Woher bekomme ich Ersatzteile für den Marco Polo?
Mercedes übernimmt den Ausbau des Marco Polo selbst. Was bedeutet das für Garantie, Werkstatt und Ersatzteile – und wie geht es für Westfalia weiter?
Mercedes-Benz wird den Marco Polo künftig in Eigenregie produzieren und beendet damit die langjährige Zusammenarbeit mit dem Ausbau-Spezialisten Westfalia. Die Entscheidung wirft für Besitzer des kompakten Campingbusses Fragen auf: Wer übernimmt künftig Service und Gewährleistung? Woher kommen Ersatzteile? Und welche Konsequenzen hat der Schritt für Westfalia?
Hintergründe der Trennung
Seit Jahrzehnten entstand der Ausbau des Marco Polo am Westfalia-Stammsitz in Rheda-Wiedenbrück. Mercedes macht keine Angaben zu den Gründen der Trennung, doch der Schritt erinnert an VWs Entscheidung im Jahr 2003, den California von Westfalia in die eigene Verantwortung zu übernehmen. Damals galt dies als erfolgreicher Schritt zur Steigerung der Wertschöpfung.
Der Marco Polo profitierte lange vom Ruf Westfalias als Premium-Ausbauer. Für viele Käufer verband sich damit die Qualität zweier renommierter Marken – unabhängig davon, dass die Basisfahrzeuge der V-Klasse im spanischen Vitoria produziert werden. Mit dem Ausstieg von Westfalia entfällt nun einer dieser Partner.
Auswirkungen für Marco-Polo-Besitzer
Als Marco-Polo-Kunde bleiben Sie zunächst Mercedes-Kunde. Der Automobilhersteller ist künftig alleiniger Ansprechpartner für alle Belange rund um das Fahrzeug – Basis wie Ausbau. Dies gilt insbesondere für:
- Gewährleistung und Haftung: Der Mercedes-Händler, bei dem das Fahrzeug erworben wurde, bleibt zuständig – auch für Mängel am Ausbau. Mercedes teilte auf Nachfrage mit: "Für unsere Marco Polo Modelle, wie sie in unserem Auftrag aktuell noch von Westfalia produziert werden, werden auch in den kommenden Jahren Ersatzteile erhältlich sein."
- Service und Reparaturen: Die Mercedes-Werkstätten übernehmen Wartungsarbeiten und Instandsetzungen – sowohl am Basisfahrzeug als auch am Ausbau.
- Ersatzteilversorgung: Westfalia sieht sich nicht als Lieferant für Endkunden. Das Unternehmen erklärte: "Der Ersatzteilhandel und -versand an Endkunden ist kein Geschäftsfeld." Die Versorgung wird daher vollständig über Mercedes erfolgen.
Konsequenzen für Westfalia
Der Wegfall des Marco Polo-Auftrags stellt für Westfalia einen erheblichen Einschnitt dar. Zwar machen weder Mercedes noch Westfalia genaue Angaben zu Stückzahlen, doch die Produktion mehrerer tausend Fahrzeuge pro Jahr bedeutete bisher ein relevantes Volumen für den Campingbus-Spezialisten.
Westfalia unterhält zwei Produktionsstandorte in Deutschland: Während in Rheda-Wiedenbrück traditionell Fremdaufträge für Automobilhersteller gefertigt werden, entstehen in Gotha Eigenprodukte wie der Columbus (auf Fiat-Ducato-Basis), der James Cook (Mercedes Sprinter) oder der Sven Hedin (MAN TGE). In Rheda wurden bzw. werden neben dem Marco Polo unter anderem der Ford Nugget, der Club-Joker Urban und der Citycamp produziert.
Auf die Frage, wie Westfalia den Wegfall des Marco Polo kompensieren will, antwortete Geschäftsführer Can Dogan: "Wir sind in unserer Gruppe Rapido mit unseren Eigenprodukten gut aufgestellt, so dass wir die Chance haben in Rheda-Wiedenbrück weitere Eigenprodukte entwickeln und fertigen zu können." Zudem hat Westfalia am Stammsitz Kompetenzen im Bereich Aufstelldächer aufgebaut und produziert diese auch für andere Modelle der Rapido-Gruppe, zu der Westfalia seit 2010 gehört.
Die weitere Entwicklung der Nachfrage nach kompakten Campingbussen beurteilt Dogan "grundsätzlich positiv", beobachtet jedoch "eine spürbare Sättigung des Marktes". Die damit verbundene "Produktionsüberkapazität" mache "entsprechende Anpassungen" notwendig. Konkrete Aussagen zu möglichen Auswirkungen auf Arbeitsplätze macht Westfalia bisher nicht.
Dogan hält kompakte Camper "in urbanisierten Regionen für weiterhin alternativlos zu anderen Campingfahrzeugen" und erwartet "eine stabile Weiterentwicklung" dieser Klasse. Auf die Frage, ob der neue VW-Transporter künftig eine größere Rolle im eigenen Modellprogramm spielen könnte, antwortete er: "Es ist nicht ausgeschlossen, dass wir in der Zukunft auch wieder Eigenprodukte auf Basis des neuen Transporters sehen."
