Welcher E-Flitzer ist für Sie richtig?
Dacia Spring, Nissan Pixo und Renault Twingo wollen die Massen elektrisieren – mit niedrigen Preisen, erstaunlich viel Platz und kluger Ausstattung. Doch welches ist das beste Angebot?
Mit dem neuen Dacia Spring , dem Renault Twingo E-Tech Electric und dem Nissan Pixo stehen künftig drei Elektro-Kleinwagen aus demselben Konzernverbund zur Wahl. Alle drei basieren auf der RGEV-SMALL-Plattform (AmpR Small), nutzen eine 27,5 kWh große LFP-Batterie und einen 60 kW starken Elektromotor. Auch gebaut werden sie am selben Ort: Im slowenischen Novo Mesto laufen die drei Stromer gemeinsam vom Band. Trotzdem unterscheiden sie sich bei Karosserie, Innenraum, Ausstattung und vor allem bei der Preisstrategie.
Der Dacia Spring geht dabei konsequent auf möglichst niedrige Anschaffungskosten und praktischen Nutzwert. Renault positioniert den Twingo etwas darüber und setzt stärker auf Variabilität und serienmäßige Ausstattung. Nissan versucht beim Pixo mit moderner Digitaltechnik und eigenständigen Karosseriedetails die dritte Variante abzugrenzen.
Karosserie und Platzangebot: Drei Zentimeter entscheiden
Schon äußerlich gehen die drei Kleinwagen unterschiedliche Wege. Renault Twingo und Nissan Pixo sind mit rund 3,79 Metern die kürzeren Vertreter des Trios – sind sich auch in den Proportionen am ähnlichsten. Der Dacia Spring ist mit 3,85 Metern rund sechs Zentimeter länger. Auch bei der Breite liegt der Spring mit 1,74 Metern vor dem Twingo mit 1,72 Metern. Bei der Höhe setzt sich der Dacia ebenfalls ab: Er misst 1,52 Meter und tritt damit wie ein kleiner SUV und nicht wie ein Kleinstwagen auf. Der Twingo kommt auf 1,49 Meter, der Pixo auf 1,51 Meter.
Fotoshow Dacia Spring
Der Radstand ist bei allen gleich lang. Spring, Pixo und Twingo kommen auf knapp 2,49 Meter. Das ist relativ viel für die Kleinstwagen-Klasse. Die kurzen Überhänge schaffen bei allen drei Modellen ein für die Fahrzeugklasse günstiges Verhältnis zwischen Außenlänge und Innenraum. Die Folge: Trotz ihrer knappen Abmessungen sind alle drei als Viersitzer ausgelegt. Und das Platzangebot ist tatsächlich überraschend großzügig.
Beim Kofferraum setzen sie allerdings unterschiedliche Schwerpunkte. Der Spring bietet mit 337 bis 1.283 Litern viel Ladevolumen und besitzt zusätzlich einen 18 Liter großen Stauraum unter der Fronthaube. Dafür lassen sich seine Rücksitze aber nicht verschieben, was bei Pixo und Twingo für etwas mehr Variabilität sorgt. Ablagen und versteckte Fächer im Innenraum gibt es bei allen drei Zwergen genügend. Beim Twingo lässt sich obendrein die Beifahrersitzlehne umlegen, sodass sich längere Gegenstände transportieren lassen.
Innenraum und Digitales: Dacia holt auf
Der größte Sprung findet beim neuen Spring im Innenraum statt. Gegenüber seinem Vorgänger wirkt der Dacia deutlich moderner und geräumiger. Je nach Ausstattung gibt es ein digitales Fahrerdisplay und einen zentralen 10,1-Zoll-Touchscreen. In der günstigen Expression-Version setzt Dacia allerdings weiterhin auf das einfache Media-Control-Konzept, bei dem das Smartphone einen großen Teil der Infotainment-Aufgaben übernimmt. In der Journey-Version kommt dagegen Media Nav Live mit Navigation, Connected Services und drahtloser Smartphone-Anbindung hinzu. Dafür liegt der Einstiegspreis allerdings auch bei niedrigen 17.900 Euro.
Der Twingo positioniert sich etwas oberhalb des Dacia. Bereits die Basis verfügt über ein digitales Instrumentendisplay und ein umfangreicheres Infotainment-System. Je nach Ausstattung kommen unter anderem Google-Dienste, Smartphone-Integration und eine digitale Rückfahrkamera hinzu. Vor allem die Kombination aus variabler Rückbank und moderner Multimedia-Ausstattung macht den Renault zum stärker auf Alltag und Flexibilität ausgerichteten Konzept.
Fotoshow Nissan Pixo
Nissan geht beim Pixo noch einen Schritt weiter in Richtung junges Publikum. 7-Zoll-Fahrerdisplay und 10-Zoll-Touchscreen sind identisch zum Twingo. Google built-in ist dafür serienmäßig vorgesehen und bringt unter anderem Navigation und Echtzeit-Routenplanung ins Auto. Dazu kommt Googles KI-Assistent Gemini, der zum Marktstart in 16 Sprachen verfügbar sein soll. Über natürliche Sprache lassen sich damit unter anderem Navigation, Kommunikation und Unterhaltung steuern. Über die MyNissan-App können außerdem Fahrzeugfunktionen und Ladevorgänge verwaltet werden – was übrigens auch bei den Geschwistern genauso gut funktioniert. Eine Besonderheit ist die Gesichtserkennung: Face ID soll den Fahrer erkennen und dessen persönliche Einstellungen automatisch laden. Damit ist der Pixo beim digitalen Angebot der technisch ambitionierteste der drei Kleinwagen.
Antrieb und Reichweite: Gleichstand bei 60 kW
Beim Antrieb gibt es dagegen kaum Unterschiede. Alle drei Fahrzeuge nutzen einen 60 kW beziehungsweise 82 PS starken Elektromotor und eine 27,5 kWh große LFP-Batterie. Der Pixo erreicht nach WLTP bis zu 259 Kilometer, der Twingo maximal 262 Kilometer und der Spring rund 250 Kilometer. Die Unterschiede bei der Reichweite sind damit in der Praxis überschaubar. Viel wichtiger ist die grundsätzliche Auslegung. Die kleine Batterie hält Gewicht und Kosten niedrig, reicht aber nicht für große Reichweiten. Alle drei Modelle sind deshalb vor allem für Stadtverkehr, Pendelstrecken und regionale Fahrten gedacht.
Auf der Autobahn sind die Kleinwagen mit einer Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h und rund zwölf Sekunden für den Sprint auf 100 km/h ohnehin keine Langstrecken-Spezialisten. Auch beim Verbrauch liegen die Konzepte eng beieinander. Der Spring kommt auf rund 12,7 kWh/100 km nach WLTP, beim Twingo liegt der Wert ebenfalls in einem ähnlichen Bereich. Die geringe Batteriekapazität ist deshalb weniger als Nachteil denn als Teil des Konzepts zu verstehen: Wer täglich nur wenige Dutzend Kilometer fährt, braucht keinen großen und entsprechend teuren Akku.
Laden: Renault mit dem besseren Serienpaket
Beim Laden wird die unterschiedliche Positionierung deutlicher. Der Spring besitzt serienmäßig einen einphasigen 6,6-kW-AC-Lader. Wer das entsprechende Ladepaket bestellt, bekommt 11 kW AC und bis zu 50 kW DC. Damit lässt sich die Batterie am Schnelllader in rund 30 Minuten von zehn auf 80 Prozent bringen. Auch bidirektionales Laden ist verfügbar. Beim Twingo gehört diese umfangreichere Ladeausstattung bereits zur Serienausstattung. Er lädt mit 11 kW Wechselstrom und bis zu 50 kW Gleichstrom. Für den Schnellladevorgang von zehn auf 80 Prozent werden ebenfalls rund 30 Minuten angegeben. V2L ist ebenfalls möglich.
Fotoshow Renault Twingo
Der Pixo setzt ebenfalls serienmäßig auf 11 kW AC und 50 kW DC. Für 15 bis 80 Prozent gibt Nissan rund 28 Minuten an. Wie bei den anderen zwei wird bidirektionales Laden genauso unterstützt. Wer regelmäßig öffentlich lädt oder den Wagen nicht ausschließlich über Nacht zu Hause mit Strom versorgt, bekommt beim Pixo und Twingo damit von Beginn an das vollständigere Ladepaket. Beim Spring bleibt der günstige Einstieg dagegen das entscheidende Argument.
Ausstattung und Assistenz: Nissan fährt auf
Bei der Serienausstattung versucht Nissan, den Pixo deutlich von seinen beiden Geschwistern abzugrenzen. Der Japaner soll unter anderem mit adaptivem Tempomaten inklusive Stopp-and-go-Funktion, intelligentem Spurhalteassistenten, autonomem Notbremsassistenten und einem automatischen beziehungsweise freihändigen Einparkassistenten auf den Markt kommen. Dazu kommt die One-Pedal-Funktion, mit der sich der Pixo bis zum Stillstand verzögern lässt.
Der Twingo bietet ebenfalls eine zeitgemäße Ausstattung, positioniert sich aber stärker über Komfort, Variabilität und die serienmäßige Lade- und Infotainmenttechnik. Dacia hält beim Spring dagegen bewusst an einem einfacheren Konzept fest. Bereits die Basis bringt Klimaanlage, elektrische Parkbremse und hintere Parksensoren mit. Je nach Variante kommen Rückfahrkamera, Keyless Go, das größere Infotainment-System und weitere Komfortfunktionen hinzu.
Preis und Kosten: Hier entscheidet sich das Duell
Der Dacia Spring setzt die Messlatte niedrig. Die zweite Generation startet in Deutschland bei 17.900 Euro. Die besser ausgestattete Journey-Version kostet 19.400 Euro. Damit bleibt auch ein gut ausgestatteter Dacia unter der 20.000-Euro-Marke. Der Renault Twingo E-Tech Electric startet bei 19.990 Euro. Die Techno-Version kostet 21.590 Euro. Der Mehrpreis gegenüber dem Dacia ist allerdings nicht allein mit dem Markenaufpreis zu erklären: Renault liefert einige Funktionen bereits serienmäßig, die beim Spring nur gegen Aufpreis erhältlich sind. Dazu gehört insbesondere die umfangreichere Ladeausstattung.
Beim Nissan Pixo ist der endgültige Preis dagegen noch unbekannt. Nissan will den erst im Dezember 2026 bekanntgeben. Der Marktstart ist für Anfang 2027 vorgesehen. Angesichts der Preise von Twingo und Spring dürfte Nissan allerdings kaum weit vom bestehenden Rahmen abrücken.
Unter 20.000 Euro erscheint als Zielsetzung naheliegend, ist aber noch keine offizielle Preisangabe. Damit ist der Pixo aktuell der große Unbekannte des Vergleichs. Technisch bringt er einiges mit, was ihn vom Dacia und Renault unterscheidet. Ob sich diese Ausstattung auch beim Preis bemerkbar macht, wird erst zum Jahresende feststehen.
