Sind Alkoven ein brauchbares Konzept für Paare?
Zehn Tage zu zweit im Ahorn Camp A 690: Wie schlägt sich der Alkoven im echten Campingurlaub – und taugt das Konzept für Paare mit Blick auf die Zukunft? Ein ehrlicher Praxisbericht.
Alkoven. Das war für mich lange eine etwas veraltete Fahrzeugkategorie für Familien, die keinen Wohnwagen wollen. Wir sind Anfang 30, (noch) zu zweit unterwegs und stehen genau zwischen den Stühlen: der Campingbus ist perspektivisch zu eng, aber ein (Teil-)Integrierter fühlt sich absurd "erwachsen" an – trotzdem wollen wir etwas, das nicht schon in zwei, drei Jahren zu klein ist. Und ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis steht außer Frage.
Also haben wir’s ausprobiert: zehn Tage Urlaub im Ahorn Camp A 690, einem rund sieben Meter langen Alkoven auf Renault Master. Mein erster Alkoven überhaupt – und damit die beste Gelegenheit, die Frage zu klären: Taugt das Konzept für junge Paare mit der Familienplanung im Hinterkopf? Und was muss für uns anders sein, damit es zur echten Kaufoption wird?
Spoiler: Platz kann der Alkoven wie kaum ein anderer. Aber an ein paar Stellen entscheidet nicht der Grundriss, sondern ganz banale Anatomie.
Vier Schlafplätze, ein vernünftiger Preis – und Platz für die Zukunft
Der Alkoven war bei mir schon lange auf der Liste, wenn es darum geht ein eigenes Wohnmobil zu kaufen. Schon allein deshalb, weil es eine Fahrzeugform ist, bei der man auf dem Gebrauchtmarkt reichlich Auswahl hat, wenn es um vier feste Schlafplätze und ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis geht.
Die zwei zusätzlichen Schlafplätze sind aktuell Luxus – oder, wie wir nach zwei Tagen festgestellt haben: der beste, legal eingebaute Wäschekorb der Welt. Aber genau das ist ja der Punkt: Heute Wäsche, morgen Kinder, übermorgen Freunde. Das Konzept funktioniert in vielen Lebenslagen, wenn man damit leben kann, dass ein Alkoven eher praktisch als sexy ist.
Was aber haben wir speziell über den A 690 in den zehn Tagen unseres Testurlaubs gelernt?
Höhenangst und Stresskiller
Los ging’s mit einer gehörigen Portion Respekt vor der Höhe. Autobahnbrücken wirkten plötzlich alle verdächtig niedrig, auch wenn sie es objektiv nicht waren. Außerdem habe ich in den ersten Tagen wirklich jedes Schild dreimal gelesen.
In echte Bedrängnis kamen wir wegen der Höhe am Ende kein einziges Mal. Fast eng wurde es ausgerechnet dort, wo man es nicht erwartet: in einer schmalen Straße, als ein Transporter so parkte, dass kaum noch sauber vorbeizukommen war.
Was sich auf der Reise wieder als bester Stresskiller erwiesen hat: den Beifahrer aussteigen lassen. Die Rückfahrkamera verhindert zwar, dass man sich auf dem Fahrersitz komplett blind fühlt – aber Entfernungen bleiben schwer einzuschätzen. Und alles oberhalb des Kamerabildes kann trotzdem zur Falle werden: Äste, Überhänge, Vordächer.
Viel Platz im Bett – der ungenutzt bleibt
Das Erste, was man drinnen im A 690 wirklich sofort merkt: Platz. Vor allem im Schlafbereich hinten. Wir haben die Einzelbetten zu einer großen Liegefläche verbunden – und die ist wirklich absurd groß. Dazu kommen ordentliche Matratzen, auf denen wir beide super geschlafen haben. Komfort: ganz klar ein Plus-Punkt.
Der Haken kommt beim Einstieg. Die Leiter ist steil und sie ist hoch. Doch die Leiter könnte auch gar nicht viel flacher sein, ohne im Weg zu stehen – unter anderem, weil sonst die Badtür nicht mehr richtig aufgeht. Und mit der Höhe kann ich leben, weil der Stauraum unter den Betten dafür umso größer ist. Für die Zukunft zu viert ein wichtiger Punkt.
Trotz der riesigen Fläche hat sich am Ende aber etwas gezeigt, das ich so nicht erwartet hätte: Wir nutzten am Ende höchstens zwei Drittel der Fläche. Entweder rückte mein Partner Marvin nachts immer weiter rüber oder ich blieb gleich in der Mitte liegen. Ein deutlich kompakteres Querdoppelbett hätte es also auch getan. Stellt man sich allerdings vor, dass Kinder nachts mal ins Elternbett schlüpfen, hat die gigantische Liegefläche wieder Zukunftspotenzial.
Praktisch im Alltag: Die Oberschränke über dem Kopfende haben für unsere Klamotten für zehn bis vierzehn Tage gut gereicht. Ich würde sie langfristig wahrscheinlich noch mit kleinen Unterteilungen oder Boxen strukturieren. Da das ein sehr individueller Bedarf ist, ist es gut, dass Ahorn hier Platz lässt sich selbst auszuleben. Potenzial für weiteren Stauraum hat das Fußende des linken Einzelbetts, wo prinzipiell noch ein Schrank Platz hätte.
Richtig gut gelöst ist das Licht am Bett: zwei Touch-Lichtleisten und Ambientebeleuchtung, die man vom Schlafplatz aus bedienen kann. Dazu USB‑C-Anschlüsse mit Ablage fürs Handy.
Küche: klein auf dem Papier, gut im Alltag
Die Küche sieht erstmal so aus, als hätte man beim Kochen ein Platzproblem: Zweiflammkocher, Spüle – und dazwischen nicht viel, was nach Arbeitsfläche aussieht. Eine Klapperweiterung gibt’s auch nicht. Trotzdem hat uns der Bereich im Alltag positiv überrascht.
Der wichtigste Trick ist simpel: Wenn man kocht, ist das Waschbecken meistens eh zu. Dann liegt da ein Schneidebrett drauf oder man stellt Zutaten ab – und plötzlich funktioniert das Setup und man hat reichlich Platz zum Hantieren. Was gerade im Weg ist, wandert wie in jedem Wohnmobil irgendwann auf eine Ablagefläche, die eigentlich keine sein sollte – das Fußende vom Bett.
Das Spülbecken selbst ist angenehm groß. Sogar der Omnia passt rein und lässt sich vernünftig ausspülen. Was man dafür in Kauf nimmt: Beim Abwasch wird’s um die Spüle herum schnell nass, weil der Hahn relativ nah am Rand sitzt.
Unser bester Reise-Hack wenns mal runtertropft: eine simple Badematte (von Ikea) im Gang zwischen Küche und Bad. Das löst gleich zwei Problemzonen.
Der Absorber-Kühlschrank ist eher kompakt. Für zwei Personen geht das, wenn man halbwegs normal einkauft. Für vier wird’s eng. Ich koche gern frisch und habe entsprechend viele Lebensmittel, die gekühlt werden wollen – wir sind trotzdem gut klargekommen.
Obst und Gemüse landeten bei uns oft im Schrank über der Sitzgruppe. Das funktioniert, solange das Fahrzeug nicht in der prallen Sommerhitze steht. Das Eisfach blieb die meiste Zeit ungenutzt – missen will ich es trotzdem nicht. Es ist genau diese Art Luxus, die man erst schätzt, wenn man Käse oder ein paar gute Mitbringsel später zu Hause noch in Bestform essen will.
Bad: auf den ersten Blick ein Volltreffer
Nach Campingbus-Bädern ist das Bad im A 690 erstmal ein kleines Aha-Erlebnis. Die Dusche ist dank Schwenkwand sauber abtrennbar, das Klo bleibt trocken, und es gibt eine richtige Duscharmatur. Für ein kombiniertes Bad ist das sehr nah an dem, was ich mir wünsche.
Und dann kam die erste autarke Nacht – beziehungsweise der erste Morgen danach – und damit die Erkenntnis, wo dieses Bad für uns kippt: der Waschtisch. Sieht schick aus, bringt Stauraum, ragt aber so weit in den Raum, dass der Toilettengang je nach Körperbau zur Performance-Kunst wird. Auf einer Seite ist Wand, auf der anderen Seite Waschtisch – und plötzlich merkt man dass es durchaus nützlich ist, die Knie zumindest ein wenig spreizen zu können.
Wer schmaler gebaut ist, sitzt da vermutlich völlig entspannt und fragt sich, was das Problem sein soll. Aber wenn man (vor allem mit der Anatomie eines Mannes) einfach ein bisschen mehr Platz braucht, wird’s schnell eng. Unser Fazit ist deshalb ziemlich klar: Bad insgesamt stark – aber Probesitzen ist hier nicht optional. Und wenn ich mir den Grundriss wünschen dürfte, wäre das Bad bei gleicher Duschlösung für uns mit einem weniger ausladenden Waschtisch noch besser.
Sitzgruppe: zu zweit bequem, zu viert machbar
Die Sitzgruppe ist genau groß genug, dass man merkt, wie sehr man sich im Campingbus an Enge gewöhnt hat. Die Bank ist brauchbar lang, dazu der Hocker neben der Tür.
Zu zweit ist das für uns vor allem eine Einladung, uns maximal auszubreiten: Eine Person auf der Bank, die andere auf dem gedrehten Beifahrersitz, Füße auf den Hocker, Tisch in die Mitte geschoben.
Über der Sitzgruppe sind genug Schränke für alles, was man griffbereit haben will: Snacks, Bücher, Kleinkram, Ladekabel. Da die Schränke direkt an den Alkoven-Schlafplatz angrenzen, eignen sie sich auch gut als Kleiderschrank oder für Spielzeug. Doch in unserem Alkoven übernachtete nur unsere Wäsche – drin gehalten von dem Auffangnetz.
Die Touch-Lichtleiste unter den Schränken erwies sich als praktisch, die Ambientebeleuchtung als angenehm und die USB-Steckdosen am Tisch waren bei uns im Dauereinsatz.
Technik und Autarkie: Solar reicht – wenn die Technik mitspielt
Unser Strombedarf zu zweit war überschaubar: Licht, Handys, Tablet, gelegentlich ein Kamera-Akku. Den Kühlschrank können wir aus der Gleichung streichen – der läuft als Absorber autark mit Gas. Was bleibt, hat das Solarpanel des A 690 in unserem Testzeitraum gut geschafft.
Die Tankanzeigen waren nicht besonders präzise – aber das ist bei Wohnmobilen eher Normalzustand als ein Kritikpunkt nur für den Ahorn Camp. Für die grobe Orientierung reicht es. Bei den neuen Modellen ab 2026 übernimmt das Onda CBE die Überwachung, zeigt künftig auch den Solareintrag an und integriert die Boilersteuerung, die bei unserem Modell noch über ein separates Truma-Panel läuft.
Fahren: Automatik, Windanfälligkeit und 10,8 Liter Realität
Der Renault Master fährt sich gut. Als Automatik erst recht – gerade auf langen Etappen ist das ein echter Komfortgewinn. Unser Reisetempo lag irgendwo zwischen 80 und 100 km/h, was beim Alkoven auch einfach Sinn ergibt: Die Form ist windanfällig, und wer das ignoriert, merkt es spätestens am Verbrauch. Bei unserem Fahrstil und überwiegend flachem Terrain kamen wir auf rund 10,8 Liter.
Die mechanische Handbremse zwischen den Sitzen kennt man, wenn man schon mal einen Ford-basierten Camper gefahren ist: Sie kuppelt sich aus, wenn man sie anzieht, damit man die Sitze besser drehen kann. Bei den neuen Modellen ab 2027 ist das Geschichte, dort kommt eine elektrische Parkbremse zum Einsatz.
Gewicht und Zuladung: 3,5 Tonnen sind schnell knapp
Mit 3,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht fährt der A 690 in einer Klasse, die für viele attraktiv ist – der Führerschein Klasse B reicht aus. Aber knapp bemessen ist das schon. Mit zwei Fahrrädern, einem gut gefüllten Wassertank für ein paar autarke Nächte, Trinkwasser, Vorräten und Zubehör ist man schnell in einem Bereich, in dem nur noch wenige Kilos übrig bleiben.
Für zwei Personen ist das mit gutem Packen lösbar. Für vier muss man wirklich planen – und Fahrräder am besten vor Ort mieten. Dass Ahorn Camp den A 690 für fünf Personen nur mit Auflastung anbietet, ist deshalb konsequent richtig. Was ich mir dabei noch wünschen würde: die Option auf einen größeren Kühlschrank. Denn wer mit vier oder fünf Personen unterwegs ist, stößt dort genauso schnell ans Limit.
Preis und Ausstattung: Basis fair – real wird's mehr
Der Basispreis von 62.500 Euro fühlt sich für das, was der A 690 bietet, fair an. Unser Testfahrzeug hatte allerdings auch fast alle verfügbaren Extras an Bord – was sich aber nicht nach Sonderausstattung angefühlt hat. Das bedeutet: Der Basispreis ist ein guter Einstiegspunkt zum Orientieren, aber kein realistisches Budget für das Fahrzeug, das man am Ende wahrscheinlich haben will. Unser Testwagen kostet 79.300 Euro. Sparen lässt sich vor allem bei Automatik, Solaranlage und Motorisierung.
