Baugenehmigungen steigen - deutliches Plus seit Jahresbeginn
Im seit Jahren kriselnden Wohnungsbau in Deutschland zeichnet sich Besserung ab. Im Juli wurden 22.500 Wohnungen genehmigt, 1,9 Prozent mehr als im Vorjahresmonat, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte.
Damit hält der Aufwärtstrend aus dem ersten Halbjahr an, als die Baugenehmigungen um gut 15 Prozent Plus zugelegt hatten - der stärkste Anstieg für ein erstes Halbjahr seit 2016. Die Baugenehmigungen sind ein Indikator für den Kampf gegen Wohnungsmangel und steigende Mieten.
Neubauten dominieren
Von Januar bis Juli wurden Baugenehmigungen für 148.800 Wohnungen in neuen und bestehenden Gebäuden erteilt, wie die Statistiker berichteten. Das waren knapp 13 Prozent oder 17.000 mehr als im Vorjahreszeitraum. In neu zu errichtenden Gebäuden wurden von Januar bis Juli 121.200 Wohnungen genehmigt (plus 13,5 Prozent).
Dabei stieg die Zahl der Baugenehmigungen für Einfamilienhäuser um fast zehn Prozent auf 27.900. Bei den Zweifamilienhäusern nahm die Zahl genehmigter Wohnungen um ein Viertel auf 8.900 zu. In Mehrfamilienhäusern, der zahlenmäßig stärksten Gebäudeart, genehmigten die Behörden 79.700 Neubauwohnungen, gut 15 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.
Bessere Stimmung, aber höhere Zinsen
Erst zuletzt hatte das Ifo-Institut ein besseres Geschäftsklima im Wohnungsbau beobachtet. "Die Unternehmen sehen zunehmend Licht am Ende des Tunnels", so das Ifo. "Die steigenden Baugenehmigungen nähren die Hoffnung, dass sich die Auftragslage in den kommenden Monaten belebt."
Die erneut gestiegenen Baugenehmigungen seien eine gute Nachricht, da üblicherweise mit Verzögerung damit auch der Wohnungsbau anziehe, sagte Sebastian Dullien, wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung der Hans-Böckler-Stiftung. Allerdings drohe wegen der gestiegenen Energiekosten und höherer Kreditkosten eine Abschwächung. Seit Anfang des Jahres seien die Zinsen auf 10-jährige Immobilienkredite um 0,5 Prozentpunkte gestiegen. "Die gestiegenen Zinsen machen den Wohnungsbau weniger bezahlbar, und das dürfte absehbar zu einem Dämpfer für die Baugenehmigungen führen."
Skeptisch ist auch Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe. Zwar bleibe es beim positiven Signal für den Wohnungsbau, die Erholung komme aber von einem historisch niedrigen Niveau. Beim Neubau-Etat 2027 dürfe die Bundesregierung nicht kürzen und der Entwurf für den Gebäudetyp E mit einfacheren und billigeren Standards am Bau müsse raus aus der politischen Beratungsschleife. "Mehr Tempo ist gefragt."
In Deutschland fehlen geschätzt etwa eine Million Wohnungen. Vor allem in Ballungsräumen ist bezahlbarer Wohnraum knapp. Im vergangenen Jahr wurden hierzulande so wenige Wohnungen fertiggestellt wie seit 2012 nicht: 206.600 oder 18 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Bundesregierung will mit einem "Bau-Turbo" über schnellere Genehmigungen den Wohnungsbau voranbringen und hat Förderprogramme für energieeffizientes Bauen reaktiviert.