7 Kauftipps für die Cabrio-Saison
Offene Klassiker in der Kaufberatung: Worauf bei Ford Thunderbird, Honda S800, Porsche Boxster und anderen zu achten ist, was sie kosten und zu wem sie passen.
Was macht im Sommer mehr Laune als eine Tour über die Lieblingsstrecke im klassischen Cabrio? Wir haben sieben Tipps für ganz unterschiedliche Typen zusammengestellt: Je nachdem, ob Sie lieber zu einer kompromisslos offenen Genusstour über Land starten oder schnell mal zu zweit übers Wochenende wegfahren möchten – Autobahnetappen und Gepäck inklusive.
Welcher Roadster soll es sein?
Manche mögen lieber das knorrige Wesen eines britischen Roadsters und schätzen übersichtliche Technik, an der Selberschrauben Freude macht. Dann könnte ein MGA genau das richtige Auto sein. Andere mögen es dynamischer und suchen ihr Glück in den Kehren einer Passstraße. Möglicherweise bietet dann ein Porsche Boxster mit seiner direkten Lenkung und der Agilität seines Mittelmotors die passenden Voraussetzungen. Wer es lieber ganz klassisch und gemütlich hat und im offenen Auto am liebsten einem US-V8 lauscht, könnte mit einem Ford Thunderbird glücklich werden.
Die Bandbreite unserer Empfehlungen reicht vom MGA der Fünfziger über den Fiat Spider der 60er-Jahre und den minimalistischen Renault Rodéo bis zu den 90er-Jahre-Roadstern Mercedes SLK und Porsche Boxster.
Fiat 124 Sport Spider: Eine Alternative zum Alfa Romeo Spider
Für wen ist er ideal?
Für alle, die eine Alternative zum ewigen Rivalen Alfa Romeo Spider suchen. Von Tom Tjaarda zeitlos gezeichnet, ist der in der Regel günstigere Fiat eine Überlegung wert.
Wer sollte besser die Finger davonlassen?
Wer den großen Auftritt schätzt, ist beim dezenten Spider fehl am Platz. Er setzt auf Zurückhaltung, Harmonie und Ausgewogenheit. Gerade die frühen Modelle, wie der hier gezeigte Typ AS von 1967, bestechen durch schlichte Schönheit.
Worauf ist besonders zu achten?
Das Gros des Angebots entfällt auf Re-Importe aus den USA. Oft präsentieren sich diese mehr schlecht als recht restauriert, zumal Rost böse wüten kann. Bei den Motoren ist regelmäßiger Zahnriemenwechsel wichtig. Verschleißteile sind verfügbar, Blech- und Interieurteile vor allem für frühe Spider rar.
Was kostet der Spaß?
Von 1974 bis 1982 exportierte Fiat den Spider offiziell nur in die USA, ab 1982 war er als Pininfarina Spidereuropa auch in der Alten Welt wieder erhältlich. Das Motorenspektrum ist groß: Vom unter 90 PS schwachen US-Spider bis zum späten 135-PS-Volumex mit Kompressor reicht die Bandbreite. Entsprechend breit sind die Preise gefächert. Sie bewegen sich zwischen 15.000 und über 30.000 Euro.
Wo finde ich einen?
Es empfiehlt sich, Italo-Spezialisten wie movisti.de im Auge zu behalten. Hilfreich sind zudem Clubkontakte, zumal es gleich zwei Clubs gibt: fiatspider.de und fiat-spider.de.
Ford Thunderbird "Classic Bird": Es muss nicht immer eine Corvette sein
Für wen ist er ideal? Sie suchen eine Alternative zur teureren Corvette? Bingo! Das zweisitzige Cabriolet punktet mit ordentlich Platz und Luxus, kostet aber (noch) nicht die Welt. Die Heckstoßstange mit dem Reserveradhalter wiegt bei der 56er-Version gefühlt so viel wie ein Ur-Smart.
Wer sollte besser die Finger davonlassen?
Verbrauchs-Fetischisten und Menschen, die den großen Auftritt nicht mögen, auch wenn der Thunderbird für ein US-Car recht klein ist.
Worauf ist besonders zu achten?
Rost kann Rahmen und Unterboden zusetzen, aber auch Anbauteilen wie den Kotflügeln. Ein Blick in die Radhäuser ist Pflicht. Motor und Getriebe sind robust, doch deutet herber Ölverlust auf hohen Verschleiß hin. Die Elektrik nervt bisweilen mit Ausfällen. Zudem sollte man prüfen, ob Matching Numbers vorliegen oder ob der Rahmen schon einmal getauscht wurde. Hilfestellung gibt es unter thunderbirdclub.de, Teile unter tbirdparts.com.
Was kostet der Spaß?
Unterhalb von 30.000 Euro wird man kaum fündig, ab 35.000 Euro aufwärts wird das Angebot üppiger. Oder man kauft in den USA und importiert selbst.
Wo finde ich einen?
Einen guten Überblick kann man sich z. B. auf mobile.de verschaffen. Daneben haben Anbieter wie gallery-aaldering.com öfters Thunderbird-Modelle im Angebot.
Honda S800 Cabriolet: Ein seltenes Vergnügen
Für wen ist er ideal? Japan-Fans, die das Besondere schätzen. Nur rund 3800 Mal gebaut, ist der S800 als Cabrio ein echter Exot und Sympathieträger – ungehemmt drehfreudig, superkompakt und faszinierend fahraktiv.
Wer sollte besser die Finger davonlassen?
Großgewachsene, denn der nur 3,33 Meter kurze und 1,40 Meter breite S800 ist für drahtige, kleinere Menschen maßgeschneidert.
Worauf ist besonders zu achten?
Fast alle S800 wurden bereits restauriert, denn Rost kann die Karosserie rasch in die Knie zwingen. Es gilt, auf die Qualität der Arbeiten zu achten, zumal die Teilesituation nicht unproblematisch ist. Die drehfreudigen Motoren gelten bei guter Wartung als haltbar. Bei frühen Cabrios erfolgt der Radantrieb noch archaisch per Kette, schließlich kommt Honda aus dem Motorradbau.
Was kostet der Spaß?
Der erste Japaner, der ab 1967 auf dem deutschen Markt verkauft wurde, ist heute in Anbetracht seiner geringen Größe ein teures Vergnügen. Selten kommt ein gut erhaltener S800 bei uns auf den Markt, ab 30.000 Euro aufwärts betragen die Notierungen.
Wo finde ich einen?
Bei Redaktionsschluss war beispielsweise bei steenbuck-automobiles.de ein restauriertes 1969er-Cabriolet zum Preis von 58.000 Euro im Angebot.
Mercedes-Benz SLK, Typ R 170: Ewige Jugend, auch mit 30
Für wen ist er ideal? Wer einen wegweisenden jüngeren Mercedes sucht, ist mit dem ersten SLK bestens bedient. auto motor und sport äußerte sich anno 1996 ebenso begeistert wie Mercedes-Chronist Günter Engelen: "An diesem Auto stimmt einfach alles, wirklich alles."
Wer sollte besser die Finger davonlassen?
Leider haftet dem SLK der Ruf des Softies an. Wer einen Macho auf Rädern sucht oder üppiges Platzangebot schätzt, sollte ihn meiden.
Worauf ist besonders zu achten?
Das Dach muss sich problemlos bedienen lassen und dicht sein. Rost ist weniger ein Thema als bei anderen zeitgenössischen Mercedes-Modellen, dennoch sollte man das Blech genau inspizieren. Alle Abflüsse müssen zudem frei sein. Fahrwerk und Differential neigen zu Verschleiß. Und: checken, ob das sogenannte Ölstoppkabel bereits verbaut ist! Es verhindert, dass Öl in den Kabelbaum sickert.
Was kostet der Spaß?
Was frühe SLK vor der Modellpflege 2000 betrifft, ist der 230 Kompressor mit 193 PS (113.520 Exemplare) die meistgebaute Variante. Noch sind diverse Sommer- und Ersthandautos verfügbar, etwa 8000 Euro sollte man in einen properen 230 K investieren.
Wo finde ich einen?
Auf Internetbörsen kann man sich orientieren, etwa unter classic-trader.com. Auch german-car.net ist eine Anlaufstelle.
MGA: Die Faszination der Form
Für wen ist er ideal? Triumph TR3 zu knorrig, Big Healey zu teuer? Dann ist der wunderbar elegante, gut proportionierte MGA die Alternative. Am besten als später 1600 Mk I (1959–61, Bild) oder Mk II (1961–62) mit 79,5 respektive 86 PS.
Wer sollte besser die Finger davonlassen?
Menschen, die nicht gern den Unbilden der Witterung ausgesetzt sind. Wer es etwas komfortabler mag, sollte zum moderneren MGB aus dem gleichen Stall greifen.
Worauf ist besonders zu achten?
Auf eine gute Restaurierungsqualität, möglichst keine Verbastelungen und auf verborgenen Rost, etwa zwischen Schwellern und Rahmen, aber auch an anderen Karosseriepartien. In Türen und am Boden kommt Holz zum Einsatz, das nicht morsch sein darf. Die Motoren sind robust, leichter Ölverlust ist fast normal. Schlecht gewartete MGA nerven mit Getriebe- und Fahrwerksmacken. Gut: die Teileversorgung (z. B. limora.com oder bastuck.com).
Was kostet der Spaß?
Schon unter 20.000 Euro kann man fündig werden, doch dann besteht in der Regel Nachbesserungsbedarf. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, investiert ab 20.000 Euro aufwärts in ein ordentliches Exemplar.
Wo finde ich einen?
Einschlägige Experten für Briten-Klassiker sind zum Beispiel classic-line.org oder dorscheid-sportwagen.de.
Porsche Boxster, Typ 986: Mit Mittelmotor auf der Überholspur
Für wen ist er ideal? Für alle, denen ein Elfer zu teuer und Fahrdynamik wichtiger als Status ist. Wer die 204-PS-Basis scheut, sollte zum von 2000 bis 2004 gebauten 2,7-Liter mit 220 PS oder – ab 2003 – 228 PS greifen.
Wer sollte besser die Finger davonlassen?
Gusseiserne Porsche-Fans, die das Hohelied von Heckmotor und Luftkühlung singen und sich auch mit den "Triefaugen" nicht abfinden können.
Worauf ist besonders zu achten?
Rost ist selten ein Thema, denn die Karosserie ist voll verzinkt. Blinde Scheinwerfer-Abdeckungen sowie samt Plexiglas-Heckscheibe verschlissene Verdecke, die nicht mehr richtig funktionieren, sind größere Ärgernisse. Schwachstellen früher Wasserboxer sind der Kurbelwellen-Simmerring und sich lösende Lokasil-Laufbuchsen (Umbau auf Stahl möglich). Kühler können sich zusetzen, Kettenspanner schwächeln, Elektrik und Luftmassenmesser Probleme machen. Fahrwerk und Getriebe sind bisweilen verschlissen.
Was kostet der Spaß?
Nach wie vor ist der erste Boxster günstig. Autos mit leichten Beschädigungen oder Mängeln findet man ab 10.000 Euro, vertrauenerweckende Offerten ab 15.000 Euro.
Wo finde ich einen?
Bei spezialisierten Youngtimer-Händlern oder aus privater Hand, eher nicht beim Porsche-Zentrum.
Renault Rodéo: Pack die Badehose ein
Für wen ist er ideal? Wer eine Alternative zum 145 000 Mal gebauten Citroën Méhari (1968–87) sucht, kann zum Konkurrenten mit Renault-Rhombus greifen, der einen Bruchteil von dessen Stückzahlen erreichte und als Rodéo 4, 6 und 5 bis 1987 bei ACL (Ateliers de Construction du Livradois, ab 1972 Teilhol) gebaut wurde.
Wer sollte besser die Finger davonlassen?
Alle, die nicht gern auf dem Präsentierteller sitzen und denen schon der teurere und extrem seltene R4 Plein Air zu offenherzig ist.
Worauf ist besonders zu achten?
Die Karosserie aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK) neigt im Alter zum Verspröden, Ersatz ist schwer zu beschaffen. Entweder man repariert mit GFK-Matten selbst oder durchforstet Suchbörsen wie classic-parts-finder.com. Die Technik mit R4-Fourgonnette- respektive R6-Komponenten ist simpel und robust, Ersatzteile sind verfügbar. Sinpar-Allradantrieb gab es optional.
Was kostet der Spaß?
Offerten gibt es teils schon um 5000 Euro, ab etwa 7500 Euro aufwärts sind ordentliche Exemplare aufzutreiben. Top-Autos können um die 15 000 Euro kosten.
Wo finde ich einen?
Bei Redaktionsschluss war bei yourfuncar.de ein technisch überholter Rodéo 6 für 12 950 Euro im Angebot. Auf französische Klassiker spezialisiert ist z. B. atelier-automobile.de.
