US-Stromer mit Premium-Anspruch
Cadillac schickt mit dem Lyriq-V das neue Aushängeschild seiner Modelloffensive in Europa auf die Straße. 475 kW, Allradantrieb, 91-kWh-Akku und Tonspur à la LMP-Prototyp treffen auf viel Reisekomfort. Im Test klären wir, wie sportliche Ambition und Alltag zusammenpassen.
Es ist mal wieder soweit! Cadillac hat eine Modelloffensive für Europa ins Rollen gebracht. Hoffnungsträger diesmal: ein Dreigestirn an Elektro-Crossovern, das vom mittelklassigen Optiq bis zum Fullsize-SUV Vistiq reicht. Dazwischen positioniert sich der coupéhafte Lyriq (ab 83.000 Euro), der nun als V-Version zum 108.809 Euro teuren Topmodell avanciert. Und zum Aushängeschild?
Mehr Leistung, aber langsames Laden
Statt regulär 388 kW emittiert der Bi-Motor-Allrad deren 475. Im schärfsten Fahrmodus wächst die Vmax auf 210 km/h, gleichzeitig soll der Sprint auf 100 in 3,6 Sekunden gelingen – ein Wert, der sich jedoch nicht bestätigt. An Punch mangelt es aber keineswegs, im Gegenteil: Voll ausgelotet wuchten die 880 Nm das 2,7-Tonnen-Trumm derart voran, dass die hereinplatzende Vehemenz die Stimmung stört.
Denn auch wenn das V-Modell die Brücke Richtung Rennsport schlägt und einige dahingehende Abstimmungs-Raffinessen (inklusive Tonspur à la LMP-Prototyp) mit sich bringt, strahlen die unaufgeregte Lenkung und das – von Radpoltern abgesehen – geschmeidige Fahrwerk Gelassenheit aus.
Mit dem 91-kWh-Akku sind Etappen im Bereich von 400 km möglich, die Dauer der Boxenstopps entspricht aber nicht den Standards der Klasse: Im Ladetest packt das E-Werk von angegebenen 130 kW bloß 129, im Schnitt sind’s deren 111, sodass man für den 10-auf-80-Prozent-Boost knapp 40 Minuten im Ladepark abhängen muss.
Zum Vergleich: Ein Porsche Cayenne Electric, der sich (mit geringerer Leistung) in einen ähnlichen Preisrahmen einpasst, schafft das Kunststück in weniger als der halben Zeit.
Innenraum und Assistenz enttäuschen
Drinnen klaffen Ausrichtung und Wirklichkeit dann noch weiter auseinander. Die Assistenzsysteme zerren gleich dreifach an den Nerven: Sie arbeiten schusselig, in Kooperation mit ohrenbetäubenden Akustiksignalen, und sie lassen sich erst nach einer Rundreise durch das Infotainment lahmlegen.
Die Qualität bleibt ein Dauerärgernis: Die Klavierlackeinlage sitzt windschief im Lenkrad, die Dekorfolie um die Becherhalter wirft Blasen. Sorry, aber in Relation zu Preis, Auftritt, Ambition und der Messlatte in dieser Klasse springt der Caddy ein gutes Stück zu kurz.
