Ein echtes Vollwert-Auto
Peugeot belebt eine Traditions-Baureihe neu – zumindest erinnern die Franzosen auf der Präsentation des 408 nachdrücklich an die filmische Historie der 40x-Familie. Aber kann der Neue an die glorreiche Historie anknöpfen?
Von Inspector Columbos 403 Cabrio über den 406 aus dem Kinofilm "Taxi" bis zum neuen Modell zieht sich die Baureihe über sieben Jahrzehnte. Darüber, dass der unsägliche 407 das Image seinerzeit so nachdrücklich beschädigte, dass man seinen Nachfolger zum 508 aufwerten musste, verliert freilich niemand ein unnötiges Wort.
Und auch der Neue ist gar nicht so neu: Der 408 ist bereits seit 2022 auf dem Markt, auf seiner EMP2-Plattform steht nahezu alles, was einst unter PSA vereint war. Nun haben sie den 408 mit dem großen Facelift-Besteck angefasst: Grill und Stoßfänger wurden neu designt, dazu kommt eine Leuchtengrafik inklusive der drei Löwenkrallen. Letztere finden sich auch am Heck wieder, wo nun auch der Peugeot-Schriftzug illuminiert ist.
Die abgebildete Farbe Flare Green ist ebenso neu wie diverse Felgendesigns. Viel wichtiger aber: Antriebsseitig setzt Peugeot weiterhin auf Vielfalt für den Kunden. Neben dem Vollhybrid, der mit 145 PS nun neun mehr leistet als bislang, gibt es den rein elektrischen E-408. Bei ihm ändert sich technisch erst mal gar nichts: 157 kW Leistung, 456 Kilometer WLTP-Reichweite. In der Praxis eher 100 weniger: Wir sind mit vollem Akku gestartet, und der Bordcomputer zeigte 360 km an.
Drei verfügbare Antriebskonzepte
Wegen seiner Vielseitigkeit liegt an dieser Stelle aber der Fokus auf dem Plug-in-Hybrid-Antriebsstrang. Er legt mit 240 PS Systemleistung um 15 PS zu und ist an ein Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe geflanscht. Der nunmehr 17,2 kWh große Akku genügt für bis zu 79 Kilometer rein elektrische Fahrt, auf der Langstrecke versorgt ein 42 Liter fassender Tank den turboaufgeladenen 1,6-Liter-Benziner mit Energie.
Unbenommen von diesen nicht ganz so aufregenden Daten lässt sich bereits nach den ersten Kilometern feststellen: Wie eine C-Segment-Limousine fährt sich der 408 nicht. Die Positionierung eine halbe Klasse weiter oben wäre gerechtfertigt – zumindest in der von uns gefahrenen Topausstattung GT Exclusive. Die Materialien im Innenraum gefallen und sind hochwertig verarbeitet, nur der obere Schirm des iCockpits knarzt schnell. Die Bedienung erfolgt über einen zentralen Touchscreen, dessen großflächige Menüleiste zumindest einige grundlegende Unzulänglichkeiten des Konzepts kaschiert. Besonders erfreulich: die physische Knopfleiste darunter, auf der mit einem einzigen Zwei-Sekunden-Druck auch die Fahrassistenz deaktiviert wird.
Erstaunlich komfortabel
Die heutige Testrunde beginnt innerorts, und dort warten Temposchwellen und Schlaglöcher. Kommt der 408 damit klar? Und ob! Er federt sauber und komfortabel, aber nie schaukelig. Da haben die Ingenieure einen sehr feinen Mittelweg aus Komfort und Verbindlichkeit gefunden. Vor allem wenn man bedenkt, dass unser top ausgestatteter Begleiter einen 20-Zoll-Radsatz untergeschnallt hatte. Die Lenkung gefällt in der Grundeinstellung gut: angenehmer Kraftaufwand, passende Übersetzung; nur die Rückmelde-Talente sind verbesserungswürdig.
Anders sieht es im Sportmodus aus, denn hier hat Peugeot lediglich die Lenkkräfte verstärkt, was künstlich und unnötig kraftaufwendig wirkt, ohne dass sich der Fahrbahnkontakt verbessert. Zudem moduliert dann die verschärfte Leistungscharakteristik dem 408 extrem unangenehme Antriebseinflüsse in die Lenkung. So stark, dass es zeitweise das Lenkrad verschlägt, wenn die Vorderachse Schlupf bekommt. Aber davon abgesehen macht der 408 viel Freude. Seine Auffrischung ist eine gelungene Sache.
