen Iglu-Party und einem Spieleabend im warmen Aufenthaltsraum ausklingen: Wintercamping kann sehr gemütlich sein, wenn man den richtigen Stellplatz erwischt.
Hilfreiches Zubehör, aber auch weitere Probleme
Der Start am nächsten Morgen gelingt dank der Hilfe von zwei Zubehörteilen besser und reibungsloser als gedacht: dem brandneuen Fegerclip samt grober Bürste und den Michelin-Textilschneeketten.
Nachdem mit der Bürste Frontscheibe und Dachkanten vom Schnee befreit sind, kommen die Textilketten auf die Vorderräder – und wir starten traktionsstark durch. Selbst rückwärts, leicht bergauf zur Entsorgungsstation, funktionieren diese auf Schnee einwandfrei. Und das Beste: Die Michelin-Textilketten lassen sich schnell und einfach auf- und abziehen. Sie haben sich die neidischen Blicke der Campingnachbarn redlich verdient. Nach dem obligatorischen Großeinkauf beim Thüringer Metzger wird das nächste Ziel festgelegt: Die Ostsee. Stellplatzwahl? Wie so oft erst unterwegs.
Sobald wir den Thüringer Wald hinter uns lassen, wird aus weiß schlagartig grün, schneefrei, fast frühlingshaft. Im Fahrerhaus leidet die Stimmung etwas, weil sich ein Störgeräusch aus Richtung Armaturenbrett-Beifahrerfußraum meldet. Bei jeder Bodenwelle quietscht es. Wir stoppen, suchen, polstern mit Filzgleitern, stoppen wieder – finden nichts. Irgendwann drehen wir resigniert das Radio lauter. Das Störgeräusch bleibt. Parallel dazu treten erneut Ausfälle einiger Assistenzsysteme (Spurhalter, Bremsassistent) auf – wieder scheint Kondenswasser im Gehäuse des Frontscheibenmoduls die Sensoren zu stören. Lässt sich das nicht besser lösen – Fiat?
Kühlungsborn: Knackig kalt, aber wunderschön
Die letzten Kilometer Richtung Stellplatz bei Kühlungsborn tasten wir uns im Dunkeln voran auf überfrorenen Straßen. Sternenklarer Himmel, stramme Minusgrade – nach dem Anstöpseln am Landstrom darf die Truma Combi Neo-Heizung zeigen, was sie kann. Einmal ordentlich einheizen, dann ab in die Betten.
Am Morgen: eisiges Traumwetter. Und vom Schlafzimmerfenster aus blitzt – nur etwa 150 Meter entfernt – das Meer herüber. Nach dem Frühstück folgen ausgedehnte Strandspaziergänge und ein kulinarisches Muss an der Ostsee: Fischbrötchen im benachbarten Kühlungsborn.
Lust auf einen Ostsee-Urlaub bekommen? Wir haben die besten Campingplätze mit Wellnessangeboten gesammelt.
Am Freitag geht’s am frühen Nachmittag zurück nach Berlin, rund 260 Kilometer, Geburtstag im Familienkreis. Übernachtet wird am Straßenrand im Wohngebiet – allerdings stört der Baum über dem Dach, den gleichmäßigen Takt des nachts einsetzenden Regens, und raubt uns etwas den Schlaf. Am nächsten Morgen nach dem gemütlichen Frühstück geht es gegen 11 Uhr auf die letzte Etappe zurück Richtung Stuttgart. Abends ist die Tour zu Ende – anschließend stehen die Zahlen fest.
Zahlen der Tour:
- Reisedauer: 6 Tage
- Distanz: 1.765 km
- Verbrauch: 22 kg Gas & 206 Liter Diesel bei Ø-Verbrauch: 11,7 l/100 km
Das ist uns aufgefallen
(+)Berger Grundausstattung bewährt sich bisher problemlos beim Campen
(+)Warmwasserversorgung – kurze Aufheizzeiten und 4 Personen konnten nacheinander duschen
(+)Fahr-/Reisekomfort mit 8-Gang-Automatik, LED-Scheinwerfer, automatische Handbremse, Abstandsregeltempomat, Spurhalter etc.
(+)Stauraumangebot in der Küche & großer Kühlschrank
(+)Große Heckgarage für Campingmöbel, vier Schlitten und ein Schneefahrrad
(+)Durchschnittsverbrauch unter 12 Litern bei 120 km/h maximal
(+)Zwei Schuhklappen in den Sitzgruppenmöbeln
(-)Schlecht geschützte, sehr verschmutzungsanfällige Seitenspiegel
(-)Nicht lokalisierbares Klappergeräusch aus dem Armaturenbrett/Beifahrerfußraum
(-)Fehleranfällige Assistenzsysteme durch Kondenswasserbildung im Sensormodul.
(-)Fehlermeldungen im Display nachts mit starker Blendwirkung
(-)Steckdosen teils versteckt oder nicht optimal positioniert
(-)Die 95-Ah-Blei-AGM-Bordbatterie ist knapp bemessen und hält abseits des Landstroms kaum zwei Tage
(-)Die Abläufe in Waschbecken und Dusche funktionieren laufen nur langsam ab
