Wilde Aero-Teile treffen auf Hardcore-V8
Mercedes bringt die Black Series zurück. Eines dieser Extremmodelle kommt auf Basis des AMG GT. Die Performance-Gene liefert der entsprechende GT3-Rennwagen. Ein neuer Erlkönig zeigt nun erstmals zahlreiche Details der seriennahen Aerodynamik. Auch zum Motor gibt es konkretere Informationen.
Black Series stand bei Mercedes-AMG von 2006 bis 2021 für besonders extrem ausgelegte Sportmodelle. Dann verschwand das Label aus dem Portfolio. Allerdings nur vorübergehend, wie sich mit der Ankündigung des Mercedes- AMG GT Black Series zeigt.
Der aktuelle Prototyp trägt zwar weiterhin eine starke Tarnung, unterscheidet sich aber deutlich von den ersten Versuchsfahrzeugen. Scheinwerfer und Heckleuchten wirken seriennäher, außerdem hat AMG Türen, Seitenscheiben, Seitenschweller und den hinteren Stoßfänger überarbeitet.
Aktive Klappen auf den vorderen Kotflügeln
Besonders auffällig sind mehrere Klappen auf den Oberseiten der vorderen Kotflügel. Sie dürften bei Bedarf den Überdruck aus den Radhäusern ableiten. Werden sie geschlossen, verringert sich der Luftwiderstand. Damit könnte AMG den Abtrieb abhängig von Fahrsituation und Geschwindigkeit verändern.
Weitere Luftauslässe sitzen hinter den Vorderrädern und leiten die Strömung über die Türen. In diesem Bereich endet auch die seitlich austretende Abgasanlage. Große Öffnungen in der Front, zusätzliche Leitbleche und ein weit nach vorn gezogener Splitter sollen die Luft gezielt um und unter das Fahrzeug führen.
Black Series als Straßenversion des GT3
Angedeutet wurde das Comeback bereits im Vorjahr mit dem Concept AMG GT Track Sport. Aus diesem Technologieträger gehen gleich zwei Performance-Modelle hervor, denn Mercedes erweitert die AMG-GT-Familie um den Mercedes-AMG GT Black Series und den Mercedes-AMG GT3. Der Black Series dient dabei als Homologationsmodell für die nächste GT3-Generation. Aufgrund der Nähe zum Rennwagen verspricht AMG den radikalsten Black Series der bisherigen Modellgeschichte.
Mit dem neuen Performance-Duo etabliert Mercedes auch eine neue Farbwelt. Rot steht künftig für den Mercedes-AMG GT3 und als zentrales Element von Mercedes-AMG Motorsport, Gelbgrün kennzeichnet den Mercedes-AMG GT Black Series. Mercedes-Chef Ola Källenius bezeichnete das Straßenmodell inzwischen als straßenzugelassenen Zwilling des kommenden GT3. Beide Fahrzeuge sollen wesentliche Teile ihrer technischen Entwicklung teilen. Wie weit diese Gemeinsamkeiten bei Motor, Fahrwerk und Aerodynamik reichen, hat Mercedes noch nicht erläutert.
Neuer V8 mit Flat-Plane-Kurbelwelle
Konkrete Leistungsdaten zum neuen AMG GT Black Series sind nicht bekannt. Klar ist, dass unter der langen Motorhaube ein V8 arbeitet. Der vier Liter große Biturbomotor dürfte zwischen 750 und 850 PS sowie rund 850 Nm Drehmoment leisten.
Nach den jüngsten Aussagen von Källenius erhält der Black Series den neu entwickelten V8 mit Flat-Plane-Kurbelwelle, der auch für den GT3 vorgesehen ist. Bei dieser Bauweise liegen die Kurbelzapfen in einer Ebene. Der Motor kann dadurch schneller hochdrehen und spricht direkter auf Gasbefehle an. Gegenüber einem V8 mit Cross-Plane-Kurbelwelle verändern sich zugleich Klang und Schwingungsverhalten.
Die Leistung dürfte oberhalb des AMG GT 63 Pro liegen, der 612 PS und 850 Nm erreicht. Als weiterer Vergleich dient der Vorgänger. Dessen Vierliter-V8 kam auf 730 PS und 800 Nm. Eine Leistung von mehr als 800 PS wird in mehreren Berichten erwartet, ist von Mercedes aber noch nicht bestätigt.
Zweigeteilter Heckflügel und großer Diffusor
Den größten aerodynamischen Aufwand betreibt AMG am Heck. Der Prototyp trägt einen zweigeteilten Flügel auf Schwanenhals-Halterungen. Zudem sind ein bewegliches Element erkennbar, dessen Stellung während der Fahrt verändert werden könnte. Ob AMG damit eine Funktion zur Verringerung des Luftwiderstands umsetzt, bleibt offen.
Unterhalb des Stoßfängers nimmt ein großer Diffusor fast die gesamte Fahrzeugbreite ein. Seine weit nach hinten gezogenen Kanäle sollen den Luftstrom unter dem Fahrzeug beschleunigen und zusätzlichen Abtrieb erzeugen. Auf der Heckscheibe sitzt außerdem eine kleine Finne, die den Luftstrom zum Heckflügel stabilisieren könnte.
Der Erlkönig fährt auf Michelin Pilot Sport Cup 2 R. Die Hinterreifen sitzen auf 21-Zoll-Rädern. Dahinter sind groß dimensionierte Carbon-Keramikbremsen zu erkennen. Der Tankverschluss auf der Beifahrerseite fällt beim aktuellen Entwicklungsfahrzeug weniger stark vom Rennsport geprägt aus als bei früheren Prototypen.
Premiere und Preis
Das Black-Series-Modell dürfte nur in einer begrenzten Stückzahl entstehen. Angaben zur Auflage oder zum Preis liegen noch nicht vor. Zum Vergleich kostete der 2020 vorgestellte Vorgänger in Deutschland mindestens 335.240 Euro. Die Weltpremiere wird 2027 erwartet.
