Monsterdrift im Elektro-3er
Dank nahezu perfekter Gewichtsverteilung von 50:50 soll die über zwei Tonnen schwere Elektro-Limousine besonders ausgewogen fahren.
Mit der "Neuen Klasse" startet BMW in eine neue Elektro-Ära – und der kommende i3 soll dabei wieder echtes 3er-Fahrgefühl liefern. Auf einem zugefrorenen See in Nordschweden zeigt der Prototyp, wie viel Driftspaß und Fahrdynamik in der elektrischen Limousine steckt.
Während hierzulande die Uhren schon auf Frühling stehen, lassen wir heute das Heck noch einmal schneestaubend mit einem Monsterdrift raushängen. Mit wem? Mit dem zweiten Modell aus der sogenannten "Neuen Klasse" von BMW. Nach iX3 kommt i3. Im noch tief verschneiten Nordschweden geht’s ans Querfahren mit einem Entwicklungsprototypen der Elektro-Limousine, deren Serienproduktion in der zweiten Jahreshälfte 2026 anläuft.
Drifttraining im Winter-Wonderland
Winter-Wonderland mit massig Schnee: Seit 1975 führt BMW Erprobungsfahrten im Winter rund um Arjeplog durch. Im Fokus auf dem 28 Hektar großen BMW-Erprobungsgelände: Der zugefrorene XXL-Eissee namens Kakel. Handlingkurse, Fahrdynamikflächen oder wie jetzt gerade der große Driftkreis – hier bieten sich Idealbedingungen zur Erprobung von Antrieb und Fahrwerk auf verschiedenen Niedrigreibwerten.
3er-Fahren auf festgefahrener Schneedecke, das war über die Jahrzehnte der einst im Jahr 1975 mit dem E21 an den Start gegangenen BMW-Baureihe, ein emotionales Hinterradantriebfestival mit auf Wunsch emotionalen Powerslides. Laut der BMW-Entwickler soll dieser heckbetonte Fahrdynamik-Charakter auch in den Genen der ersten Elektro-Limousine der Neuen Klasse wiederzufinden sein.
Der neue Elektro-3er
Limo? Richtig, hinter der Modellbezeichnung i3 mit der BMW-internen Bezeichnung NA0 steckt kein kugeliger Elektro-Kleinwagen mehr, wie der von 2013 bis 2022 produzierte Ur-i3, sondern ab sofort eine ausgewachsene Limousine (Länge: 4.763 mm, Breite: 1.865 mm, Höhe: 1.482 mm). Als vorläufigen Leistungswert für das Startmodell i3 50 xDrive nennt BMW 345 kW – nach alter Währung also 469 PS. Angetrieben wird neue Elektro-3er von einer stromerregten Synchronmaschine (SSM) an der Hinterachse und einem Asynchronmotor (ASM) an der Vorderachse.
Querfahren leicht gemacht
Spielerisch Querfahren? Geht im i3 50 xDrive Neue Klasse am besten im tendenziell heckbetont agierenden Sportmodus mit deaktiviertem DSC. Dank gut abgestimmtem Antrieb an der Vorder- und Hinterachse, keinem abrupten Übergang von der Haftreibung zur Gleitreibung auf Schnee und nicht zuletzt dem sensibel dosierbaren Fahrpedal stürmt die E-Limo agil, aber gleichzeitig entspannt in den Drift. Anders gesagt: Querfahren leichtgemacht.
Es ist schon irre, zu was die, im Vergleich zu Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor, vielfach schnellere Regelung aus fahrdynamischer Sicht im Stande ist. Der i3 trägt vier Steuergeräte (von BMW etwas hochtrabend als "Superbrains" bezeichnet), darunter ein spezielles Steuergerät, das sie bei BMW stolz "Heart of Joy" nennen und das unter der Verkleidung im Beifahrer-Fußraum sitzt.
Besagtes Steuergerät ist speziell für die Fahrdynamik verantwortlich. Situativ nach Fahrzustand verteilt der i3 50 xDrive die Antriebsmomente zwischen Vorder- und Hinterachse permanent variabel. Und das, laut der BMW-Ingenieure, mit einer zehnfach schnelleren Regelung als bei konventionellen Verbrennern. Beim Thema Regelung und Torque-Vectoring-Talent muss man auch als eingefleischter Petrolhead hier das fahrdynamische Potenzial von E-Fahrzeugen wie dem i3 50 xDrive einfach anerkennen.
Fahrsicherheit auf Schnee
Doch der i3 überrascht nicht nur mit ausgelassenen Drifts, sondern auch mit hoher Fahrsicherheit bei winterlichen Bedingungen. Neben seiner feinfühligen ABS-Regelung punktet er mit gripfreudigen Hankook-Winterreifen. Die Pneus vom Typ Ion Icept mit BMW-typischer Sternkennung auf den neuen Leichtmetallrädern samt M-Logo und M-Performance-Schriftzug sorgen gemeinsam mit dem Allradantrieb für gute Traktion auf den heutigen Niedrigreibwerten. Der Entwicklungsprototyp trägt übrigens ein statisches Fahrwerk ohne Adaptivdämpfer, die es in der Serie später als Option geben wird.
Der wohl weltweit am meisten gemachte Fahrfehler beim Überschreiten des Grenzbereiches – vor allem auch auf Schnee? Weiter Einlenken, wenn ein Fahrzeug untersteuernd über die Vorderachse gen Kurvenausrand zu schieben beginnt. Was man dann idealerweise machen sollte? Die Lenkung wieder öffnen und einen weiteren Kurvenradius fahren.
Und im i3 Neue Klasse? Während im Sportmodus die Antriebsabstimmung heckbetonter ausgelegt ist, hat im Basismodus namens "Personal" höchste Fahrsicherheit Priorität. Im Personal-Modus mit aktiviertem DSC kannst du beim Anflug von Untersteuern entgegen allen Fahrtechnik-Konventionen einfach weiter in die Kurve einlenken und die E-Limo korrigiert auf wundersame Weise den Fahrfehler. Im Display vorne siehst du dabei das gelbe DSC-Symbol schnell hintereinander aufblinken, von Hektik in der ESP-Regelung jedoch keine Spur. Mit sensiblen Regeleingriffen hält das Zusammenspiel der beiden E-Maschinen an der Vorder- und Hinterachse den i3 in der Spur, ohne ihn abrupt abzubremsen – Allrad-Torque-Vectoring auf hohem Niveau.
Natürlich kann auch der vollelektrische i3 die Fahrphysik nur bedingt austricksen. Auch wenn sich die Über-Zwei-Tonnen-Limo auf Eis und Schnee mit überraschend spielerischer Agilität bewegt, kann auch hier das physikalische Manko des hohen Fahrzeuggewichts bei E-Fahrzeugen natürlich nicht wegdiskutiert werden. Wenn das Limit einmal überschritten ist, dann schiebt die hohe Masse auch im i3, der laut der Entwickler übrigens eine Gewichtsverteilung von nahezu 50:50 Prozent haben soll.
Neues Lenkrad und neue Anzeige
Lob gibt’s bei den Drifteinlagen hier in Nordschweden auch für das M-Lenkrad, das neben den bereits erwähnten Leichtmetallrädern, dem M-Aerodynamikpaket unter der Tarnungsverkleidung und der M-Sportbremse mit blauen Bremssätteln Teil des optionalen M-Sportpakets ist. Anders als die M-Lenkräder der aktuellen M3/M4-Baureihe, deren Kranz salamidicke Ausmaße angenommen haben, punktet das i3-Optionslenkrad mit einem nicht zu wulstigem Lenkradkranz und liegt sehr gut in der Hand.
Wie bereits der iX3 trägt auch der i3 der Neuen Klasse im Cockpit das sogenannte BMW Panoramic Vision, bei der sämtliche Fahrzeug-Infos auf die gesamte untere Breite der Windschutzscheibe projiziert werden. Das sieht nicht nur schicker aus, sondern punktet auch mit noch besserer Ablesbarkeit als die aktuellen Curved-Displays von BMW.
Ausblick auf mehr Reichweite
457 km bei noch 52 Prozent SOC verrät die Reichweitenanzeige des Erprobungsfahrzeuges bei Übernahme vor der Driftorgie auf dem gefrorenen See. Ein erster Vorgeschmack auf das bessere Langstreckentalent, das BMW ebenfalls beim i3 der Neuen Klasse mit 800-Volt-Technologie verspricht. Sportlich ambitionierte Fahrer macht die erstaunliche Agilität des i3 50 xDrive jedoch vor allem neugierig auf die vollelektrische Version des BMW M3, dessen Marktstart 2027 ist – nicht mit zwei E-Maschinen wie im i3, sondern dann mit vier E-Maschinen.
