Klein, effizient und erstaunlich sympathisch
Kleine und bezahlbare Stromer sind noch recht selten, Kia aber hat mit dem EV2 schon einen im Programm. Also ab in den 1.000-Punkte-Test!
Oft sind es die kleinen Dinge beim Kennenlernen, die das Gegenüber sympathisch erscheinen lassen: ein kleines Hallo, eine wärmende Umarmung, ein "Hab einen guten Tag!". Nun sind Autos zwar keine Menschen, aber bestimmte Typen sind einem einfach doch sympathischer. Dazu gehört definitiv der neue Kia EV2 , der Sie mit einem beleuchteten "Hello"-Schriftzug samt Smiley in der Tür begrüßt. Und weil er ein E-Auto ist, hat er den Innenraum pünktlich zu den Eisheiligen vorgewärmt – Lenkrad- und Sitzheizung inklusive.
Harte Fakten im Test
Doch Sie haben natürlich recht, hier geht es nicht um Sympathien. In einem Test zählen harte Fakten. Alles klar, können Sie haben: also rauf auf die Waage, die bei 1.601 kg stehen bleibt. Das ist in Zeiten der Elektromobilität quasi ein Fliegengewicht. Klar, der EV2 misst ja nur 4,06 Meter und bunkert lediglich 42,2 Kilowattstunden im Akku zwischen den Achsen, zwischen denen bemerkenswerte 2,57 Meter liegen.Das sind rund sechs Zentimeter mehr als beim aktuell größten Menschen der Welt, Sultan Kösen. Ein schräger Vergleich? Nun, die Karosserie-Überhänge sind kürzer als Sultans Schuhgröße 62.
Im Gegensatz zu dem Hünen wirkt der EV2 nicht nur quadratisch-praktisch, er ist es auch. Versenkte Türgriffe finden wir zwar generell eher unsympathisch, weil unpraktisch. Doch unter all den blechbündigen Konstruktionen ist die automatisch ausklappende Variante der Koreaner die wohl griffigste.
Bedienung und Innenraum
Besser klappt die Bedienung im Innenraum: Kia-typisch erleichtern zahlreiche übersichtlich angeordnete und beleuchtete Tasten die Steuerung. Zwar versteckt sich das digitale Klimamenü für die Fahreraugen ungünstig hinter dem Lenkradkranz, doch für Temperatur und Gebläse existieren separate Tippschalter. Per Touchdruck lässt sich das Menü zudem auf die gesamte Bildschirmbreite ausrollen.
Ansonsten sind die Anzeigen übersichtlich und versorgen den Fahrer mit allen relevanten Informationen. Obwohl hier drin klassenüblich viel Kunststoff verbaut wird, bestofft Kia häufig angefasste Flächen großzügig. Und auch die Verarbeitungsqualität wirkt sehr ordentlich – bei Kleinwagen keine Selbstverständlichkeit.
Praktische Qualitäten
Und wie steht es um die praktischen Qualitäten? Nun, das Raumangebot überzeugt nicht nur in der ersten Reihe, sondern auch im Fond, wo in der Testwagen-Konfiguration zur Not sogar drei Personen unterkommen. Die Beinfreiheit ist trotz des großen Radstands jedoch nur okay. Klappen Sie die asymmetrisch geteilten Rücksitzlehnen um, entsteht eine komplett ebene Ladefläche. Eine schmale und mit dem Ladeboden bündig abschließende Ladekante erleichtert zudem das Beladen. Von den großzügigen Volumenangaben des Gepäckraums (403–1.201 l mit verschiebbarer Rücksitzbank, sonst 41 l weniger) sollten Sie sich jedoch nicht täuschen lassen.
Denn in der Ersatzradmulde versteckt sich ein Subwoofer, und im Kellerfach unter dem zur Hälfte umklappbaren, nicht höhenverstellbaren, aber herausnehmbaren Ladeboden liegen das Reifenreparaturset und die Ladekabeltasche. Die feste Hutablage passt hier nicht rein und muss bei Nichtgebrauch zu Hause bleiben. Dafür ist der Kofferraumausschnitt groß, und ein Ladekabel passt zur Not in den Frunk. Die maximale Zuladung liegt übrigens bei 489 kg, und 750 kg dürfen Sie anhängen.
Ladeleistung und Reichweite
Das Laden an der Wallbox gelingt gut. Hier zieht der kleine Kia mit 22 kW (Option: 990 Euro) Strom, am Schnelllader schaffte er allerdings im Test maximal 115 kW. Mittels V2L-Adapter kann der EV2 Strom auch abgeben. Die Synchronmaschine an der Vorderachse mit 108 kW und 250 Nm werkelt ziemlich effizient.
Rund 16 kWh Verbrauch pro 100 km bescheren dem Kia auf unserer Eco-Runde ordentliche 276 km Reichweite, im Testschnitt sind es mit 19,5 kWh/100 km immerhin 229 km. Auf der Autobahn schmilzt die Reichweite zwar schneller, doch bleibt der doppelt verglaste EV2 dabei mit maximal 161 km/h recht souverän und auch leise. Für längere Routen plant das Navi Ladestopps selbst und zügig ein.
Fahrverhalten und Sicherheit
Das Fahrverhalten lässt sich vor allem als narrensicher beschreiben. Das Frontmotor-Layout verhindert zwar übertriebene Wendigkeit (10,9 m Wendekreis), doch das Fahrwerk ist sauber abgestimmt. Der ohnehin gute Federungskomfort wird mit mehr Zuladung sogar noch besser. Wer über Landstraßen fährt oder den EV2 wie wir im Auftrag der Fahrsicherheit um die Pylonen scheucht (Slalom: 63,7 km/h), muss zwar mit einer feedbacklosen Lenkung klarkommen, sie agiert aber ausreichend präzise. Im Grenzbereich untersteuert der EV2 gutmütig, die elektronischen Helfer fangen ihn früh ein.
Das ändert sich beim Drücken der ESP-off-Taste kaum. Aus Tempo 100 steht der kleine Koreaner nach guten 34,9 m (kalt), andersherum geht es in 8,8 Sekunden auf 100 km/h. Top: Die Rekuperation lässt sich über die Lenkradwippen variieren – von Freilauf bis Einpedalmodus. Die Fahrassistenz ist für diese Klasse reichhaltig: Spurführer und Abstandhalter agieren verlässlich, und das Ein- und Ausparken funktioniert sogar von außen über den Schlüssel. Lediglich die erkannten Tempolimits sind nicht immer korrekt.
Zu schnell sind wir nun schon am Schluss. Doch selbst beim Aussteigen behält der EV2 seinen sympathischen Charakter bei: Mit einem eingeprägten "Have a nice day" in den Türöffner-Mulden wünscht er einen schönen Tag.
