"Wahnsinn!": Einschätzung von Expertin zum US-Sicherheitsrat verblüfft Markus Lanz
Eine weitere Eskalation des Iran-Krieges ist dank einer zweiwöchigen Waffenruhe vorerst vom Tisch. Dennoch sahen am Abend bei Markus Lanz beide Gäste keinen Anlass zu ganz großem Optimismus. Annett Meiritz, Journalistin und jahrelange US-Korrespondentin des "Handelsblatts", sagte: "Ich warne vor einer Entwarnung." Der Nahost-Experte Daniel Gerlach wollte ebenfalls noch nicht von einem "Deal" sprechen.
Zu undurchsichtig sei die Lage um die Straße von Hormus und den angrenzenden Ländern. Zu volatil auch das Verhalten des US-Präsidenten, wie Annett Meiritz im Polittalk bestätigte. "Donald Trump ist der ungeduldigste US-Präsident aller Zeiten", sagte sie. Er wolle unbedingt derjenige sein, der dem Mullah-Regime im Iran nach 47 Jahren ein Ende bereite. Der Iran ist in ihren Augen die Ausnahme, die Trump schon in seiner ersten Amtszeit mitdachte, wenn er ein Ende der "ewigen Kriege" der USA versprach.
Daniel Gerlach wies derweil darauf hin, dass es momentan noch keine fixe Vereinbarung, sondern lediglich einen Zehn-Punkte-Plan gebe. Über dessen Details gebe es zudem "sehr unterschiedliche Interpretationen". Der Nahost-Experte vermutete, dass das Papier einen längerfristigen Nichtangriffsvertrag, mögliche Vereinbarungen zur Straße von Hormus sowie Details zum Verzicht auf nukleare Anreicherung seitens des Iran beinhalte.
US-Expertin verblüfft ZDF-Moderator Markus Lanz
Auf die Gründe für den Angriff der USA angesprochen, attestierte Annett Meiritz dem US-Präsidenten eine gewisse Beratungsresistenz. Es habe zum Beispiel Warnungen zur Wehrhaftigkeit des Irans gegeben. Aber Trump wollte offenbar nur auf das hören, was er hören wollte. Als Wendepunkt in dessen Strategie wies die Journalistin auf mehrere Treffen des US-Präsidenten mit Benjamin Netanjahu hin. Auf ihn habe Trump "am meisten gehört". Der israelische Regierungschef habe seinen US-Kollegen möglicherweise von der militärischen Schwäche des Mullah-Regimes überzeugt. Wichtig sei, zu bedenken, "dass der Kreis der Menschen, die Donald Trump beeinflussen, sehr, sehr, sehr klein geworden ist". Nicht mehr als fünf oder sechs Menschen hätten überhaupt noch "das Ohr von Trump".
Ein Indiz dafür sei auch der Zustand des nationalen Sicherheitsrates der USA. "Wir haben ja eine komplette Neubesetzung der Geheimdienste unter Donald Trump", erklärte Meiritz. Der Präsident habe zwei Drittel der dortigen Mitarbeiter entlassen. Es habe zuletzt Fälle gegeben, dass Top-Diplomaten aus Deutschland und Europa keinen Draht ins Pentagon oder Außenministerium gefunden hätten, "weil man nicht genau wusste, wen man anrufen soll". "Wahnsinn!", entfuhr es Markus Lanz gleich zweimal. Immerhin geht es um die größte Militärmacht der Welt.
Hat Donald Trump bereits vor seinem Tweet vom Zehn-Punkte-Plan gewusst?
Als Markus Lanz mit seinen Gästen die erschreckende Rhetorik des US-Präsidenten auf seinem "Truth Social"-Kanal besprach, sorgte Daniel Gerlach beim Moderator für Verblüffung: "Es spricht aus meiner Sicht viel dafür, dass Trump in dem Moment, als er diesen letzten Tweet abgesondert hat, schon wusste, dass es einen Deal, eine Vereinbarung, gibt." Und weiter: "Wenn ich diese Information vor zwei Tagen hatte, dann gehe ich mal davon aus, dass es sehr viel andere gab, die diese Information hatten."
Das erstaunte den Gastgeber sehr. "Sie hatten die? Vor zwei Tagen?" Gerlach bejahte das. Nach seiner Einschätzung handele es sich bei der martialischen Botschaft um eine kalkulierte Drohgebärde von Trump. Der Regierungschef wolle damit bekunden, dass er die treibende Kraft hinter der Waffenruhe sei.
"Man hat das den Amerikanern so verkauft."
Der Moderator thematisierte dann noch die teils erstaunlich unzuverlässigen Informationen der Geheimdienste, etwa die fehlende Antizipation, was mit der Straße von Hormus geschehen würde oder auch die Fehleinschätzungen des Mossads über die Wehrhaftigkeit des Irans. Daniel Gerlach widersprach an dieser Stelle: "Die Israelis haben das nicht falsch eingeschätzt. Sie wussten, wie das Regime reagieren würde." Aber man müsse hier relativ zynisch sagen: "Man hat das den Amerikanern so verkauft." Für die israelische Führung sei es nicht so wichtig, ob das iranische Regime gestürzt wird oder nicht.
Der Nahost-Experte brachte Lanz dann plötzlich noch zum Lachen, als er Geheimdienste mit Filmausstattern verglich. Den Personen in der ersten Reihe ziehe man ein sehr detailliertes Kostüm an, die Personen im Hintergrund tragen dagegen unauffällige Kleidung. Auf einige sehr detaillierte Aktionen "sind die Geheimdienste sehr, sehr stolz". Es gebe aber auch Situationen, "wo die Geheimdienste im Dunkeln tappen".