Marius Borg Høiby: Berufung nach Vergewaltigungs-Urteil
Unmittelbar nach der Urteilsverkündung in Oslo haben die Anwälte Petar Sekulic und Ellen Holager Andenæs ihren Mandanten Marius Borg Høiby (29) in der Haftanstalt aufgesucht. Im Anschluss teilten sie norwegischen Journalisten mit, dass der Sohn von Kronprinzessin Mette-Marit (52) das Urteil anfechten werde. Der 29-Jährige war unter anderem wegen zweifacher Vergewaltigung zu vier Jahren Gefängnis verurteilt worden.
Könnte das Berufungsverfahren 2027 starten?
Die Rechtsbeistände äußerten sich gegenüber "Dagbladet" unmissverständlich über das Gespräch: "Er ist natürlich sehr erfreut über die unserer Ansicht nach recht zahlreichen Freisprüche, aber er ist überzeugt, dass er bei den Vergewaltigungsvorwürfen eindeutig unschuldig ist." Seine frühere Partnerin Nora Haukland habe er zudem "in keiner Weise misshandelt". Die Verteidiger ergänzten: "Er ist sich absolut sicher, dass Berufung eingelegt werden muss." Laut den Anwälten könnte ein Berufungsverfahren im Jahr 2027 beginnen.
So zeigt sich das norwegische Königshaus auf Instagram:
Von zwei weiteren Anklagepunkten wegen Vergewaltigung wurde Marius Borg Høiby freigesprochen. Diese Freisprüche nahmen die Verteidiger mit Erleichterung auf. Das Strafmaß fiel erheblich geringer aus als von der Staatsanwaltschaft beantragt. Ankläger Sturla Henriksbø hatte sieben Jahre und sieben Monate Haft gefordert. Dass es "nur" vier Jahre wurden, sei eine logische Konsequenz daraus, dass Høiby nur für zwei der vier angeklagten Sexualstraftaten schuldig gesprochen wurde, erläuterte Henriksbø nach der Urteilsverkündung. Darüber hinaus muss Høiby insgesamt 640.000 Kronen Entschädigung an mehrere Geschädigte leisten und seinen Führerschein für ein Jahr und acht Monate abgeben.
Høiby selbst war bei der Urteilsverkündung nicht im Gerichtssaal anwesend, sondern verfolgte sie per Videoübertragung aus dem Gefängnis. Berichten zufolge wurde er vergangene Woche aus nicht näher genannten gesundheitlichen Gründen in ein Krankenhaus gebracht. Am Mittwoch erfolgte dann seine Verlegung in die Haftanstalt Ila in Bærum.
"Er will jetzt unbedingt raus"
Im Mittelpunkt der Argumentation der Verteidigung steht die Familie. Wiederholt betonten die Anwälte, wie bedeutsam für Høiby die Nähe zu seiner schwer erkrankten Mutter sei - und wie sehr umgekehrt die Familie ihn brauche. Kronprinzessin Mette-Marit leidet an einer chronischen Lungenfibrose und steht auf der Warteliste für eine Lungentransplantation.
Vor diesem Hintergrund stellte Sekulic erneut einen Antrag auf Freilassung seines Mandanten. Ein früherer Antrag war abgelehnt worden, zuletzt vor fünf Tagen durch das Berufungsgericht Borgarting. Aus Sicht der Verteidigung habe sich die Situation durch das Urteil geändert: Es müsse geprüft werden, ob eine fortgesetzte Inhaftierung verhältnismäßig sei - auch mit Blick auf den Wunsch der Mutter, bei ihrem Sohn zu sein, wie "VG" berichtete. Die Staatsanwaltschaft widerspricht und verweist auf eine weiterhin bestehende Rückfallgefahr.
Die Anwälte des 29-Jährigen schilderten nach dem Besuch in der Haftanstalt: "Es war hart. Der Strafprozess an sich ist schon schwierig genug, und dann ist da noch vor allem die gesundheitliche Situation der Mutter... Er will jetzt unbedingt raus." Eine Entscheidung über den erneuten Freilassungsantrag werde in Kürze erwartet, hieß es in norwegischen Medien.