Mit Survivor I und II ins Militärgeschäft
Magirus erweitert sein Geschäft und steigt stärker in den Markt für militärische und sicherheitsrelevante Fahrzeuge ein.
Der Ulmer Hersteller, bisher vor allem für Feuerwehr- und Katastrophenschutztechnik bekannt, bündelt diese Aktivitäten künftig in einer eigenen Einheit unter dem Namen "Defense & Security".
Im Mittelpunkt stehen bereits entwickelte Fahrzeugtypen wie die gepanzerten Survivor-Modelle sowie weitere geländegängige und geschützte Spezialfahrzeuge, die nun gezielt ausgebaut und vermarktet werden sollen.
Survivor I und II im Defense-Fokus
Zentraler Bestandteil des Portfolios ist der HMV Survivor I. Das Fahrzeug ist als eigenständige Konstruktion ausgelegt und nutzt ein eigenes Chassis mit selbsttragender Panzerzelle. Es wiegt rund 13.000 Kilogramm, bietet Platz für bis zu zehn Personen und ist auf Schutz gegen Beschuss, Minen und improvisierte Sprengsätze ausgelegt. Die Struktur ist so ausgelegt, dass sie unterschiedliche Bedrohungsszenarien abdeckt und gleichzeitig eine flexible Innenraumgestaltung ermöglicht.
Technisch unterscheidet sich der Survivor I damit klar von Fahrzeugen auf Serienbasis. Fahrwerk, Antrieb und wesentliche Komponenten stammen aus eigener Entwicklung. Dazu gehört auch die Integration elektronischer Systeme wie Stabilitätskontrolle und vorbereiteter Schnittstellen für weitere Assistenzfunktionen.
Neben der Schutztechnik ist der Survivor I konsequent auf Geländeeinsatz ausgelegt. Permanenter Allradantrieb, hohe Steigfähigkeit und große Böschungswinkel ermöglichen Fahrten in schwierigem Terrain. Auch bei Steigungen, seitlicher Neigung oder beim Durchfahren von Wasserhindernissen bleibt das Fahrzeug einsatzfähig. Die Kombination aus Schutz, Beweglichkeit und modularer Bauweise zielt auf Einsätze ab, bei denen sowohl Mobilität als auch Absicherung der Besatzung im Vordergrund stehen.
Größeres Modell mit Lkw-Basis
Darüber positioniert Magirus den PMV Survivor II. Im Unterschied zum kleineren Modell basiert dieses Fahrzeug auf einem seriennahen Lkw-Fahrgestell mit Allradantrieb. Darauf sitzt eine geschützte Monocoque-Struktur. Das Gesamtgewicht liegt je nach Ausführung zwischen 16.000 und 17.400 Kilogramm, die Nutzlast erreicht bis zu 4.400 Kilogramm.
Eine konkrete Lkw-Baureihe nennt Magirus nicht. Die technischen Daten ordnen das Fahrzeug in die Klasse mittelschwerer Allrad-Lkw ein. In der Praxis wird diese Klasse häufig von Plattformen wie dem Iveco Eurocargo 4x4 abgedeckt, eine offizielle Bestätigung dazu gibt es nicht.
Der Survivor II wird zudem gemeinsam mit Rheinmetall vermarktet und dort unter der Bezeichnung "Survivor R" angeboten.
Weitere Fahrzeuglösungen im Portfolio
Ergänzt wird das Angebot durch zusätzliche Konzepte. Dazu gehört die Lösung "Cabin Protect", bei der serienmäßige Lkw-Fahrerhäuser mit Panzerstahl verstärkt werden. Die Fahrzeuge behalten dabei ihre zivile Optik, was etwa bei bestimmten Transportaufgaben eine Rolle spielt.
Für leichtere Einsätze bietet Magirus zudem umgerüstete Transporter an. Der Iveco Daily 4x4 wird mit permanentem Allrad, Differenzialsperren und Höherlegung ausgestattet und lässt sich je nach Einsatz konfigurieren.
Übernahme von Achleitner und Standort
Die technische Basis für das neue Geschäftsfeld stammt aus der Übernahme des österreichischen Herstellers Achleitner im Jahr 2025. Dessen Fahrzeuge und Entwicklungen werden nun in die Magirus-Struktur integriert.
Der Standort Radfeld in Tirol bleibt erhalten und soll künftig eine zentrale Rolle im Bereich Defense & Security übernehmen. Geplant ist eine Umfirmierung zur Magirus Defense Systems GmbH. Eine vollständige Verschmelzung ist nicht vorgesehen.
Im Zuge der Neuaufstellung hat sich auch die Führung verändert. Der bisherige Geschäftsführer Ewald Gattermayr ist aus dem Unternehmen ausgeschieden.
Ausbau der Produktion geplant
Magirus plant Investitionen in Radfeld, um die Produktionskapazitäten auszubauen. Ziel ist es, die vorhandenen Fahrzeugkonzepte in größeren Stückzahlen fertigen zu können.
Mit der neuen Sparte erweitert das Unternehmen sein bisheriges Geschäft rund um Feuerwehr- und Katastrophenschutzfahrzeuge. Die bestehende Kompetenz im Bau robuster Einsatzfahrzeuge wird nun auf militärische Anwendungen übertragen.
