Tanken wird am 01.05. nicht ab 0 Uhr billiger
Bis die Steuersenkung bei Autofahrern ankommt, kann es etwas dauern.
Zum 01. Mai 2026 tritt die befristete Senkung der Energiesteuer auf Benzin und Diesel in Kraft. Dennoch werden Autofahrer die um rund 17 Cent pro Liter reduzierten Preise aber kaum um Mitternacht sehen.
Der Grund liegt im Steuersystem und in der Logistik der Kraftstoffversorgung. Die Energiesteuer wird nicht beim Tanken selbst fällig, sondern deutlich früher im System. Entscheidend ist der Zeitpunkt, an dem der Kraftstoff aus einem sogenannten Steuerlager entnommen wird. Das sind Raffinerien oder große Tanklager. In der Gesetzesbegründung heißt es dazu wörtlich, die Steuer entstehe "zum Zeitpunkt der Entnahme aus dem Steuerlager und ist damit dem Verbrauch durch die Endkundinnen und Endkunden vorgelagert". damit dürfte auch der neueste Versuch der Bundesregierung, die Spritpreise im Zaum zu halten, zunächst verpuffen. Eine Analyse des ZEW Mannheim und des Forschungsinstituts DICE zeigt nämlich, dass die Einführung der 12-Uhr-Regel zum 01.04.2026 weniger die Preise gesenkt, sondern die Margen für die Mineralölkonzerne gesteigert hat.
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Bereits versteuerter Kraftstoff bleibt zunächst im Tank
Für Autofahrer bedeutet das konkret: Der Sprit, der sich am 01. Mai um 00:00 Uhr bereits in den unterirdischen Tanks der rund 14.500 Tankstellen befindet, wurde noch mit dem alten, höheren Steuersatz versteuert. Dieser Kraftstoff wird zunächst weiter verkauft, bevor neue Lieferungen mit reduzierter Steuer ankommen.
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Die Bundesregierung weist deshalb ausdrücklich darauf hin, dass sich die Entlastung "verzögert und schleichend" in den Preisen niederschlagen kann. Je nach Standort und Belieferung kann es mehrere Tage dauern, bis der günstigere Einkaufspreis vollständig an der Zapfsäule ankommt.
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Unterschiedliche Entwicklung je nach Tankstelle
Wie schnell die Preise sinken, hängt stark von der einzelnen Station ab. Faktoren sind unter anderem:
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-Zeitpunkt der letzten Belieferung vor dem Stichtag
-Füllstand der Tanks am 01. Mai
-Regionale Versorgungslage, etwa Transport über Binnenschiffe
-Nachfrage vor und nach der Steuerumstellung -
Tankstellen mit hohem Umsatz könnten schneller neue, günstiger versteuerte Ware erhalten. Stationen mit geringerer Nachfrage verkaufen dagegen zunächst länger den bereits teurer versteuerten Bestand.
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Nachfrageeffekte rund um den Stichtag
Zusätzlich beeinflusst das Verhalten der Autofahrer die Preisentwicklung. Vor dem 1. Mai ist mit Zurückhaltung beim Tanken zu rechnen, weil viele auf niedrigere Preise warten. Dadurch bleiben die Tanks an manchen Stationen vergleichsweise voll.
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Am Feiertag selbst und in den Tagen danach steigt die Nachfrage spürbar an. Gleichzeitig erschweren der 01. Mai und das folgende Wochenende die Logistik, weil weniger Transporte stattfinden. Neue, günstiger versteuerte Lieferungen kommen daher nicht überall gleichzeitig an.
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Steuersenkung ist nur ein Faktor beim Preis
Die Energiesteuer hat einen direkten Einfluss auf den Kraftstoffpreis, ist aber nicht der einzige Bestandteil. Auch Rohölpreise, Raffineriekosten, Transport, Wettbewerb und regionale Besonderheiten wirken sich auf den Endpreis aus.
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Selbst wenn die steuerliche Entlastung vollständig weitergegeben wird, kann es deshalb Unterschiede zwischen einzelnen Tankstellen geben.
