Erstmals Meister: Suhl und das "Wunder von der Wolfsgrube"
Erstmals Meister, sogar das Double - Deutschlands neue Hauptstadt im Frauen-Volleyball liegt im Thüringer Wald.
Laszlo Hollosy stand im Konfettiregen und hielt zu den Klängen von "We Are the Champions" die Meisterschale in den Händen. "Das ist mehr als ein Traum", sagte der Trainer des VfB Suhl, während auf den Rängen der kleinen Sporthalle Wolfsgrube die "AlwaySUHLtras" eine Party feierten. Erstmals Meister, sogar das Double - Deutschlands neue Hauptstadt im Frauen-Volleyball hat gerade einmal 34.000 Einwohner und liegt im Thüringer Wald.
"Ein kleiner Verein wie der VfB Suhl gewinnt Pokal und Meisterschaft - das ist einfach unglaublich. Vor allem, wenn man unser Budget mit Dresden, Stuttgart oder Schwerin vergleicht", sagte Hollosy dem MDR nach dem klaren 3:0 in der Finalserie gegen den Dresdner SC. Seit sechs Jahren trainiert der Ungar den VfB, den er vom letzten Platz in der Corona-Saison 2019/20 schrittweise nach oben und nun sogar in die Champions League führte.
"Wir haben Suhl und Thüringen stolz gemacht. Das ist unglaublich. Das ist historisch", sagte Hollosy, dessen Team in den Playoffs ohne Niederlage blieb. Auch Libera Emma Sambale wähnte sich nach dem letzten Ballwechsel wie in einem Märchen: "Der Pokalsieg war schon surreal. Dann der Finaleinzug, unfassbar. Und jetzt das. Das ist so krass."
Lange Zeit war der VfB eher ein Sorgenkind. 2016, damals trat das Team noch unter dem Namen VolleyStars Thüringen an, gelang der Klassenerhalt nur durch den Rückzug des VT Aurubis Hamburg. In der Saison 2017/18 musste Suhl sogar ins Exil nach Meiningen, weil die eigene Halle nur über eine Höhe von 7,56 statt der geforderten neun Meter verfügte und umgebaut werden musste.
Dann kam Hollosy, und es ging aufwärts. Vor allem in dieser Saison: Ende Februar hatte Suhl in Mannheim mit einem 3:2-Erfolg gegen den Hauptrundensieger Allianz MTV Stuttgart den DVV-Pokal gewonnen. Im Kampf um die Meisterschaft warf der VfB dann den VC Wiesbaden sowie Titelverteidiger SSC Palmberg Schwerin aus dem Rennen. Der Lohn: In der kommenden Saison sind Europas Topklubs am Rennsteig zu Gast.
Erst aber steht noch eine große Party an. Am Freitagabend steigt im Atrium des Congress Centrum Suhl die große Abschlussfete mit Spielerinnen und Fans. Zu feiern gibt es schließlich genug.