Bulli verliert, Ford jubelt - Camper wissen, warum
VW verliert im kompakten Transportern Marktanteile. Kunden und Ausbauer setzen zunehmend auf günstigere und früh verfügbare Alternativen.
Der Bulli schwächelt, das zeigen die jüngsten Verkaufszahlen von VW. Der klassische VW Transporter verliert deutlich an Marktanteilen. Während VW Nutzfahrzeuge 2024 noch 148.3000 Exemplare der T-Baureihe, so heißt sie im Unternehmen mittlerweile, verkaufte, waren es 2025 nur noch 125.700. Er ist nach absoluten Zahlen der größte Verlierer in der Jahresbilanz der Nutzfahrzeugsparte von Volkswagen.
Dieses Bild deckt sich mit der Entwicklung in der Caravaning-Industrie, wo viele Ausbauer von kompakten Campingbussen derzeit stärker auf Konkurrenzmarken wie auf den Ford setzen. Das hat Gründe, unumkehrbar scheint diese Entwicklung für den Bulli nicht.
Gerade die Pkw-Versionen des Bulli gelten als margenstark und damit wichtig für VW Nutzfahrzeuge. Ein Absatzrückgang könnte also für Unruhe sorgen, doch am Unternehmenssitz der Tochter in Hannover bleibt man gelassen. "Wir haben einen klassischen Verlauf gesehen, wie er bei einem Modellwechsel typisch ist", erklärt ein Sprecher.
Absatzrückgang mit Ansage
Die Produktion des T6, im Kern ein Facelift der fünften Bulli-Generation, lief im Sommer 2024 aus. 2025 wurden nur noch Restbestände verkauft, insgesamt rund 1.600 Fahrzeuge. Die aktuelle Generation des VW Multivan wird zwar schon seit Anfang 2022 hergestellt, basiert auf dem modularen Querbaukasten (MQB) des VW-Konzerns und der ist eher eine Plattform für klassische Pkw.
Die "echte" neue Transporter-Generation kam mit New Caravelle und New Transporter erst im Frühjahr 2025 auf den Markt. Technisch basiert sie auf der gleichen Plattform wie der Ford Transit Custom, der schon länger verkauft wird, und wird im Ford-Werk in der Türkei produziert. Deshalb dürfen beide Fahrzeuge offiziell nicht mehr T7 heißen.
Transit statt VW Transporter: Warum Ausbauer umdenken
Der verzögerte Marktstart traf ausgerechnet jene Szene, die seit Jahren auf den Bulli baut: die Hersteller von kompakten Campingbussen. Denn der neue Multivan ist zwar das Basisfahrzeug des aktuellen VW California, bietet für externe Aubauer relativ unflexible Ausstattungspakete. Deshalb griffen viele Camper-Spezialisten auf Basisfahrzeuge von Konkurrenzmarken zurück.
Anfang 2025 dominierten rund um die CMT wegweisende Camper auf Basis des Ford Transit oder Turneo Custom die Fahrzeugneuheiten. Ford hatte seine kompakten Nutzfahrzeugmodelle schon deutlich früher auf den Markt gebracht und sich damit zum neuen Liebling der Ausbauer entwickelt.
Erst zum Caravan Salon Düsseldorf im Herbst 2025 wurde eine nennenswerte Zahl neuer Bulli-Camper vorgestellt. Auch das waren in einigen Fällen wie dem Reimo Trio Style nur Ableger bestehender Modelle auf Ford Basis.
Ein prägnantes Beispiel für diesen Wandel ist Spacecamper. Im Interview mit promobil erklärt Geschäftsführer Ben Wawra: "Wir bieten mittlerweile auf drei Basisfahrzeugen an: Multivan, Transporter und Ford. Die Kunden haben das sehr gut angenommen."
Die Entscheidung für Ford hat handfeste Gründe: frühere Verfügbarkeit des Transit und Turneo Custom, attraktive Preisgestaltung und eine technisch moderne Basis, die sich für individuelle Ausbauten eignet. Wawra ergänzt: "Der Transit hat uns überzeugt. Man merkt, dass Ford sich viel Mühe gegeben hat, um ein gutes Fahrzeug für Camper umzusetzen."
Außerdem trägt die allgemeine Marktsituation in der Caravaning-Industrie generell nicht mehr in dem Maß zum Absatz kompakter Transporter, zu denen der VW Bulli gehört, wie in den Vorjahren. Einige große Wohnmobilhersteller nehmen die kompakten Campingbusse komplett aus dem Portfolio oder reduzieren die Produktvielfalt und mehrere kleine Ausbauer mussten Insolvenz anmelden. Das Segment bleibt wieder mehr den Spezialisten wie Spacecamper, Reimo oder Westfalia überlassen.
Modellvielfalt soll den Bulli nach vorn bringen
Langfristig wollen sich die Verantwortlichen von VW Nutzfahrzeuge in Hannover mit den aktuellen Zahlen nicht zufriedengeben. Hoffnung setzen Sie auf den schrittweisen Ausbau der Modellpalette: "Hier werden uns die 2026 kommenden Derivate und der Ausbau unserer digitalen Services insbesondere für Gewerbekunden helfen, unsere Marktposition wieder zu stärken", so Krause. Geplant sind bis zu 13 Karosserievarianten mit drei Antriebsarten – Diesel, Plug-in-Hybrid und Elektro in insgesamt elf Leistungsstufen und die für die Caravaning-Industrie eher nebensächliche Doppelkabinen-Pritsche.
Diese Neuerungen müssen dringend zünden, wenn der neue Bulli bei den Camper-Herstellern wieder zum Bestseller werden soll. Denn zur Wahrheit gehört 2025 auch, dass die Bilanz der T-Baureihe ohne den in der Branche unbeliebten Multivan noch schwächer ausgefallen wäre. Mit 38.700 Neuzulassungen erreichte das Modell "das beste Jahr seiner langen Geschichte". Dazu kamen 14.200 California-Modelle, die inzwischen ebenfalls auf dem MQB-Multivan basieren.
