Gegen die Widerstände: Volleys erzwingen das "Traumfinale"
Die Berlin Recycling Volleys trotzen den Widerständen und erreichen das Finale. Im Kampf um die zehnte Meisterschaft in Serie wartet der Pokalsieger.
Am Ende eines langen und turbulenten Wochenendes atmeten die Volleyballer der Berlin Recycling Volleys erleichtert auf - und blickten mit positiver Aufregung auf die nächste Titelchance. "Jetzt freuen wir uns auf das Finale", sagte der spontan in die Bresche gesprungene Trainer Markus Steuerwald nach dem Finaleinzug seiner Mannschaft, "und so geht es wahrscheinlich ganz Volleyball-Deutschland."
Der deutsche Serienmeister setzte durch einen 3:0-Sieg gegen den Dauerrivalen VfB Friedrichshafen ein Statement im entscheidenden dritten Spiel der Halbfinalserie, nur wenige Tage nach dem kurzfristigen Abschied von Cheftrainer Alexandre Leal. Nun wartet im Titelrennen der Bundesliga das Kräftemessen mit Pokalsieger SVG Lüneburg. "Das Duell, was die Leute am Ende dieser Saison sicher sehen wollen", nannte es Steuerwald, der die Mannschaft in kürzester Zeit richtig einstimmte und dafür sorgte, dass sie trotz der Störgeräusche cool blieb.
Der glatte Sieg gegen den ewigen Konkurrenten Friedrichshafen, bei dem der langjährige Nationalspieler Marcus Böhme nach dem Spiel in den Ruhestand verabschiedet wurde, sendete ein Signal an den Konkurrenten aus Lüneburg. Berlins Routinier Ruben Schott reichte den Druck aber mit Freude zum Cupsieger und Tabellenersten der Hauptrunde weiter. "Ich schiebe den Ball gern zu ihnen - sie sind als Tabellenführer in die Playoffs gegangen. Von daher sind sie in einer kleinen Favoritenrolle."
Die Übernahme durch Assistent Steuerwald brachte Serienmeister Berlin nicht vom Kurs ab. Er war kurzfristig eingesprungen, weil Coach Leal drei Tage vor dem Entscheidungsspiel aufgrund von "familiären Problemen" die Reißleine gezogen und den Serienmeister geradezu überrumpelt hatte. Steuerwald sprang ein und habe gleich "eine ungeheure Ruhe" ausgestrahlt, sagte Schott bei Dyn. Von Nervosität sei keine Spur gewesen: "Er hat vor dem Spiel klare Worte gefunden. Das hat uns ganz gut geholfen."
Vor dem Finale werde es dagegen "nicht viele motivierende Worte von Markus" brauchen, versicherte Schott. Die SVG empfängt Rekordmeister Berlin zum ersten Spiel der Best-of-five-Serie schon am Mittwoch (20.00 Uhr/Dyn). "Ich habe extrem Bock. Endlich hat Lüneburg das auch mal geschafft", sagte Schott. In den vergangenen Jahren habe Lüneburg "so geile Saisons gespielt, sich aber hinten raus nie belohnt".
Der Vorteil der längeren Regenerationszeit liegt nach dem glatten 2:0-Erfolg im Halbfinale über die Powervolleys Düren bei Lüneburg, der direkte Vergleich mit den Berlinern steht in dieser Saison ausgeglichen: Von den Duellen der Hauptrunde gewannen beide Teams je eins. Im letztjährigen Finale hatten die routinierten Berliner Lüneburg dagegen mit 3:0 abserviert.
Dass die BR Volleys auch in diesem Jahr den Titel gewinnen werden, ist für Schott ausgemachte Sache, er weiß auch schon, wann. "Spiel vier - hoffentlich", sagte er mit einem Augenzwinkern. Wohl wissend, dass der Pokalsieger ein Wörtchen mitreden wird.