Alltagstauglich, zuverlässig, aber ...
Der Skoda absolvierte den 100.000-km-Dauertest ohne ungeplanten Werkstattstopp. Komfort, Variabilität und hohe Alltagstauglichkeit machten ihn schnell zum Liebling der Redaktion.
150 PS, Allrad, Doppelkupplung, Sportline – der Skoda Karoq 2.0 TDI 4x4 ging mit 57.500 Euro und vielerlei Extras an den Start. Über 100.000 Kilometer begleitet er als Kompakt-SUV mit Matrix-LED, Adaptivdämpfern und Anhängerkupplung den Alltag. Was zeigt der Dauertest jenseits der Prospekte?
Zu den Vorurteilen gegenüber dem Besten zählt ja jenes, wonach es immer zum Schluss kommt. Stimmt doch gar nicht, zumindest, nehmen wir den Dauertest des Skoda Karoq als Maßstab. Denn da geht das Beste zum Schluss. Nämlich eines der besten Autos, mit denen wir je das Vergnügen hatten, sie über 100.000 Kilometer dauertesten zu können. Wobei das Beste in diesem Fall, wenn schon nicht zum Schluss, so doch erst nach etwas Anlauf kommt, 4.218 km Anlauf, um genau zu sein. Mit diesem Tachostand rollt der Karoq am letzten der 29 Februartage des Jahres 2024 zum ersten Mal in unsere Tiefgarage – in der er nie lang tatenlos herumstehen wird.
Ausstattung und erste Eindrücke
Aber wie es sich für jeden neuen Testwagen im Dauertest-Fuhrpark gehört, bekommt er erst einmal ein großes Hallo. Wir traben die sechs Stockwerke hinunter, um ihn anzuschauen – immerhin werden viele von uns viel Zeit mit ihm verbringen. Und da steht er dann: der Karoq als 2.0 TDI mit Haldex-Allradantrieb und Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe im Sportline-Trimm. Schon serienmäßig bringt er so schöne Annehmlichkeiten mit: Matrix-LED-Scheinwerfer, mit denen er helle Lichtschneisen in die Nacht schlägt, aus denen er den Gegenverkehr zuverlässig ausblendet.
Adaptivdämpfer, die eine Bandbreite an Talenten aufziehen, von flauschigem, fast wogigem Komfort bis zu straff-agiler Handling-Verbundenheit, zu welcher auch die variabel übersetzte Progressivlenkung wohlsortierte Rückmeldung und hohe Präzision ohne Hektik beisteuert.
Zusätzliche Extras und Preissteigerung
Durch eine unbescheidene Auswahl an Extras – von Rundumkamera bis Totwinkelwarner, von Dreizonen-Klimaautomatik bis Anhängerkupplung, von Echtzeit-Verkehrs-Navi bis zum höhenverstellbaren Ladeboden – gelingt es uns, die Stattlichkeit des Grundpreises um rund 10.000 Euro zu steigern. Mit 57.500 Euro residiert der in Velvet-Rot-Premium-Metallic lackierte Karoq einige Stockwerke über der Kompakt-Etage. Dann wiederum: Kann er sich schon leisten.
Der Karoq im Alltag
Nur scheinbar unscheinbar: Denn kaum ist er da, ist er schon wieder weg – ständig unterwegs. Und ganz egal, ob nach Bozen oder Owen, Hamburg oder Heimerdingen, nach Obergurgl oder Untertürkheim, nach Turin oder Tübingen, ob auf dem ersten oder dem letzten, dem 100.080. Kilometer: Der Karoq kommt überallhin, überall hoch, überall durch, von überall zurück, ohne je auch nur zu schwächeln. Liegenbleiber? Finden sich wohl nur auf dem bequemen Beifahrersitz oder der kuscheligen Rückbank, wenn es wieder einmal sehr früh nach da oder dort losgeht und das mitreisende Kollegium noch ein bisschen schlummert. Dabei nett umtüddelt vom komfortablen, gut gedämmten Karoq, den der Wind nur leise umfächelt, derweil die hochverdichtete und ladedruckgepresste Selbstzünderei des Diesel als sachtes Prasseln nur nach innen klingt.
Probleme und Herausforderungen
Wer sich fragt, wann bei all dieser Behaglichkeit doch endlich mal ein aufrüttelnder Ruck durchs Land geht, die oder den verweisen wir auf den 17. September 2024. Damals, bei Kilometerstand 31.835, findet sich der erste Eintrag in den Bordkarten über die ruckende Anfahrschwäche des Antriebs. Die anfängliche Zögerlichkeit steigert sich zunehmend in ein wahres Zaudern, in dessen Inszenierung auch das Getriebe auftritt – durch seine beharrliche Vorliebe, zum Anfahren statt des ersten gleich den zweiten der sieben Gänge doppelzuverkuppeln.
Damit kommen wir zu den weiteren Dramen, mit welchen der Skoda während der 100.000 km aufzufallen beliebte: Da hätten wir den ungeschickten Regensensor, die öfter abgebrochene Verbindung zwischen Telefon und Apple CarPlay sowie einige Fälle von Orientierungslosigkeit, die das Navigationssystem zum Testende befällt. Herrje, denken Sie, muss man das jetzt so dramatisieren? Na, man muss die Dramen feiern, wie sie fallen – sonst haben wir doch nichts dafür!
Ansonsten nämlich gipfeln die Ausschweifungen des Karoq nach 44.809 km im Bedarf an einem frischen und mit 155,45 Euro bemerkenswert teuren Satz Scheibenwischer (sind aber wahrscheinlich die gleichen wie beim Chiron der Konzern-Nachbarmarke Bugatti) sowie dem Wechsel des einen Liters Öl in der Haldexkupplung – eine Routinearbeit, die 170,20 Euro zu den 956,30 Euro Kosten für die dritte Inspektion bei 87.439 km beizutragen weiß.
Kosten und Verbrauch
Ansonsten gibt es zwar nicht viel zu warten – der Skoda kommt mit drei großen Inspektionen sowie zwei separaten Ölwechsel-Services und dabei einem Bremsbelagwechsel über die Distanz. Doch läppern sich die Kosten allein für Motoröl, Wartung und die paar Verschleißteile auf 3.571 Euro. Dazu noch gut 1.100 Euro für Reifen, fast 170 Euro für AdBlue und im Schnitt alle 100 km rund zwölf Euro Kraftstoffkosten. Denn der Karoq ist mit 7,2 l D/100 km im Gesamtschnitt weder sparsam im Verbrauch noch günstig im Unterhalt – auch wegen seiner hohen Einstufung (19) in der Vollkasko.
Assistenzsysteme und Sicherheit
Andererseits ist er eben auch eine Art Vollkaskoversicherung auf Rädern: ein Auto für jede Jahreszeit, fast jede Aufgabe und sogar gefährliche Reisen wie jene durch – Sie ahnen es – die Schweiz. Dort bewahrt er uns souverän vor dem finanziellen Ruin, der einen ja bereits wegen weniger Ka-em-ha zu viel Schnelligkeit ereilen kann. Der Travel Assist, die aktive Tempo- und Spurführung, erkennt ohne Ausnahme alle Tempolimits, passt die Geschwindigkeit umsichtig früh an. Auch die weitere Assistenzabteilung geht ihrem Tag- und Nachtwerk mit großer Gewissenhaftigkeit nach, lässt sich zudem leicht bedienen.
Was sich auch damit erklärt, dass Skoda den Karoq seit dessen Start im November 2017 größtenteils einfach mal gut sein ließ, ohne ihn mit neumodischen statt besseren Modellpflegemaßnahmen zu belästigen. So zeigt die Auto-Biografie des Wagens neben unerheblichen Detailänderungen einzig das diskrete Facelift nach exakt vier Jahren Bauzeit als etwas intensiveres Modernisierungs-Unterfangen.
Wertverlust und Wiederverkaufswert
Solche Konstanz, heißt es oft, trage zu hohem Werterhalt bei. Da der Karoq auch in seinem von jeher etwas rustikal möblierten Interieur nicht an Solidität oder, nun, Anmut verliert, überrumpelt uns dann doch der auf 29.450 Euro geschätzte Restwert. Macht nämlich 48,8 Prozent an Wertverlust – erhoben übrigens ein paar Wochen bevor die Dieselpreise wegen der Energiekrise so immens stiegen. Inzwischen dürften selbst knapp 30.000 Euro für den TDI nicht gewiss zu erzielen sein. Stimmt, auch beim Karoq zahlen sich die vielen Extras im Wiederverkauf kaum mehr aus.
Doch das gilt für so gut wie alle unsere Dauertestautos, die sich so reich ausstaffieren, um zu klären, welche Extras sich auf Dauer wirklich lohnen. Dann aber: Weshalb nur sollte man den Karoq nach 100.080 km hergeben (na gut, außer eben, es stehen an einem trüben Märzmontag diese zwei stattlichen, ernsten Herren vor der Tür, die Skoda vorbeischickt, um den Karoq bei uns einzusammeln)? Wäre es unser Auto, täten wir, was uns nun auch das Liebste wäre: Wir behielten es für und bei uns. Womit wir nun zu Kilometer 104.298 und damit an die Stelle kommen, an der das Beste geht. Genau: zum Schluss.
Ein treuer Begleiter mit kleinen Schwächen
Das Leder auf dem Fahrersitz wellt sich, und im Fußraum ist der Teppich etwas aus der Fassung geraten – ansonsten macht der Skoda innerlich einen guten Eindruck. Kratzer in der schwarz glänzenden Mittelkonsole, speckiges Lenkrad? Nix da. Die, sagen wir mal, bodenständige Materialqualität ohne viel Glitter zahlt sich aus. Selbst dem gewiss oft genutzten Laderaum sieht man die Strapazen kaum an.
Ein Stockwerk tiefer gibt es ebenfalls Lob: Der Unterbodenschutz ist vorbildlich. "Hier hat Skoda nicht an Material gespart, selbst die lackierten Querträger zeigen kaum Korrosionserscheinungen", sagt GTÜ-Ingenieur Christoph Struck. Alles gut also? Nicht ganz. Mit fast 49 Prozent ist der Wertverlust des Skoda (einst 57.500 Euro) sehr hoch. Nur zum Vergleich: Ein frisches Basismodell mit 115 PS kostet aktuell 33.930 Euro.
