So können Sie Demenz vorbeugen
Demenz ist eine der großen Volkskrankheiten in Deutschland. Insgesamt sind hierzulande 1,8 Millionen Menschen betroffen. Weltweit sind es 55 Millionen. Die Menschen werden tendenziell immer älter, daher ist damit zu rechnen, dass die Zahlen in den nächsten Jahren noch weiter ansteigen. Heilbar ist Demenz kaum, dafür kann man das Risiko durch Prävention senken.
Demenz kann jeden treffen. Die genetische Veranlagung spielt bei der Erkrankung eine Rolle, aber auch viele andere Faktoren können Demenz begünstigen. Einige davon können Sie beeinflussen. Natürlich gibt es keine Methode, mit der man Demenz zu hundert Prozent abwenden kann. Aber man kann die Wahrscheinlichkeit, an ihr zu erkranken, zumindest deutlich senken - durch eine Kombination aus verschiedenen Maßnahmen. Denn neben Alter und Veranlagung spielen Lebensstil, Bildung, Gesundheitszustand, Sinnesleistungen und soziale Einbindung eine wichtige Rolle. Wir verraten Ihnen, wie Sie Demenz vorbeugen können, damit sie auch im Alter geistig fit bleiben.
Was ist Demenz?
Demenz ist ein Oberbegriff für verschiedene Erkrankungen, bei denen geistige Fähigkeiten wie Sprechen, Orientierung, Erinnerungsvermögen und Konzentration über mindestens ein halbes Jahr hinweg nachlassen. Meist läuft diese Entwicklung schleichend ab, beginnend mit dem Kurzzeitgedächtnis. Anfangs wird Demenz häufig mit normaler Vergesslichkeit verwechselt, die im Alter generell zunimmt.
Alzheimer ist die mit Abstand am weitesten verbreitete Ursache für Demenz und betrifft etwa zwei Drittel aller Erkrankten. Ebenfalls relevant sind vaskuläre Demenzen, die durch eine gestörte Blutversorgung des Gehirns entstehen. Deutlich seltener treten frontotemporale Demenzen oder Demenzen auf, die Folge von Hirnverletzungen oder anderen neurologischen Erkrankungen sind.
Demenz lässt sich auch mit vorbeugenden Maßnahmen nicht komplett verhindern. Dennoch kann Prävention dazu beitragen, das Erkrankungsrisiko zu verringern oder den Ausbruch deutlich zu verzögern. Weil Alzheimer bislang nicht heilbar ist, spielt Vorbeugung eine besonders wichtige Rolle. Bestimmte Lebensstil- und Gesundheitsfaktoren gelten als entscheidende Ansatzpunkte.
Aktiv bleiben
Bewegung ist der Faktor schlechthin bei der Demenzprävention. Durch körperliche Aktivität wird die Durchblutung des Gehirns sowie die Bildung neuer Nervenzellen angeregt. Zugleich sinkt das Risiko für Übergewicht, Bluthochdruck und Diabetes. Dabei helfen nicht nur schweißtreibende Trainingseinheiten, sondern auch leichte Aktivitäten wie Spazierengehen, Walken, Radfahren oder Schwimmen.
Neben der körperlichen Aktivität ist auch die geistige Ertüchtigung sehr wichtig. Wer sich in seiner Freizeit nur vom Fernseher berieseln lässt, baut ab. Stattdessen sollten Sie Kreuzworträtsel lösen, lesen, eine neue Sprache lernen oder sich ins Programmieren von Websites hineinfuchsen. Das beste Training fürs Gehirn entsteht immer dann, wenn Routinen durchbrochen werden. Studien zeigen, dass Demenz in bildungsfernen Schichten besonders weit verbreitet ist. Das bedeutet nicht, dass mit Ihrer Ausbildung bereits die Weichen gestellt sind - Bildung muss schließlich nicht mit dem Schulabschluss enden, sondern kann ein Leben lang weitergehen. Hier muss auch die Politik ansetzen und gleiche Bildungschancen für alle Gesellschaftsschichten schaffen.
Grundsätzlich trägt ein bewusster Umgang mit der eigenen Gesundheit zur Demenzprävention bei. Unbehandelte Erkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes, aber auch andere gesundheitliche Probleme, können Demenzerkrankungen begünstigen. Wichtig ist daher, Vorsorgeangebote regelmäßig wahrzunehmen und Beschwerden frühzeitig ärztlich abklären zu lassen.
Soziale Teilnahme
Einsamkeit und soziale Isolation begünstigen Demenz erwiesenermaßen. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass soziale Kontakte, Gespräche, gemeinsame Unternehmungen und emotionale Nähe Demenzerkrankungen vorbeugen. Zugleich schützt der Kontakt zu Menschen vor Depressionen und damit vor einem weiteren Risikofaktor für Demenz.
Ernährung
Auch die Ernährung spielt eine zentrale Rolle bei der Demenzvorbeugung. Ein ausgewogener Speiseplan mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten und gesunden Fetten unterstützt die Gehirngesundheit auf vielfältige Weise. Das sieht man auch auf der japanischen Insel Okinawa, wo die Menschen dank ihrer Ernährung besonders alt werden und dabei bis ins hohe Alter geistig und körperlich fit bleiben.
Auch Blutdruck, Cholesterin und Blutzucker haben großen Einfluss auf die Gesundheit des Gehirns. Sind die Werte dauerhaft erhöht, können sie die feinen Gefäße schädigen und entzündliche Prozesse fördern, die das Demenzrisiko steigern. Regelmäßige Checks, ausreichend Bewegung, eine ausgewogene Ernährung und gegebenenfalls Medikamente helfen, die geistige Leistungsfähigkeit länger zu bewahren.
Diese Faktoren können Demenz begünstigen
Der Konsum von Alkohol schädigt die Nervenzellen unmittelbar und trägt daher erheblich zum Demenzrisiko bei. Besonders problematisch ist das Rausch-Trinken, aber auch der regelmäßige Konsum von kleineren Mengen wirkt sich bereits negativ aus. Genauso schädlich ist Rauchen, da Nikotin die Durchblutung verschlechtert und Gefäße sowie Nervenzellen schädigen kann.
Depressionen treten oft im Zusammenhang mit Demenz auf - nicht nur als Folge davon, sondern oft auch als Mitauslöser. Sie führen häufig zu weiteren Belastungen wie sozialem Rückzug oder mangelnder Bewegung. Sich frühzeitig Hilfe zu suchen, ist hier das A und O. Eine Psychotherapie und gegebenenfalls eine begleitende Behandlung mit Medikamenten können die mentale Gesundheit wieder verbessern.
Übergewicht kann, ähnlich wie Depressionen, sowohl ein Risikofaktor für als auch eine Folge von Demenz sein. Zahlreiche weitere Faktoren, die Demenz begünstigen, hängen mit Übergewicht zusammen, so etwa Bewegungsmangel, Herz-Kreislauf-Gesundheit und Diabetes. Wer Übergewicht vorbeugt, beugt damit zugleich Demenz vor - und viele weitere Erkrankungen.
In Deutschland gilt Smog als vergleichsweise geringer Risikofaktor für Demenz. In Ländern mit stark belasteter Stadtluft wie etwa Indien kann Luftverschmutzung jedoch zur Erkrankungswahrscheinlichkeit beitragen. Feine Schadstoffe gelangen über die Atemwege in den Blutkreislauf, fördern Entzündungen im Gehirn und schädigen dort die Gefäße.
Der Einfluss von Kopfverletzungen auf das Demenzrisiko wird häufig unterschätzt. Stürze im höheren Alter sowie schwere oder wiederholte Kopfverletzungen in der Jugend können die Entstehung einer Demenz begünstigen. Boxer sind einem besonders hohen Risiko ausgesetzt, doch auch in anderen Sportarten kann es zu gefährlichen Unfällen kommen. Ein wichtiger Schutz ist das Tragen eines Helms.
Ein lebensbegleitendes Thema
Die aufgeführten Präventionsmaßnahmen zeigen: Demenzvorbeugung ist ein lebenslanges Thema. Treten bereits die ersten Symptome auf, ist es meist zu spät. Nur wer die Risikofaktoren kennt und meidet, hat die Chance, sein Erkrankungsrisiko zu senken. Aufklärung und eine frühzeitige Sensibilisierung für die Zusammenhänge ist daher unerlässlich.
Demenzprävention ist vielschichtig, da sich zahlreiche Risikofaktoren gegenseitig beeinflussen und Ursache und Wirkung nicht immer klar zu trennen sind. Sicher ist jedoch, dass viele der Faktoren veränderbar sind. Trotzdem glauben immer noch die meisten Menschen, dass Demenz kaum vermeidbar oder genetisch bedingt ist. In Wirklichkeit spielt die Veranlagung aber nur eine untergeordnete Rolle.