Hangrutsch nach Starkregen löste tödliches Zugunglück aus
Knapp ein Jahr nach dem Zugunglück von Riedlingen mit drei Toten und zahlreichen Verletzten ist die Ursache geklärt. Der Unfall sei durch einen Hangrutsch infolge von Starkregen ausgelöst worden, heißt es in einem Bericht der Bundesstelle für Eisenbahnunfalluntersuchung in Bonn. Diese Ursache hatten Polizei und Staatsanwaltschaft schon kurz nach dem Unglück vermutet.
Am 27. Juli 2025 war ein Regionalzug nahe einem Ortsteil von Riedlingen im Landkreis Biberach entgleist. Eine 70 Jahre alte Reisende, ein 32 Jahre alter Lokführer und ein 36 Jahre alter Bahn-Auszubildender starben. 36 Passagiere wurden laut dem Bericht verletzt, fünf von ihnen schwer. Unter den Verletzten waren früheren Angaben zufolge zwei Kinder im Alter von 7 und 13 Jahren. Der Zug war auf dem Weg von Sigmaringen nach Ulm. Drei Minuten nach der Abfahrt in Riedlingen entgleiste er.
Viel Regen löste Hangrutsch aus
Dem Bericht zufolge zog vor dem Unglück eine Gewitterfront über Oberschwaben. Am Unglücksort fielen demnach innerhalb einer Stunde rund 28 Liter Regen. Weil der Boden bereits durch vorherigen Regen gesättigt gewesen sei, habe er das zusätzliche Wasser nur noch begrenzt aufnehmen können. Wegen des vielen Wassers habe sich an der Unglücksstelle ein Hangrutsch gebildet, wodurch Schlamm und Erdreich auf und neben dem Gleis landeten.
In diesen Hangrutsch fuhr die Regionalbahn aus Richtung Sigmaringen dann mit einer Geschwindigkeit von etwa 150 Stundenkilometern hinein, schreiben die Autoren des Untersuchungsberichts. Dadurch sei der vordere Triebwagen entgleist und wegen der hohen Geschwindigkeit den Hang hinauf geschoben worden. Auch die anderen Triebwagen entgleisten. Der Kontakt zum Zug brach ab. Neun Minuten später wurde die Strecke gesperrt.
Fahrdienstleiter sprachen von "Weltuntergangsstimmung"
Die Fahrdienstleiter, die in Riedlingen und Rechtenstein für den Streckenabschnitt zuständig waren, waren dem Bericht zufolge von der Wetterlage kurz vor dem Unglück beunruhigt. In Telefonaten sprachen sie demnach von "Weltuntergangsstimmung" und davon, dass das Wetter "beschissen" sei. Die Fahrdienstleiter hätten aber keinen Anlass gesehen, Maßnahmen zu ergreifen, schreiben die Autoren des Berichts.
Vorwürfe machen die Autoren den Mitarbeitern nicht. Eine Handlungsanweisung, wie sie mit dem angekündigten Starkregen hätten umgehen müssen, habe nicht vorgelegen. Zudem seien sie unter einem Zielkonflikt zwischen Sicherheit und Pünktlichkeit gestanden. Einer Vorschrift zufolge hätten sie immer erst für Sicherheit und dann für Pünktlichkeit sorgen müssen. Eine andere Vorschrift habe dagegen eine maximale Betriebsqualität - also eine hohe Pünktlichkeit - vorgesehen. "Beiden Anforderungen können Fahrdienstleiter nicht immer konfliktfrei gerecht werden", heißt es im Bericht. Ordneten sie Maßnahmen an, die die Pünktlichkeit beeinträchtigten, entstehe ein gewisser Rechtfertigungsdruck gegenüber ihren Vorgesetzten.
Ermittlungen der Staatsanwaltschaft laufen noch
Neben der Bundesstelle für Eisenbahnuntersuchung wird das Unglück auch von der Staatsanwaltschaft aufgearbeitet. Sie hatte ein Todesermittlungsverfahren eingeleitet. Dies ist bei nicht natürlichen Todesfällen üblich. Laut einem Sprecher der Behörde sind die Ermittlungen nicht abgeschlossen. Man warte immer noch auf ein geologisches Gutachten.
Die Bahnstrecke war monatelang gesperrt. Die Bahn musste die Gleise im Bereich der Unfallstelle auf einer Länge von rund 300 Metern erneuern. Damit wurden fast 700 Meter Schiene und rund 500 Betonschwellen ausgetauscht. Zudem mussten auch Signalkabel ausgetauscht werden. Eine Oberleitung gibt es dort nicht, da die Strecke nicht elektrifiziert ist.