"Sing meinen Song"-Star performt Lied über verstorbene Mutter des Grafen: "Wenn ich das gewusst hätte ..."
Nein, für Menschen, die nah am Wasser gebaut sind, war die dritte Folge von "Sing meinen Song" nichts. Tränen flossen an diesem Abend, der ganz im Zeichen von Unheilig stand, in Massen. Das lag vor allem daran, dass es ziemlich viel um Verlust ging. Sogar Mark Forster, der sonst nie um einen flapsigen Spruch verlegen ist, weinte sich in den Armen des Grafen aus. Doch der Reihe nach.
Gut neun Jahre war der Graf von Unheilig aus der Öffentlichkeit verschwunden. "Ich bin nach Hause gefahren nach dem letzten Konzert in Köln, habe mir den Bart abrasiert, meine Handynummer geändert und alles verkauft und verschenkt, was die Musik angeht", erzählte er Gastgeber Johannes Oerding. Er wünschte sich damals mehr Zeit mit seiner Familie, kaufte sich ein kleines Wohnmobil und fuhr mit seiner Frau nach Spanien.
So präsentiert sich Mark Forster bei Instagram
Auch mit seinen Eltern machte er viel Urlaub. "Ich würde es immer wieder so machen. Ich weiß, das war für viele schwer, aber für mich und meine ganze Familie war es wichtig." Doch irgendwann fehlte ihm die Musik. Mit seinem neuen Album "Glaube Liebe Monster" hat er gerade ein beeindruckendes Comeback gefeiert.
"Heulen ist ein bisschen wie schwitzen"
Aber natürlich wollte Gastgeber Johannes Oerding mit dem Grafen auch über seine Anfänge plaudern - und die liegen in der Gothic-Rock-Szene. Damals sei er mit Brokat-Mantel, weißen Kontaktlinsen und schwarz lackierten Fingernägeln aufgetreten. "Was ist denn ein Brokatmantel?", wollte Forster wissen. "Ich sah aus wie Jack Sparrow", so der Graf. "Ich habe mich versteckt hinter einer Kunstfigur."
2009 war er kurz davor, den Traum von der Musikkarriere aufzugeben - doch dann gelang ihm mit "Geboren um zu leben" der große Durchbruch. Geschrieben hat der Graf den Song für einen verstorbenen Jugendfreund. "Da ist so viel Trauer und Verlust drin und trotzdem hat er diese lebensbejahende Seite. Eigentlich ist das eine Ode ans Leben", sagte Alina Süggeler, bevor sie den Song zur Frida-Gold-Elektropop-Nummer machte. Dicke Krokodilstränen kullerten dabei über die Wangen des Grafen. "Das geht aber jetzt nicht so weiter", bangte er danach.
Ging es aber sehr wohl, denn als Nächstes war Mark Forster mit "So wie du warst" an der Reihe - ein Song, den der Graf für seinen verstorbenen Schwiegervater geschrieben hat. "Bei mir ist Verlust immer sehr schwer und ich brauche die Musik, um das zu verarbeiten", sagte er. Mark Forster hingegen hat "das große Glück, dass ich nicht viele Menschen verloren habe, die mir nahe sind. Es gibt aber einen Menschen", sagte Forster - und dann blieben ihm die Worte im Halse stecken und auch ihm kamen die Tränen.
Mit 18 sei ein Jugendfreund von ihm verunglückt. Auf ihn hatte Forster den Text umgeschrieben: "43 Jahre, 25 ohne dich / Ich hab jetzt graue Haare / Davon die meisten im Gesicht / Ich weiß nicht ob du's sehen kannst / Doch unser Traum der hat geklappt", sang er. Beim Grafen kullerten erneut die Tränen. "Heulen ist ein bisschen wie schwitzen. Das kann man nicht groß planen oder verhindern. Es hat mich überkommen", sagte Forster danach: "War irgendwie auch ein schöner und befreiender Moment. Und wo kann man sich mal richtig ausheulen, wenn nicht in den starken Armen des Grafen?"
Der Graf spricht über den Tod seiner Eltern
Weiter ging es mit Schlager-Rapper Tream, der den Song "Unter deiner Flagge" ausgewählt hatte. Was er nicht wusste: Kurz vor der Aufzeichnung von "Sing meinen Song" - und kurz nach dem Tod seines Vaters - ist die Mutter des Grafen verstorben, für die er diesen Song geschrieben hatte. "Das hat mir in dem Moment den Boden unter den Füßen gerissen", so der Graf. Zunächst habe er seine Teilnahme an der Show abgesagt. Doch am Ende habe er sich, ermutigt von seiner Mutter, entschieden doch zu fliegen. "In der Nacht bevor der Flieger ging, ist sie dann gestorben."
"Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich den Song glaube ich nicht genommen", so Tream. Aber zu spät. Er hatte den Song auf Bairisch umgeschrieben, als Tribut an seinen Vater. "Ich hab mit meiner Mutter seit Jahrzehnten keinen Kontakt. Ich will da jetzt nicht tiefer reingehen. Jedenfalls hat mein Papa sich immer aufgeopfert für uns." Bei seiner Performance wurde es tatsächlich mal kurz ausgelassen und die ganze Couch tanzte.
Deine Cousine präsentierte anschließend eine Hommage an ihre Wahlheimat Hamburg, und zwar mit dem Song "Große Freiheit". Dafür holte sie das Schifferklavier ihres Großvaters heraus. "Er ist vor zwei Jahren gestorben, mit stolzen 93. Zwei Wochen vor seinem Tod hat er mir dieses Instrument geschenkt und gesagt: 'Ina, ich hab gedacht, dass du das mal vor ein paar Tausend Leuten spielen kannst'." Wochenlang habe sie extra Unterricht genommen - und das hat sich gelohnt. Der Graf kriegte sich vor Begeisterung kaum noch ein und rockte richtig mit.
Tränen auch bei Oerding
Der Graf selbst durfte natürlich auch ein Lied präsentieren - und zwar "Spiegel" aus seinem aktuellen Album. Gastgeber Johannes Oerding derweil hatte sich mal wieder einen schweren Brocken vorgenommen: Den Song "Ein guter Weg" schrieb der Graf basierend auf seinem Engagement für kranke Kinder, die er in Krankenhäusern und Hospizen besucht. "Es gibt keinen Ort, wo ich mehr Leben gesehen und gefühlt habe, als da. Wir haben in der Teeküche alle zusammen 'Geboren um zu leben' gesungen", sagte der Graf.
"Das kann ich alles unterschreiben, weil ich das genauso gefühlt habe", sagte Oerding, der sich in der gleichen Sache engagiert. Bei Oerdings Performance kullerten mal wieder die Tränen. "Johannes, dass du dem ganzen eine Plattform gegeben hast - ich bin total gerührt. Es ist wirklich reinigend, wenn man mal zusammen weint", so der Graf. "Und wir haben halt das große Privileg, dass wir eine Stimme haben und die sollten wir vielleicht einfach mal nutzen."
Nach so viel zum Thema Verlust war es am Ende noch Zeit für ein bisschen Liebe: Giovanni Zarrella sang "Du bist meine Heimat" - ein Song, den der Graf als Dank an seine Frau geschrieben hat, die er schon seit 50 Jahren kennt. Zarrella widmete ihn seiner Frau Jana Ina - inklusive eines Teils in ihrer Muttersprache Portugiesisch. "Ich erinnere mich noch, wie meine Frau den Song das erste Mal gehört hat", so der Graf zu Zarrella. "Freu dich aufs Nachhausekommen!"
Und die Protea für den Song des Abends? "Es gibt einen, da schaue ich sehr zu auf. Das ist ein großer Denker. Der hat heute was gemacht, das ihm sehr schwergefallen ist", sagte der Graf zum Schluss. Ja, damit meinte er Mark Forster. "Das ist ein wirklich besonderer Abend für mich. Ich funktioniere schon über den Kopf, aber manchmal auch über andere Körperteile wie das Herz", zeigte der sich noch mal richtig nachdenklich. "Dieser Abend heute gibt mir zu denken und zu fühlen."