Wer repariert meinen PHEV günstig?
Ältere Plug-in-Hybride sorgen zunehmend für hohe Reparaturrechnungen. Kann man mit einem defekten PHEV auch in günstigere freie Werkstätten fahren?
Die erste Generation der Plug-in-Hybridfahrzeuge erreicht inzwischen ein Alter, in dem sich technische Defekte häufen. Mit zunehmender Laufleistung und Alter treten Probleme auf, die für Halter oft überraschend hohe Reparaturkosten im fünfstelligen Euro-Bereich nach sich ziehen, in diesem Beitrag haben wir die Problematik dargestellt. Besonders teuer wird es bei Instandsetzungen in Vertragswerkstätten der Hersteller. Dort ist die Reparaturpraxis meist recht unflexibel. Defekte Hochvolt-Komponenten werden in der Regel nicht repariert, sondern vollständig getauscht. Das betrifft neben den Traktionsbatterien die Leistungselektronik und zentrale Steuergeräte des Hybridantriebs.
Oft wenden sich Besitzer älterer Gebrauchtwagen bei Defekten an freie Fachwerkstätten, die nicht nur in aller Regel günstigere Stundensätze verrechnen, sondern auch echte Reparaturen durchführen, statt nur Teile zu tauschen. Das ist bei Plug-in-Hybriden jedoch nicht so einfach wie bei Pkw mit Verbrennerantrieb. Die Hochvolt-Technik, dazu gehört neben der Traktionsbatterie auch eine Reihe von Steuergeräten und Ladetechnik, ist komplex und herstellerabhängig unterschiedlich ausgeführt. Daher ist längst nicht jede Fachwerkstatt in der Lage, die Elektro-Technik in PHEV-Modellen zu reparieren.
Reparatur statt Tausch
Ein Beispiel ist die Reparatur von Plug-in-Hybrid-Batterien, bei denen nicht zwangsläufig der komplette Akku ersetzt werden muss. In spezialisierten Werkstätten können einzelne Module oder Zellen identifiziert werden, die außerhalb der Toleranz liegen, um diese gezielt zu erneuern. Auch bei der Leistungselektronik ist es teilweise möglich, defekte Bauteile innerhalb des Gehäuses zu ersetzen, sofern der Schaden eindeutig lokalisiert werden kann. Der finanzielle Aufwand liegt dabei oft deutlich unter den Kosten eines Komplettaustauschs.
Derartige Reparaturen erfordern spezielles Know-how, entsprechende Sicherheitsausrüstung und detaillierte Kenntnisse der jeweiligen Hybridarchitektur. Nicht zuletzt werden für PHEV oft spezielle Diagnose- und Wartungstools benötigt, die von den Fahrzeugherstellern offiziell nur an Vertragspartner verkauft werden und die zusätzlich auch noch extrem teuer sind. Das führt dazu, dass sich vergleichsweise wenige Fachwerkstätten an dieses Thema wagen und sich dann meistens auf nur eine beziehungsweise wenige Marken fokussieren.
Teure Diagnosetechnik
Um spezialisierte freie Werkstätten für bestimmte Automarken und -modelle zu finden, lohnt sich zunächst ein Blick auf spezielle Werkstatt-Such-Portale wie FairGarage. Diese Plattformen listen Tausende freier Werkstätten, die nach Fahrzeugmarke, Postleitzahl und spezifischen Leistungen gefiltert werden können.
Ein gezielter Einstieg bei Suchmaschinen gelingt mit präzisen Suchbegriffen wie "freie Werkstatt [Marke/Modell] [Region]", etwa "freie Werkstatt Volvo Hybrid Solingen". Die Webseiten der Kandidaten verraten dann schnell mehr: Schauen Sie nach expliziten Angaben zu betreuten Marken, Modellkenntnissen, Hochvolt-Qualifikationen für PHEVs oder EVs sowie Zertifikaten und Weiterbildungen. Ein kurzer Anruf klärt abschließend, ob das Team regelmäßig mit Ihrem Modell arbeitet und Zugriff auf Hersteller-Diagnosesoftware und -hardware hat. Oft ist es auch hilfreich, sich an Werkstätten zu wenden, die sich generell auf Elektroautos spezialisiert haben und nicht ausdrücklich auf PHEV. Denn die verwendete Hochvolt-Technik ist prinzipiell in Art und Funktion identisch.
Gezielte Suche
Eine weitere Variante auf der Suche nach günstigeren Reparaturmöglichkeiten sind größere Ketten wie Bosch Car Service. Dort lässt sich im Werkstattfinder gezielt nach Betrieben suchen, die sich auf Elektro- und Hybridautos spezialisiert haben.
Eine Garantie darauf, dass einzelne Komponenten repariert werden können, statt sie zu tauschen, gibt es allerdings nicht. So weist Kfz-Meister Maxim Prichodko, Inhaber der auf E-Autos spezialisierten Kfz-Werkstatt BARS aus Friedberg, darauf hin, dass beispielsweise bei defekten PHEV-Batterien die einzelnen Module als Ersatzteil oft so teuer sind, dass ein kompletter Akku-Tausch wirtschaftlich sinnvoller sei.
Predrag Mitrovic, Geschäftsführer des Autohauses Kraft in München, wo man sich ebenfalls auf die Reparatur von Hybrid- und E-Fahrzeugen spezialisiert hat, weist im Gespräch mit auto-motor-und-sport.de noch auf einen anderen Aspekt hin. Zwar werden Komponenten-Reparaturen, zum Beispiel von Onboard-Ladern, meist erfolgreich durchgeführt. Ist ein solches Bauteil jedoch beispielsweise durch einen Kurzschluss irreparabel zerstört, könne es zu sehr langen Wartezeiten auf ein Original-Ersatzteil vom Hersteller kommen.
Gebrauchtteile sind verfügbar
Letztlich kann es daher auch eine Alternative sein, auf die Suche nach gebrauchten Ersatzteilen zu gehen. In den einschlägigen Verkaufsbörsen im Internet findet sich, zumindest für gängige ältere PHEV-Modelle, inzwischen ein breites Angebot an Gebrauchtteilen. So wird zum Beispiel auf ebay die gebrauchte E-Maschinen-Elektronik von BMW zu Preisen ab rund 1.500 Euro angeboten, neu kostet dieses Bauteil rund 6.000 Euro. Einziger Haken an diesem sinnvollen Recycling: Die jeweilige Werkstatt muss bereit sein, ein Gebrauchtteil zu verbauen.
Als "letzte Instanz" gelten schließlich Betriebe, die sich ausschließlich auf die Reparatur und Instandsetzung von Elektroautos spezialisiert haben, ein Vorreiter hier ist die kroatische Firma EV-Clinic. In Berlin befindet sich eine Niederlassung der EV-Clinic, bei der man es auch in scheinbar aussichtslosen Fällen versuchen kann.
