Sommergrippe: Warum viele trotz Hitze krank werden
Sonne, 30 Grad - und trotzdem läuft die Nase, der Hals kratzt und der Körper fühlt sich schlapp an. Eine Erkältung mitten im Sommer wirkt erstmal widersprüchlich, ist aber gar nicht so selten. Der Begriff "Sommergrippe" beschreibt keine eigene Krankheit, sondern eine normale Virusinfektion, die auch bei hohen Temperaturen auftreten kann. Aber woran liegt das?
Wie kann man sich im Sommer überhaupt erkälten?
Erkältungen werden nicht durch Kälte, sondern durch Viren ausgelöst - meist sogenannte Rhinoviren. Laut dem Robert Koch-Institut (RKI) zirkulieren diese Viren das ganze Jahr über, nicht nur im Herbst und Winter. Infizieren kann man sich also unabhängig von der Außentemperatur. Trotz Namensähnlichkeit ist die Sommergrippe in der Regel keine echte Grippe. Letztere wird durch Influenza-Viren ausgelöst und verläuft oft mit deutlich stärkeren Symptomen und Fieber. Die Influenza-Erreger gibt es jedoch im Sommer nur selten - eine Grippeimpfung hilft also nicht gegen die Sommergrippe.
Im Sommer kommen dafür andere Bedingungen zusammen, die Infektionen manchmal sogar begünstigen können: Viele Menschen verbringen Zeit in geschlossenen, klimatisierten Räumen, reisen häufiger und haben mehr soziale Kontakte. Genau dadurch können sich Viren leicht verbreiten.
Klimaanlage, Zugluft und Temperaturwechsel
Ein häufiger Verdacht: Klimaanlagen machen krank. Tatsächlich sind sie nicht direkt die Ursache für Infekte - aber sie können das Risiko indirekt erhöhen. Starke Temperaturunterschiede zwischen draußen (30 Grad oder mehr) und drinnen (20 Grad oder weniger) belasten die Schleimhäute. Diese trocknen schneller aus und sind dadurch anfälliger für Viren.
Auch Zugluft im Flugzeug, im Zug oder im Büro kann die Schleimhäute reizen. Das macht es Erregern leichter, sich im Körper festzusetzen.
Sommerfeste, Reisen und Menschenmengen
Im Sommer ist man oft unterwegs: Festivals, Urlaube, Grillabende, volle Strände oder überfüllte Züge. Laut dem RKI steigt das Risiko für Atemwegsinfektionen immer dann, wenn viele Menschen auf engem Raum zusammenkommen - unabhängig von der Jahreszeit.
Extreme Hitze bedeutet generell Stress für den Körper. Wenn er gleichzeitig versucht, die Temperatur zu regulieren, kann das Immunsystem kurzfristig weniger effizient arbeiten. Dazu kommt oft Dehydrierung: Wer bei Hitze zu wenig trinkt, trocknet Schleimhäute schneller aus - und genau diese sind eine wichtige Schutzbarriere gegen Viren. Hinzu kommt: Auf Reisen ist der Schlaf oft schlechter, der Körper ist gestresst, und das Immunsystem kann vorübergehend geschwächt sein.
So sorgt man gegen die Sommergrippe vor
Zu den üblichen Vorsorgetipps auch gegen die Sommergrippe gehören regelmäßiges Händewaschen, gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung für ein aktives Immunsystem. Speziell im Sommer gilt außerdem: Die Klimaanlage nicht zu kalt einstellen - der Temperaturunterschied zu draußen sollte lediglich vier bis sechs Grad betragen - und direkte Zugluft zum Beispiel durch den Ventilator vermeiden.
Wer bei steigenden Temperaturen viel trinkt, schützt den Körper und auch die Schleimhäute vorm Austrocknen. Und um auch bei Sommerwetter eine Unterkühlung zu vermeiden, sollte man sich nach dem Baden zeitnah abtrocken und die nasse Badekleidung wechseln - und abends bei sinkenden Temperaturen und aufkommendem Wind lieber etwas überziehen.