So können Sie im Wohnmobil gezielt Gewicht sparen
Beim Wohnmobil ist der größte Gewichtstreiber das Basisfahrzeug. Was wie schwer wiegt bei der Fahrzeugauswahl und wie man bei Ausstattung, Zubehör und beim Camping Gewicht sparen kann, lesen Sie hier.
Die richtige Zuladung ist eines der meistunterschätzten Themen beim Reisen mit dem Wohnmobil. Während viele Camper großen Wert auf Komfort, Technik und Ausstattung legen, gerät das Gesamtgewicht dabei oft aus dem Blick. Dabei ist gerade die Zuladung – also der verbleibende Spielraum für Gepäck, Insassen und Zubehör – entscheidend für Sicherheit, Fahrverhalten und rechtliche Konformität.
Vor allem bei beliebten 3,5-Tonnern ist die Grenze schnell erreicht: Schon zwei Personen, ein voller Frischwassertank und zwei E-Bikes mit Träger können ausreichen, um das zulässige Gesamtgewicht zu überschreiten. Und das kann nicht nur zu Bußgeldern führen, sondern auch zum Verlust des Versicherungsschutzes im Ernstfall.
Umso wichtiger ist es, die Gewichtszusammensetzung des eigenen Fahrzeugs zu verstehen, unnötiges Gewicht zu vermeiden und gezielt zu sparen – ohne auf wesentliche Ausstattungsmerkmale oder Komfort zu verzichten. Dieser Ratgeber zeigt Ihnen Schritt für Schritt, worauf es bei der Zuladung wirklich ankommt – mit praktischen Beispielen, Spartipps und einer klaren Übersicht über typische Gewichtsfallen.
Zuladungsreserven für Nachrüstung
Was der Garten und die Terrasse beim Hausbau sind, ist die Solar- und Klimaanlage beim Reisemobil: Man braucht sie nicht sofort, aber hätte sie gern in spätestens ein paar Jahren, wenn der Kontostand es wieder erlaubt. Die dafür nötigen Zuladungsreserven sollte man schon beim Kauf einkalkulieren. Das bei den promobil-Lesern laut Umfrage besonders beliebte Zubehör bringt meist ein erhebliches Mehrgewicht mit sich.
Zu den fest an- oder eingebauten Extras, wie Sat-, Solar- und Klimaanlage oder Markise, kommt das bewegliche Zubehör. Stühle und Tisch für draußen, Kabeltrommel, Grill, Geschirr und Töpfe, Auffahrkeile und Gasflaschen. Auch Sportgeräte wie Surfbretter, SUP, Fahrräder oder Boote haben natürlich Gewicht.
Bei knapper Zuladung kommt es auf jedes Kilogramm Gewicht an. Worauf man im Urlaub verzichten kann und auf was nicht, ist individuell verschieden. Wichtig ist für jeden Trip zu überlegen: Muss dieses Teil wirklich mit?
Gewichtsangaben im Überblick
Dazu kommen Gasvorräte (Alu- oder Stahlflaschen) und Frischwasser im Fahrbetrieb (je nach Hersteller). Der Von-bis-Wert (G) bildet die erlaubte Toleranz von 5 Prozent für Materialschwankungen ab. Die maximale Masse für Sonderausstattung in den Verkaufsunterlagen soll gewährleisten, dass eine Mindestnutzlast für Gepäck und später angebautes Zubehör verfügbar bleibt.
Wie viel Zuladung bleibt Ihnen wirklich?
Oft bleiben nur 300–400 kg an tatsächlicher Zuladung – für Insassen, Gepäck, Lebensmittel und Fahrräder. Bei Familien oder Paaren mit E-Bikes wird es schnell kritisch.
Beispiel:
- Fahrzeuggesamtgewicht: 3.500 kg
- Leergewicht inkl. Sonderausstattung: 3.150 kg
- Zuladung: 350 kg
- − 2 Personen (150 kg)
- − 2 E-Bikes + Träger (60 kg)
- − Lebensmittel & Kleidung (50 kg)
- − Sonstiges Zubehör (30 kg)
- Rest: nur noch 60 kg Spielraum
Das fällt beim Fahrzeug ins Gewicht
Die Mehrzahl der gängigen Basisfahrzeuge für Reisemobile wird serienmäßig mit Vorderradantrieb angeboten. Fahrzeuge mit Hinter- oder gar Allradantrieb benötigen im Gegensatz dazu zusätzliche Antriebswellen, Getriebeteile und Aufhängungen, die auf die Waage drücken. Beim Mercedes-Sprinter-Allrad etwa, der zusätzlich auch noch eine Höherlegung mitbringt, schlägt das Mehrgewicht mit enormen 150 Kilogramm zu Buche. Ein Automatikgetriebe bringt ebenfalls ein paar Kilo mehr auf die Waage.
Das Fahrgestell
Aufgebaute Wohnmobile basieren in der Regel auf speziellen Fahrgestellen wie dem Tiefrahmen-Chassis von Alko, dem Super-Light-Chassis von Hymer oder dem Flachrahmen von Fiat. Den letztgenannten gibt es als Light- (35) und Heavy- oder Maxi-Variante. Die Light-Version wird meist für leichte Reisemobile bis 3,5 Tonnen Gesamtgewicht eingesetzt.
Das Maxi-Chassis ist in den Versionen 35+ und 40 erhältlich. Während die Light-Version Achslasten von 1.850 vorn und 2.000 Kilogramm hinten erlaubt, haben Maxi 35+ und 40 mit manuellem Getriebe vorn 2.100 und hinten 2.400 Kilogramm Achslast. Beide Maxi-Fahrgestelle haben 16-Zoll-Räder, größere und stärkere Bremsen sowie verstärkte Achsen. Neben dem Aufpreis verursachen sie aber auch ein Mehrgewicht von 40 Kilogramm.
In der 3,5-Tonnen-Klasse hängt die Entscheidung, ob man ein Light-35- oder ein Maxi-35+-Fahrgestell wählt, von mehreren Fragen ab. Werden die höheren Achslasten an Vorder- oder Hinterachse benötigt? Plant man, einen Lastenträger am Heck anzubauen, oder will man einen Anhänger mit hoher Stützlast ziehen? Sollen in der Heckgarage schwere Gegenstände wie etwa ein Motorroller transportiert werden? Außerdem bietet das Maxi-35+-Fahrgestell bessere Voraussetzungen für eine nachträgliche Auflastung.
Ein großer Dieseltank erhöht die Reichweite und senkt Kosten, wenn man bei günstiger Gelegenheit mehr tanken kann. Andererseits sorgt er für Mehrgewicht. Bei den Transportern von Stellantis erhöht ein zu 90 Prozent* gefüllter 90-Liter-Tank das Gewicht um 23 Kilogramm gegenüber dem 60-Liter-Serientank. Das 92-Liter-Exemplar im Mercedes Sprinter bringt 24,5 Extrakilos auf die Waage. In der Praxis, vollgetankt, sind es noch mehr.
Reifenwahl
Wer sich bei der Auswahl der Räder für Leichtmetallfelgen entscheidet, spart übrigens nicht automatisch Gewicht – die Konfiguratoren weisen teilweise sogar einige Kilo zusätzlich aus. Eindeutiger ist die Sache beim Reserverad. Es kostet nicht nur Platz, sondern ist auch schwer. Ein Pannenset zur Reifenreparatur mit Dichtmittel und Kompressor kann 30 Kilo und mehr einsparen, ist allerdings nicht für alle Reifenschäden die richtige Lösung.
Welches Bett?
Hubbetten sind praktisch – doch schwer. Je nach Ausführung bringen sie zwischen 40 und 50 Kilogramm oder mehr ins Mobil. Benötigen Campende die zusätzliche Schlafmöglichkeit nur gelegentlich, kann ein Umbauset für die Sitzgruppe die leichtere Alternative sein. Auch die Verbindungs- und Matratzenteile, um aus Längseinzelbetten ein Querdoppelbett zu bauen, wiegen schon mal fünf bis zehn Kilo. Wer das kaum nutzt, kann die Option beim Kauf oftmals abwählen. Fährt man ohnehin nur zu zweit in den Urlaub und will das Reisemobil nicht als Alltagsfahrzeug nutzen, kann man für mehr Zuladung gegebenenfalls die Zahl der Gurtplätze reduzieren. Das Gurtgestell für zwei Plätze macht schnell mal 30 Kilogramm aus. Zusätzlich erhöht sich formal die verfügbare Masse für Sonderausstattung um 150 Kilogramm, da die mit jeweils 75 Kilogramm veranschlagten Mitfahrer entfallen.
Eine elektrische Parkbremse ist beim Drehen der Fahrerhaussitze nicht im Weg und spart nebenbei sogar etwa neun Kilo Gewicht. Für besseren Hagelschutz empfiehlt sich ein GfK-Dach. Zwar hat man hier je nach Marke selten eine Wahl, aber eine Dachhaut, die von vornherein aus GfK besteht, ist auf jeden Fall leichter als ein Alu-Dach, das optional noch zusätzlich mit einer GfK-Schicht geschützt wird.
Gewicht beim Zubehör sparen
Zubehör rund um die Energieversorgung ist im Reisemobil nahezu unverzichtbar. Der wichtigste Energieträger zum Heizen, Kochen, Kühlen und für die Warmwassererwärmung ist nach wie vor Flüssiggas. Die meisten Wohnmobile haben daher zwei 11-kg-Gasflaschen an Bord. Während die Stahl-Variante gefüllt rund 24 Kilo auf die Waage bringt, kommt die Alternative aus Aluminium auf nur 16,5 Kilo. Mit zwei Alugasflaschen statt Stahl lassen sich also etwa 15 Kilo Gewicht einsparen.
Wer schon beim Fahrzeugkauf auf diesel- oder elektrisch betriebene Geräte setzt, kann unter Umständen auf eine der beiden Gasflaschen verzichten oder kommt sogar mit einer 2,75-kg-Flasche aus. So können auch der bequeme, aber rund zehn Kilo schwere Gasflaschenauszug und die Umschaltanlage (1 kg) entfallen. Ob und wie viel Gewicht man durch den Verzicht auf Gasgeräte spart, hängt aber davon ab, auf welche anderen Energieträger man stattdessen setzt. Wenn bei der Batteriekapazität und eventuell einer Solaranlage kräftig aufgerüstet wird, auch weil Dieselheizung und Kompressorkühlschrank den Energiebedarf erhöhen, schwindet der Gewichtsvorteil schnell wieder. Zudem sind die alternativen Elektrogeräte wie etwa Kompressorkühlschrank und Induktionskochfeld oft etwas schwerer als die Gasvarianten. Bei den Combi-Heizungen von Truma ist der Gewichtsunterschied zwischen Gas- und Dieselbrenner gering.
Sonnenschutz
Zum Sonnenschutz wird beim Campen in der Regel eine Markise am Wohnmobil angebracht. Sie ist sowohl oft schon ab Werk angebracht, als auch ein beliebtes Nachrüstprodukt. Campingbusse können mit einem deutlich leichteren, mobilen Sonnensegel auskommen. Eine etwas komfortablere Zwischenlösung für niedrigere Fahrzeuge ist die Sack- oder Taschenmarkise. Sie wird an einer Kederschiene befestigt und spart etwa die Hälfte an Gewicht gegenüber einer herkömmlichen Kassettenmarkise.
Ein Großteil des Campinglebens spielt sich draußen ab. Stühle und Tisch sind dafür die Minimalausstattung. Dazu kommen teils noch Vorzeltteppiche, Relaxliegen, Outdoor-Küchen oder -schränke sowie Gasgrill und -kocher inklusive Zubehör. Bei gasbetriebenen Geräten kann man mit einem Außengasanschluss eventuell die zusätzliche Gasflasche sparen. Das Gewicht von Campingmöbeln hängt vom Material ab.
Campingtische und -stühle
Wer bei der Auswahl darauf schaut, spart ebenfalls einige Kilos. In unserem großen Campingtische-Test war der Dometic Concrete Large Table mit 5,3 Kilo das leichteste Modell. Die Tischplatte (120 x 70 cm) aus Glasfaserverbundstoff sorgt bei diesem Modell für eine Gewichtsersparnis von vier bis fünf Kilogramm gegenüber anderen Modellen mit vergleichbarer Tischfläche.
Bei Campingstühlen lässt sich am meisten Gewicht reduzieren, wenn man das System wechselt. Die komfortablen Hochlehner aus dem promobil-Test wiegen alle zwischen fünf und sechs Kilo – innerhalb dieser Stuhlklasse kann man also nur wenig einsparen. Deutlich mehr erreicht man bei einem Wechsel der Stuhlart. Leichte Faltstühle, wie zum Beispiel der Helinox Chair One, wiegen teilweise unter einem Kilo, sind allerdings auch weniger komfortabel.
Wer mit Kohle grillt, bekommt leichte Grillmodelle schon unter drei Kilogramm, die Unterschiede zwischen den üblichen Modellen liegen bei etwa ein bis zwei Kilogramm. Gasgrills differieren dagegen stärker im Gewicht. Etwa bei den Modellen, die wir im Grillgeräte-Vergleich getestet haben, lag der Unterschied bei bis zu elf Kilo.
Strom und WLAN
Ohne Landstromanschluss kommt der Saft im Wohnmobil aus der Bordbatterie. Häufig sind Blei-AGM-Batterien mit 95 Ah Kapazität im Einsatz. Viele Camperinnen und Camper haben für mehr Autarkie zwei Exemplare an Bord. Das Gewicht dieser Akkus liegt bei je ca. 30 Kilogramm. Die leichtere Alternative sind LiFePO4-Akkus, die je nach Hersteller zwischen zehn und 17 Kilogramm wiegen. Ein LFP-Akku ist in der Anschaffung zwar die weitaus teurere Alternative, langfristig zahlt sich die Investition nicht nur beim Gewicht, sondern auch bei der Lebensdauer aus. Da Lithium-Akkus zyklenstabiler als Blei-AGM-Akkus sind, haben sie nicht nur eine längere Lebensdauer, sondern ihre Kapazität ist auch nahezu voll nutzbar – während bei Blei-AGM-Akkus nur etwa 60 Prozent entnommen werden können. So lassen sich gegebenenfalls beide AGM-Batterien gegen einen leichten Lithium-Akku tauschen und damit relevant Gewicht sparen.
Solaranlagen erfreuen sich als Autarkie-Förderer im Reisemobil großer Beliebtheit. Flexible Solarpaneele für das Dach sind um mehr als die Hälfte leichter als vergleichbare Rahmenmodule. Bei Klimaanlagen lässt sich vor allem durch einen Systemwechsel Gewicht sparen. Die klassischen 230-V-Dachklimaanlagen aus unserer Marktübersicht wiegen zwischen 28,5 und 36 Kilogramm plus drei bis vier Kilo für den Innenluftverteiler. Split-Anlagen sind zwar weniger leistungsstark, ihr Gewicht startet aber bei rund 21 Kilo.
Wer beim TV-Empfang auf das Internet und Smart-TV setzt und dafür eine Dachantenne plus Router nutzt, kann gegenüber dem Gewicht von Sat-Anlage und Receiver ebenfalls ein paar Kilos sparen.
Tipps und Tricks für die Reise
Kaffee oder Tee soll hier nicht die Frage sein. Obwohl Teetrinkende hier im Vorteil sind: Topf, Wasser, Teebeutel (1,5 Gramm), fertig. Dagegen sind Kapselkaffeemaschinen mit vier bis fünf Kilo fast schon Schwergewichte. Mit einem Perkolator wie beispielsweise von Bialetti oder einer French Press lässt sich auch beim Kaffeegenuss etwas Gewicht sparen.
Nicht ganz uneigennützig haben die Hersteller der meisten Reisemobile beim Frischwassertank eine sogenannte Fahrstellung eingeführt. Dadurch verringert sich auf dem Papier die Masse im fahrbereiten Zustand. Die 100-Prozent-Füllung mit Frischwasser entspricht dann real nicht der maximalen Tankkapazität, sondern nur einer vom Hersteller festgelegten Mindestmenge.
Diese lässt sich über eine spezielle Ventilstellung steuern. Unabhängig von dieser Fahrstellung ist die Begrenzung der eingefüllten Frischwassermenge natürlich generell eine Möglichkeit, um das Fahrzeuggewicht auf Reisen im vorgegebenen Limit zu halten. Entsprechendes gilt auch für den Abwassertank.
Nicht Benötigtes zu Hause lassen
Klingt zwar wie ein trivialer Tipp, ist aber wirkungsvoll, weil man oftmals nicht bewusst darüber nachdenkt. So braucht man die zweite Gasflasche im Sommer meist nicht, genauso wie den Sonnenschirm und die Strandliegen im Winter. Mistet man ab und an das Reisemobil aus, kommt ebenfalls manches zum Vorschein, das nie benutzt, aber dennoch mit dabei ist. Das können etwa der große Werkzeugkasten, die Gästestühle oder das Ersatzladegerät fürs E-Bike sein.
Lebensmittel für ein paar Tage mitzunehmen, hat sicher seine Berechtigung. Wer aber dosenweise Essens- und üppige Getränkevorräte zum Urlaubsort karrt, hat nicht nur unnötige Kilos an Bord, ihm entgeht auch der Genuss des Einkaufens auf regionalen Märkten.
Lesestoff in Form von Romanen, Reiseführern oder auch die Betriebsanleitungen für Fahrzeug und Zubehör können sich auf einige Kilo summieren. Steigt man vom Papier auf digitale Lösungen um, spart das neben Gewicht auch Platz. Dafür dienen E-Book-Reader, Tablet und PDF-Download.
Gewichtsverlagerung
Eine Möglichkeit, Gewicht zumindest zu verlagern, schafft ein Anhänger, etwa für Motorrad oder Sportgeräte. Allerdings bringt die Anhängerkupplung zunächst mal Zusatzgewicht und auch die Stützlast drückt aufs Zugfahrzeug.
* Gemäß gesetzlicher Definition muss im Leergewicht der zu 90 Prozent gefüllte Kraftstofftank eingerechnet werden.
