Männlich, Rentner, vermögend & im TI unterwegs
Er ist älter, erfahrener und ganz schön berechenbar – und genau das macht den deutschen Durchschnittscamper so spannend.
Graue Schläfen, weiße Fahrzeuge – und erstaunlich klare Vorlieben. Der durchschnittliche deutsche Camper ist kein Klischee, sondern eine statistisch gut erfasste Persönlichkeit. Wer genauer hinschaut, erkennt schnell: Alter, Fahrzeugwahl und Nutzung sind kein Zufall.
Wer sitzt am Steuer? Ein Blick auf Alter und Geschlecht
Die promobil-Leserwahl 2026 zeichnet ein eindeutiges demografisches Profil. 83 Prozent der Teilnehmenden sind Männer, lediglich 17 Prozent Frauen. Das Durchschnittsalter liegt bei 60,8 Jahren. Zum Vergleich: Laut Allensbacher Werbeträgeranalyse beträgt das Durchschnittsalter in der Gesamtbevölkerung 52,6 Jahre.
Auch innerhalb der Geschlechter zeigen sich Unterschiede:
- Männer: 61,5 Jahre
- Frauen: 57,4 Jahre
Die Leserwahl basiert auf einer breiten Datengrundlage: 14.034 Teilnehmer, notariell getestet, beteiligten sich zwischen dem 17. September und dem 13. November 2025 an der Abstimmung – per Postkarte und Online-Fragebogen.
KBA bestätigt: Die Generation 60+ dominiert
Was die Leserwahl zeigt, bestätigt der Blick auf den Gesamtbestand. Laut Halterdaten des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) dominiert die Altersgruppe der 60- bis 69-Jährigen den deutschen Wohnmobilmarkt. Mit 318.589 zugelassenen Fahrzeugen stellten die sogenannten Boomer die größte Haltergruppe.
Damit wird klar: Der typische Camper ist nicht nur gefühlt, sondern auch statistisch ein Best Ager. Wohnmobilfahren ist in Deutschland vor allem ein Thema der Generation, die über Erfahrung, Zeit und Kaufkraft verfügt.
Besitzer statt Interessenten
Der deutsche Durchschnittscamper bleibt nicht beim Traum. 80 Prozent der Teilnehmenden der promobil-Leserwahl besitzen bereits ein Wohnmobil. Gleichzeitig ist der Fahrzeugbestand bemerkenswert modern: 67 Prozent fahren ein Neufahrzeug.
Das passt zur Selbsteinschätzung der Szene. 58 Prozent der Befragten bezeichnen sich als Experten, viele weitere als sehr erfahren. Camping ist hier kein spontanes Hobby, sondern ein über Jahre entwickeltes Nutzungskonzept.
Einerseits ist die ältere, campende Generation also schon lange mit dem Thema verbunden. Andererseits haben sie als Rentner und Rentnerinnen viel Zeit. Außerdem zählt die Generation Boomer noch zu den wohlhabenderen. Ob abbezahltes Eigenheim oder andere Wertanlagen, diese Generation kommt aus einer wirtschaftlich stabilen Zeit.
Nutzung mit Routine
Im Schnitt legen deutsche Camper 12.700 Kilometer pro Jahr mit ihrem Reisemobil zurück. Die durchschnittliche Erfahrung liegt bei 14,8 Jahren. Auffällig ist zudem die Ganzjahresnutzung: 53 Prozent betreiben Wintercamping.
Das Reisemobil ist damit kein saisonales Freizeitgerät, sondern für viele ein regelmäßig genutztes Fahrzeug – mit entsprechendem Anspruch an Technik, Komfort und Zuverlässigkeit.
Warum der Teilintegrierte zum Durchschnittscamper passt
Obwohl viele den rüstigen Rentner vor dem geistigen Auge sicherlich im auslandenden Integrierten sitzen sehen, ist doch die Aufbauform der Teilintegrierten die stärkste. Sie ist die verbreitetste Aufbauform. TIs bieten mehr Platz und Komfort als ein Kastenwagen, bleiben aber handlicher und preislich überschaubarer als ein Vollintegrierter. Für viele Camper ist er der pragmatische Mittelweg.
Bei der Basis setzt der Markt ebenfalls auf Bewährtes. Das Kraftfahrt-Bundesamt führt den Fiat Ducato seit Jahren als meist zugelassene Reisemobil-Basis. Für den Durchschnittscamper zählen Zuverlässigkeit, bekannte Technik und ein dichtes Servicenetz.
Angesichts der Marktverhältnisse ist es zudem wahrscheinlich, dass der deutsche Durchschnittscamper ein Wohnmobil aus dem Hymer-Konzern fährt: Die Erwin Hymer Group ist seit Jahren der Hersteller mit dem größten Marktanteil in Deutschland und prägt mit ihren Marken maßgeblich das Straßenbild.
Wo verbringt der Durchschnittscamper seinen Urlaub?
Den deutschen Durchschnittscamper zieht es ans Wasser, in Naturregionen und in landschaftlich reizvolle Gegenden. Laut einer Analyse des Statistischen Bundesamts ist die Schleswig-Holsteinische Ostsee mit rund 3,5 Millionen Übernachtungen der beliebteste Camping-Hotspot Deutschlands – deutlich vor vielen anderen Regionen. Auf den folgenden Plätzen liegen der Schwarzwald (2,6 Mio.), die niedersächsische Nordseeküste (1,9 Mio.), das Allgäu (1,8 Mio.) und die Region Bodensee-Oberschwaben (1,7 Mio.).
Damit zeigt sich: Der Durchschnittscamper schätzt gleichermaßen die Meeresluft an der Ostsee wie die Natur und Berge im Süden Deutschlands. Diese Verteilung entspricht einer Urlaubspraxis, bei der komfortables Campen mit landschaftlichen Erlebnissen kombiniert wird – sei es ein Stellplatz direkt am Wasser oder ein Platz am Rande von Wäldern und Seen.
Zusätzlich zeigen andere Auswertungen, dass Campingplätze in ganz Deutschland stark gefragt sind und das Land damit für viele Camper die erste Wahl bleibt, auch wenn internationale Ziele wie Italien oder Kroatien ebenfalls auf dem Radar stehen.
