Warum dieser seltene Opel zur Wertanlage wird
Mit dem Speedster brachte Opel kurz nach der Jahrtausendwende einen Roadster heraus, der im Opel-Portfolio einzigartig bleiben sollte. Nicht nur beim Turbo, auch bei der leichter zu findenden Version mit 2,2-Liter-Saugmotor ziehen die Preise mittlerweile deutlich an.
Gerne wird der Speedster mit dem unvergessenen Opel GT verglichen, der von 1968 bis 1973 gebaut wurde. Das passt insofern, als beide im Opel-Portfolio ihrer Zeit einzigartig waren: als reine Zweisitzer konzipiert, mit minimalem praktischem Nutzen, angetrieben dennoch von eher braven, zuverlässigen Großserienmotoren aus dem Opel-Programm.
Entscheidender Unterschied: Der alte GT ist in den 60er-Jahren von Opel selbst entwickelt worden und somit – abgesehen von der ans Chevrolet-Corvette-Design angelehnten Karosserie – durch und durch ein Opel; Fahrwerk und Bodengruppe entsprechen weitgehend denen des Kadett B, auch die Motoren stammen aus dem Opel-Regal. Der Speedster hingegen wurde von Lotus entwickelt, das sich von 1986 bis 1993 im Besitz von GM befand, und entspricht weitgehend der Elise S1. Deren GFK-Karosserie wurde allerdings durch eine Opel-eigene ersetzt.
Lotus-Elise-Gene
Der Preis lag bei seinerzeit als hoch empfundenen rund 63.000 Mark für den Sauger. Publikum wie Fachpresse reagierten dennoch angenehm überrascht. Frank Wilke vom Marktbeobachter Classic-Analytics in Bochum: "Alle Jahre wieder kommt von Opel ein Auto, das niemand erwartet hätte, der Speedster reiht sich daher hinter Lotus Omega und dem ersten Opel GT ein."
Während das aus einer Aluminium-Legierung gefertigte Chassis von Speedster und Elise weitgehend identisch ist, ging Opel bei den Motoren einen eigenen Weg. Anstelle der von Lotus seinerzeit bevorzugten Rover-Aggregate sind Großserien-Vierzylinder von Opel verbaut, zunächst ein 2,2-Liter-Sauger, 2003 kam für rund 10.000 Mark mehr ein 200 PS starker Zweiliter-Turbo hinzu, bekannt unter anderem aus Opels OPC-Modellen. Dank Leichtbauweise wiegen beide Versionen nur wenig mehr als 900 Kilo.
Opel selbst versuchte später den Bogen zurück zum alten GT zu schlagen und taufte im Jahr 2007 das als Nachfolger des Speedster gedachte Modell wiederum GT. Als Ersatz für den Speedster, zu dem er optisch deutliche Parallelen zeigte, taugte der neue GT aber nur bedingt. Mit Front- statt Mittelmotor und über 1400 Kilogramm Gewicht geriet er im Vergleich nämlich deutlich weniger dynamisch.
2,2-Liter leichter zu finden
Vom Ur-GT unterscheiden sich beide in einem Punkt gleichermaßen: Die Produktionszahlen liegen deutlich niedriger. Vom klassischen GT wurden über 100.000 Stück verkauft, vom neuen exakt 7619 Exemplare. Ähnlich sind die Zahlen mit 7207 beim Speedster. Frank Wilke: "Obwohl er nicht ganz so radikal ist wie der technisch verwandte Lotus Elise, hielten sich die Neuwagenverkäufe beim Speedster auch wegen des relativ hohen Preises in Grenzen, auf dem Gebrauchtwagenmarkt erwies er sich aber schnell als überraschend wertstabil."
Etwa ein Fünftel der Produktion machte der Turbo aus, der auch schneller eine Rolle als gesuchtes Liebhaberobjekt einnahm. Mittlerweile ist auch der 147 PS starke Sauger im Fokus der Sammler gelandet. Während die Kurve nämlich bis 2018 nach unten zeigte, hat sich die Entwicklung seitdem umgekehrt. Frank Wilke: "Perspektivisch wird sich der Wert des Speedster eher nach oben entwickeln."
Grundsätzlich robuste Technik
Speedster 2.2 mit Optimierungspotenzial gibt es unter 20.000 Euro, Top-Fahrzeuge sind mitunter schon deutlich teurer. Alles in allem ist das Angebot groß genug, um Exemplare in zweifelhaftem Zustand von vornherein bei der Suche aussortieren zu können. "Bei Unfallfahrzeugen ist besondere Vorsicht geboten", warnt Wilke, "weil Reparaturen am Aluminium-Chassis nichts für Hobbyschrauber sind."
Weniger Sorgen als der Rest des Speedster bereitet generell der Antrieb. Zum einen gilt insbesondere der Saugmotor Z22SE als robust, zum anderen funktioniert auch der Teilenachschub bis heute sehr gut. Frank Wilke: "Während Teile für den Motor problemlos und günstig zu bekommen sind, wird es bei Fahrwerkskomponenten schon schwieriger." Zeit also, einzusteigen, zumal auch das Preisniveau – noch – relativ niedrig ist.
Stärken
- Niedriges Gewicht, dadurch exzellente Fahrleistungen
- Agiles, kurvenwilliges Fahrwerk, gute Bremsen, super Optik
- Gute Versorgung mit Motor- und den meisten Technikteilen
Schwächen
- Spartanische Ausstattung, selbst Servolenkung und Klimaanlage nicht lieferbar
- Vorsicht bei Unfallschäden, Aluminium-Chassis schwierig zu reparieren
- Kleiner Kofferraum, knapp geschnittene Fahrgastzelle, geringe Alltagstauglichkeit
