Abschied zur Unzeit: Leal stellt Volleys-Welt auf den Kopf
Vor dem Do-or-Die-Spiel im Halbfinale verlässt der Trainer die BR Volleys. Für Berlin ist es die nächste Hürde in einer komplizierten Saison.
Alexandre Leal stellte die Welt der Berlin Recycling Volleys vor dem Do-or-Die-Spiel auf den Kopf. "Ja, es hat mich schon sehr überrascht", sagte Geschäftsführer Kaweh Niroomand dem Tagesspiegel. Aufgrund von "familiären Problemen" in seiner Heimat Brasilien zog Trainer Leal mitten in der heißen Saisonphase die Reißleine, trat von seinem Posten zurück - und überrumpelte den Serienmeister vor dem entscheidenden Halbfinal-Duell der Volleyball-Bundesliga mit dem VfB Friedrichshafen.
"Er hat sich am Mittwoch relativ spontan gemeldet und um ein Treffen gebeten", sagte Niroomand, der zuvor schon gemerkt habe, dass es dem Coach "in den letzten ein, zwei Wochen nicht gut ging – seine sonstige Entspanntheit war weg". In dem Gespräch habe Leal dann von seinen privaten Schwierigkeiten erzählt, "die ihn nervlich stark belasten. Dadurch könne er seine Arbeit momentan nicht so ausführen, wie er es sich vorstellt."
Für die Berliner ist es die nächste Hürde in einer komplizierten Saison. Erst im Januar hatte sich der Hauptstadtklub nach einem schwachen Start vom vorherigen Erfolgstrainer Joel Banks getrennt. "Natürlich" sei es "schwer", sagte Niroomand, der Leal aber keine Steine in den Weg legen wollte. "Es ist eine Herausforderung abzuwägen, aber ich habe meinen klaren Kompass: Familie und menschliche Aspekte haben Vorrang vor Meisterschaften, Siegen und Niederlagen", meinte der 73-Jährige. Sport sei "wichtig, keine Frage. Aber er steht nicht über allem."
Und so mussten sie in Berlin umplanen, viel Zeit vor Spiel drei am Sonntag (17.00 Uhr/Dyn) in der Max-Schmeling-Halle bleibt nicht. "Wir können jetzt keinen Trainer von außen holen, das brauchen wir auch nicht", sagte Niroomand. Stattdessen übernimmt Leals Assistent Markus Steuerwald bis Saisonende. Dieser werde seinen neuen Part "hundertprozentig gut machen", sagte der Geschäftsführer, "da bin ich vollkommen sicher und beruhigt".
Doch die Aufgabe hat es in sich. Soll der Einzug in das Finale gegen die SVG Lüneburg gelingen und der Traum vom zehnten Meistertitel in Serie am Leben bleiben, müssen die Berliner das dritte Aufeinandertreffen mit den Häflern gewinnen. "Ja, es geht um alles", unterstrich Niroomand.
Er hoffe, dass die aktuelle Situation im Verein "der Mannschaft einen zusätzlichen Ruck gibt. Leal hätte die Saison gern mit dem Meistertitel beendet", sagte Niroomand: "Ein Stück weit können die Spieler ihm das nun zurückgeben, indem sie sich für ihn noch einmal richtig ins Zeug legen."
Trotz seines Abschiedes aus heiterem Himmel ist derweil für Leal die Tür bei den BR Volleys nicht geschlossen. "Ich habe ihm auch wegen seiner Zukunft Mut gemacht: Er hat hier einen Vertrag, wir halten seinen Platz frei", erklärte Niroomand: "Darum muss er sich jetzt erstmal keine Sorgen machen."